Laufgemeinschaft der Deutschen Ultramarathon-Vereinigung e.V.
Deutschlandlauf Etappe 7: Von Osnabrück nach Werne a.d. Lippe

Heute steht die "Königsetappe" von Osnabrück nach Werne a.d. Lippe an - vielleicht noch nicht die härteste, aber nominell mit etwas über 90km die längste. Somit waren die Startzeiten noch eine Std. vorverlegt. Bereits um 3:40Uhr regte sich ungelenkes Leben in der Tennishalle. Kurz nach 4Uhr gab es dann Frühstück und heute war es noch leiser als sonst am Morgen. Die Anspannung, der Respekt war fast greifbar, doch für viele galt einfach "the same procedure as every day".

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Das große Feld der Über-7er-Pacer startete um 5Uhr, als es noch dunkel und trocken war.

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Als eine Std später die Sub 7er-Pace-Gruppe startete, fing der Regen an, der eigentlich erst für später angekündigt war, doch damit müssen ja alle zurechtkommen.
Wir mussten uns mit dem Verladen beeilen, da das Gepäck im Regen bereitgestellt wurde. Als die letzten Stücke per Hebebühne gehoben wurden und ich über eine Leiter runterstieg, brach sie zusammen und ich lag auf dem Rücken - voller Dreck und blutiger, eingequetschter Finger - alles nicht tragisch. Mein Ellbogen schmerzte heftig, wohl nicht gebrochen nur böse geprellt. Zurzeit nicht hilfreich für einen Wiedereinstieg, aber auch für meine momentane Helfertätigkeit.
Wir fuhren durch den Regen nach Werne, diesmal über die Autobahn, also leider ohne weitere Läuferkontakte. Als wir ankamen standen wir erstmal an einer falschen Halle uns die Beine im Bauch, doch der Betreuer und Einweiser in die Hallentechnik zeigte uns den richtigen Weg: Die vorgesehene Halle befand sich ein paar Straßen weiter. Mittlerweile war es sehr warm geworden und es schien trocken zu bleiben, so stellten wir alles in die Sonne zum Trocknen.
Nun blieb uns Zeit bis die ersten Läufer ankommen würden. Erkundungstour, Wundversorgung und Duschen waren angesagt. Als ich mich kurz stadteinwärts aufmachte, kamen mir schon verschiedene Radhelfer entgegen und ich stellte fest, dass das Ziel richtig stand: es ging durch den Bahnhof über einen Rad-/Fußweg zur Sporthalle.
Gegen 14:15Uhr (nach 8:15Std) traf bereits der Tretrollerfahrer Peter Bartel, der eigentlich immer als Erster im Ziel war, ein. Etwas erstaunlich, da er bereits 75Jahre alt ist. Der erste Läufer war heute Jens Naujocks in 9:40 Std, Er läuft erst seit ca 2Jahren und hat noch nie einen Etappenlauf gemacht.
Holger kam nach 12:54 ins Ziel, Stefan nach 13:05, Konrad Vogl und Karl Rohwedder kommen auch kurz danach an - von der Hitze und der Länge der Strecke gezeichnet.

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Der Etappen-Sieger Jens Naujocks und Holger Hedelt beim Zieleinlauf.

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Konrad Vogl lief wieder ein sehr gutes Rennen und hinterlässt im Ziel wie üblich einen entspannten Eindruck.
Da beim Italiener um die Ecke zu viel Betrieb war, wurd das Essen an die Halle geliefert. Die Läufer(innen) freuten sich, dass sie für Pizza und Pasta nicht mehr gehen mussten. Bach kurzem Briefing zur morgigen Etappe war für die Meisten um 21/22Uhr Nachtruhe angesagt, Einige waren noch bis nach 23Uhr auf der Strecke.

Text und Bilder: Roland Krauss

Der schnellste Läufer der LG Ultralauf, Holger Hedelt, hatte mehrere Posts vom Tag veröffentlicht. Von der Strecke:

Bei km 78 ausgehaucht. Ab jetzt werdenden die letzten 13km gegangen. Die Nacht reicht nur noch aus den Akku zu 50-60%, da bin ich nicht der einzige.

Und im Ziel:

Stage 6/19 - 91km. Diesmal kein Finishfoto, war ein dickes Brett und ich hatte echt Probleme! Besser kein Bild von mir..... Mal schauen wie die kurze Nacht verläuft. Morgen 3:30 wecken, Start 5:00 Uhr.

Karl Rohwedder fasst ebenfalls den Tag zusammen:

Nach 78km gestern von Sulingen nach Osnabrück stand heute die längste Etappe des laufs an nach Werne, 91km. Die ersten vier Stunden Dauerregen und dann drückende Schwüle. Also Tempo raus und gaaaanz gemütlich in 14:30 ins Ziel gewackelt. 540 km von 1300 sind im Sack, aber jetzt kommen die Berge.
Orthopädie hält bis jetzt, auch noch keine Blasen...

Ergebnisse vom 7 Tag mit Gesamtstand (52 Läuferinnnen und Läufer inder Wertung):

Solo-Läufer   Etappe 7 Platz Tag 7 Gesamtzeit Gesamtplatz
Naujocks Jens 09:40:00 1 56:24:44 3
Wehder Henry 09:54:00 2 53:56:24 1
Hedelt Holger 12:54:00 19 63:44:11 11
Daum Stefan 13:05:00 21 64:59:21 15
Vogl Konrad 13:13:00 23 74:46:35 25
Rohwedder Karl 14:24:00 28 78:01:58 31

Ergebnisse vom 6. Tag befinden sich im Blog: Deutschlandlauf-Blog

Michael Irrgang, Holger Hedelt, Karl Rohwedder, Rohland Krauss, 22.7.2017

Eiger-Trail mein persönlicher Höhepunkt in 2017
Die Entscheidung für diesen Lauf kam relativ spät, besser gesagt es war Gerlinde, eine grandiose Läuferin aus der Ulmer Gegend, die mir diesen Lauf schmackhaft machte. Zwei Tage war ich mit ihr beim SH-Supertrail unterwegs, bei dem sie mir von ihrem geplanten Eigerlauf erzählte. Sie meinte dazu „wenn nicht jetzt wann dann?“. Somit erwachte auch in mir dieser Gedanke in Verbindung mit dem Eiger-Trail, „wenn nicht jetzt wann dann?“. Ich bin in kürze 67 und so viel Wettkämpfe wie dieses Jahr bin ich noch nie gelaufen. Zuerst sah es nicht danach aus, dass ich 2017 noch den Eiger laufen könnte, da dieser sofort am Tag der ersten Ausschreibung ausverkauft war. Das Glück war aber auf meiner Seite, denn über Facebook wurde der Eigerlauf von einem Schweitzer angeboten. Ich sagte sofort zu, diesen Startplatz zu übernehmen.
IMG 1532Der Gedanke an den Eigerlauf mit seinen 101km ging ja noch, aber die 6700 Höhenmeter ließen den Gedanken erschauern. Der erfolgreiche Zugspitztrail mit 80km und 4000 Höhenmeter ließ die Erwartung auf ein Finish doch steigen. Die Abneigungen gegenüber Höhenmeter legten sich langsam und auf irgendeine Art und Weise habe ich mich damit abgefunden. Das Gebirge war gar nicht so schlimm.
Freitag vor dem Eiger-Lauf, Christin aus dem Saarland die ich beim Keufelskopflauf kennenlernte, traf um 10Uhr 30 bei mir zu Hause ein, damit wir gemeinsam die Fahrt nach Grindelwald zum Austragungsort des Eigerlaufes antreten konnten.
Grindelwald, typisches Bergdorf belebt von zusätzlichen 2600 Berg-Trail-Läufern. Der Mittelpunkt war für das Wochenende vom 15.-16.Juli die Läufe um den Eiger. Angeboten waren 16 km die Christin absolvierte, dann noch die 35km und die 51km und als Höhepunkt meine 101km an denen ca. 600 Trailläufer teilnahmen.
Samstagmorgen, gut geschlafen auf der Matratze im Dacia Logan war um 3Uhr 30 der Schlaf beendet. Das Wetter bestens, ideal für den Start um 4Uhr 30. Pünktlich erschallte der Startschuss und die Läufermeute stürmte los, ich hatte mich sehr weit vorne eingeordnet, da relativ früh eine stark verengte Stelle kommt. Aber mit diesem losstürmen am Anfang eines Traillaufes mit 101km hatte ich nicht gerechnet. Für mich galt es bis zur Engstelle mit los zu stürmen, um dann normal den Trail weiter zu laufen. Das Zeitlimit war mit 26 Stunden angegeben, mein eigenes Ziel wären 24-25 Stunden.
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Die Temperaturen waren angenehm für den Lauf. Der Berg „Große Scheidegg“, mit seinen 1959 Höhenmetern, war als erster Wachmacher zu überwinden, um dann wieder auf 1561m zum Bort abzusteigen. Dann wieder hoch zum First 2173Hm, wobei man von weißen Ziegen begleitet wurde. Diese Ziegen konnte man zu Intervall Läufen animieren und sie zogen immer mehr mit den Läufern nach oben. Ab ging es kurz nach Feld 2130Hm bevor es hoch ging zum Faulhorn mit seinen 2681HM.
Die auf dem Faulhorn anwesende Versorgungsstelle war überlaufen, denn die meisten wollten ihre Getränke auffüllen, deshalb hatte ich mich entschlossen, daran vorbei zu laufen. Nachträglich würde ich das als großen Irrsinn bezeichnen, gab es doch an dieser Verpflegungsstelle zum ersten Mal bei diesem Lauf Cola zu Trinken.
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Der Lauf hinüber zur Schynige Platte 1985Hm und hinunter zur Burglauenen war für mich katastrophal - ich fühlte mich ziemlich fertig. Die Gegend der Ausblick war überwältigend aber der Kopf wollte nicht mehr so recht. Die Steine! Ich konnte nicht mehr laufen und hatte Angst vor Stürzen. Ich ging nur noch, auch wenn es bergab ging.
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Vor Burglauenen fing ich an zu rechnen, Zeitlimit für Burglauenen war bei mir im Kopf bei 17Uhr 15. Und wenn ich um ca. 17Uhr in Burglauen sein werde und dort esse, dann ist es 17Uhr 10. Somit wäre der ganze bisherige Zeitpuffer verschwunden und müsste bei Wengen wegen Überschreitung des Zeitlimits aufgeben. Für mich war es da klar ich steige in Burglauenen aus, ich will nicht mehr, ich kann nicht mehr, aus Ende.
Um 16Uhr 45 in Burglauen angekommen, an der VP sofort zwei Becher Cola getrunken und Spagetti bestellt. Auf die Frage, wie viel ich denn möchte, antwortete ich mit „ voll machen, ich höre jetzt auf“. Dann hinein ins Zelt zum Essen, meine Uhr auf beendet gestellt, die ohnehin schon "Akku schwach" angezeigte. Während des Essens hatte ich das Handy hervor geholt, um zu schauen, ob denn die Gerlinde auch hier ist. Gesehen hatte ich sie bisher nirgends. Das Handy sagte mir, dass sie laut Tracker ca. 10km vor mir ist, in Wengen. Und nachgefragt, wie ist denn das Zeitlimit in Burglauenen? Und dort wurde mir dies mit 18 Uhr bestätigt.
Nein, das konnte ich nicht machen. Gerlinde ist 10km vor mir, ich hatte noch eine Stunde Zeit auf den Puffer. Das Aufgeben war vom Tisch. Somit schnell den Rucksack wieder vollgestopft und wieder weiter. Plötzlich war alles anders. Es lief wieder. Der tote Punkt war überschritten. Es machte wieder richtig Spaß zu laufen. Hoch nach Wengen, weiter zur Männlichen und zum Eigergletscher. Ich konnte wieder laufen und ließ beim Bergablaufen viele Mitläufer hinter mir. Es war ein Gedicht für mich - ich war wieder in meinem Element.
Albiglen, Marmorbruch nochmals hoch und dann runter nach Grindelwald zum Ziel. Zieleinlauf in Grindelwald nach 24 Stunden und 11 Minuten. Ich war glücklich, dass Ziel doch noch erreicht zu haben. Einen herzlichsten Dank an alle Mitwirkenden und Helfern die 26 Stunden an den Verpflegungsstellen und auf der Strecke standen für ihren immer freundlichen Einsatz. Danke nochmals.
Nach dem Zieleinlauf kurz ins Zelt, um noch ein paar Bissen zu essen und dann ab zum Auto, um noch kurz im Auto zu schlafen, bevor es richtig hell wurde. Nach 1,5 Stunden endete die Schlafrunde, raus aus dem Auto und wieder zum Veranstaltungsplatz zum Duschen. Anschließend noch in ein Hotel für einen Kaffee und Kuchen, den musste es natürlich geben nach so einem Lauf. Die Siegerehrung wollte ich auf alle Fälle abwarten, obwohl ich auf keinen zu ehrenden Platz zu finden war, da hier nur die Männer in 3 Altersklassen gewertet wurden und nicht die Altersklassen nach DLO, denn dann wäre ich auf Platz 1. Aber Gerlinde war auf dem ersten Platz in Ihrer Klasse, was auch zu erwarten war und die wollte ich noch kurz treffen, was mir auch gelang. So war sie doch mit ihren beiden Lauffreundinnen anwesend. Anschließend Christin von ihrem Hotel abgeholt die auch überwältigt war von ihrem Lauf und so konnten wir alle mit einem glücklichem Gefühl die Heimreise antreten.
Text und Fotos: Franz Holzleitner, 22.7.2017

Die Etappe ging heute  von Sulingen nach Osnabrück über 78,2 km. Roland, der sich mittlerweile auf die Helferrolle eingestellt hat, berichtet von seinem Tag:

Der heutige Tag versprach ein warmer, wenn nicht sogar heißer zu werden und so starteten, wie üblich die meisten lieber bereits um 6 Uhr.

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Startaufstellung der 6Uhr-Gruppe

Die Halle leerte sich also schon um 5:40 Uhr beträchtlich und ich helfe beim Aufräumen. Kurz vor 6Uhr gehe ich aber zum Startschuß raus und begrüße meinen alten Lauffreund HaWe Rehwers, der aus Osnabrück kommt, nun "etwas weniger" mit Laufen macht und deshalb auch nur die Tagesetappe in seine Heimatstadt mitläuft.

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Auf dem Foto unterhält sich Vordergrund Konrad Vogl mit Startkollegen, weiter rechts Holger Hedelt mit HaWe Rehwers.
Nachdem wir unseren LKW beladen hatten, stellte sich heraus, dass einer der Transporter, ein Fast-Oldtimer mit gerissenen Keilriemen, nicht rechtzeitig fertig wird und abends abgeholt werden musste - also tagsüber ein Auto weniger.
Wir machten uns auf den Weg und so mancher Läufer wurde beim Vorbeifahren per Hupe motiviert. Noch war es trotz Sonnenschein erträglich und am 2.VP, den wir kurz ansteuerten wurde motivierte, angefeuert und verpflegt und ein paar Fotos gemacht.

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Kalle (Mitte) und Conny (rechts) Rohwedder am VP 2

Anschließend fuhren wir direkt zum Abladen an die Tennishalle der Spielvereinigung Haste (Osnabrück). Entladen und Ziel aufbauen, wie gehabt, dann blieb etwas Zeit das Gelände und die Gegebenheiten erkundigen.
Kurz darauf kam Corinna (eine Streckenmarkiererin) mit dem Fahrrad an. Ich lieh mir Ihr Rad und fuhr ein Stückchen Richtung Osnabrück City. Weil es so sonnig war, setzteich mich an einen Imbiss und genoss den Augenblick. Auf dem Rückweg sah ich mich mir noch eine alte Schleuse am Kanal an und kam gerade wieder an die Tennishalle, als bereits einige Läufer angekommen waren. Kurz danach konnte ich Holger gratulieren.

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Auch Stefan, Konrad und Karl kamen gut an - allen machte die große Hitze am Nachmittag zu schaffen. Ich beglückwünschte sie und wünschte ihnen eine gute und schnelle Erholung.

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Kalle und Konrad im Ziel
Anschließend wurde am Vereinsheim gegrillt und es gab reichlich Salate dazu. Beim Briefing wurde vor der morgigen (nicht wirklich flachen) "Königsetappe" mit über 90KM gewarnt. Es kann Regen geben, aber es wird sehr warm bleiben.

 

Intessant sind die Bilder, die Holger gemacht hat. Wie zuvor erwähnt, nimmt er sich durchaus die Zeit, um zwischendurch ein paar Fotos zu machen, die er machmal sogar mit witzigen Sprüch kommentiert auf Facebook online stellt.

Zunächst machte er von der früh startenden Gruppe ein paar Bilder von deren Start.

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Ein typisches "Unterwegs-Bild" mit Kommentar:

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Wo muss ich jetzt hin?????? Also mal überlegen???? Oder habt ihr neun Tibb?

Tag6 B

Im Ziel postet er traditionell sich mit dem Zielbanner. Relativ kurz danach postete er ein erstes Fazit des Tages:

Stage 6/19 - 79km. Das Rennen hat heute alles abverlangt. Ich fasse mir kurz: Bis ca. 65km lief es perfekt. Danach war der Stecker raus. Bin bis dahin einen Schnitt von 6:45/km, im Ziel war ich dann gaaanz deutlich über 7:00. Rechnen müsst ihr. Für knapp 79km war ich (öhhhm wie war die Zeit???) sagen wir 9:30h. Morgen stehen 91km an - bin beunruhigt. Und jetzt brauche ich Futter. Achja die Shins. Gestern war es rechts heute links. Hoffentlich zieht das morgen nicht in die Mitte.

Nach Duschen, Essen und der ersten Regeneration kommt der zweite Rückblick, verbunden mit dem Betrachten und Hochladen einiger Fotos. War wohl doch eher schön heute. Es folgen seine Bilder und sein Kommentar dazu:

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Tag6 A

Die heutige Etappe 6 war die bisher landschaftlich schönste Etappe. Schöne alte Lanhäuser, viel Feld Wald, ok - gerade auscwar auch genug. Der erste "Berg", hat auch einen Namen, aber den habe ich vergessen. Morgen stehen 91km an - habe Wahnsinns Respekt.

Ergebnisse gibt es aktuell noch keine. Soweit für heute. Da sind wir einmal alle sehr neugierig, wie sich die morgige Etappe entwickelt.

Text: Roland Krauss, Holger Hedelt und Michael Irrgang, Bilder: Roland Krauss und Holger Heldelt, 21.07.2017

Link zum Deutschlandlauf-Blog

Tag5 1

Aufstellung zum Start. Oli Witzke testet einmal, wie sich das anfühlt.

Gestern habe ich davon berichtet, dass Roland Krauss verletzungsbedingt nicht mehr antreten konnte. Ganz so einfach hat er es sich aber nicht gemacht mit der Entscheidung. Sein Bericht vom fünften Tag:

Für mich galt es kurz nach 4 Uhr (Wecken) die Entscheidung zu treffen, ob ich weitermachen kann. Die Nacht hatte ich noch schlechter als sonst geschlafen, tausende Gedanken spukten durch meinen Kopf, keine Ruhe und Schmerzen. Es fühlte sich gar nicht gut an. Ich zog mir Laufschuhe an und ging auf den Parkplatz vor die Turnballe, versuchte loszulaufen und verspürte sofort den gleichen, stechenden Schmerz wie schon gestern bei meiner "mehrstündigen Wanderung". Das war's - so laufe ich nimmer los!
Während des Frühstücks lief mir der Oli (Veranstalter) über den Weg und ich teilte ihm meinen Ausstieg mit. Er bedauerte es und schickte mich zum Zeitnehmer. Ich einigte mich mit Oli vorerst darauf, weiter dabei zu bleiben (bezahlt ist ja), ich werde mich nützlich machen und fahre auf einem der LKWs mit oder helfe an den VP's.
Ich packte meinen Kram zusammen, stellte ihn an den LKW - eigentlich wie immer, dann sah ich wie die erste, große Gruppe loslief. Das tat verdammt weh, aber nicht zu ändern! Ob ich das noch weitere 14 Etappen aushalte? Nun ich nehme mir vor, zumindest die letzte Etappe zur Zugspitze hoch dabei zu sein - vielleicht ja auch etwas früher, mal sehen.
So stieg ich später in den LKW und fuhr zum neuen Zielort Sulingen. Beim Entladen konnte ich mich gut nützlich machen und auch beim Aufbau des Zielbanners konnte ich gut zur Hand gehen. Als ich nachher von der Innenstadt wieder zum Sportgelände lief, spürte sich mein Schmerz genauso wie gestern an.
Die Läufer liefen bei mehreren heftigen Regenfällen bei warmen Temperaturen. Viele klagten über Schwüle und es gab mindestens einen weiteren Ausstieg. Immer wieder trafen jubelnde Läufer an der Sporthalle ein und Lokalpresse ist vor Ort.
Gegen 17:30 begann das Grillfest hinter der Turnhalle und auch die später Ankommenden wurden noch reichlich bewirtet. Anschließend stand nur noch das tägliche Briefing auf dem Programm.

Tag5 2

Stefan Daum irgendwo auf der Strecke.

Tag5 3

Die ersten Tage begleitete Ingo Schulze die Veranstaltung. Er organisierte in den vergangenen Jahren mehrfach den Deutschlandlauf und gab viele seiner Erfahrungen weiter.

Tag5 5

Übernachtet wird meist in Turnhallen. Das gehört für viele bei einem Mehrtageslauf dazu - andere kommen damit überhaupt nicht zurecht.

Tag5 6

Auf diesen Stellwänden gibt es Artikel über den Lauf. Meist auch ausgerichtete Grüße, Ergebnisse sowie weitere Informationen zum Ablauf oder Wetter.

Tag5 4

Holger Hedelt im Ziel

Er schrieb auf Facebook zu dem Tag:

Stage 5/19 - ca 71km - check. Heute hat es leider einige verletzungsbedingt erwischt. Auch meiner größten Sorgen hat sich heute auch gemeldet: Shins. Was normalerweise bei mir nach erstem Auftreten 30km in höllischen Schmerzen endet hat sich heute bei 5km to go in Luft aufgelöst. Hmmmmm, doch was anderes????? Die folgenden Etappen mit knapp 80 und 91km werden weisen in welche Richtung es geht.

Karl Rohwedder schrieb ebenfalls auf Facebook:

Sulingen ist erreicht (10 Stunden für 72km, wir müssen noch etwas langsamer werden), vom Regen bis zur drückenden Schwüle alles dabei (aber die Frisur sitzt). Erste Ausfälle sind leider auch schon zu verzeichnen.

Ergebnisse von der fünften Etappe:

Start-Nr. Name Vorname Zeit Rang
30 Vidal Jean-Louis 07:06:00 1
28 Hedelt Holger 08:34:00 15
41 Daum Stefan 08:34:00 15
22 Rohwedder Karl 10:00:00 32
24 Vogl Konrad 10:00:00 32

Link zum Deutschlandlauf-Blog

Texte: Roland Krauss, Holger Hedelt, Karl Rohwedder, Michael Irrgang, Bilder: Roland Krauss, Holger Hedelt, 21.07.2017

Heute kam - nicht ganz überraschend - die Info, dass nicht mehr alle Teilnehmer zum Start angetreten sind. Einige quälen sich irgendwie ins Ziel und hoffen über Nacht auf eine Wunderheilung; müssen dann aber morgens feststellen, dass es nicht kam und treten nicht mehr an. Mit etwas mehr Erfahrung geht oder teilweise humpelt man dann doch los, um dann nach einiger Zeit festzustellen, dass mit zunehmender Durchblutung und Belastung, die Schmerzen weniger werden und oftmals sogar ein Laufen möglich ist. Und so vergeht wieder ein Tag.

Unter denen, die nicht mehr antraten, war leider Roland Kraus. Die ersten drei Tage liefen eigentlich ganz gut bei ihm, obwohl bei mir schon aufgrund einiger Aussagen in seinen Berichten die Ampel auf gelb stand: Höchste Alarmstufe! Nun hat es ihn erwischt. Das ist bitter. Wie in meinem Vorbericht beschrieben, halten wohl alle die ersten drei Tage durch und kamen in Hamburg an. Aber für die, die nun schon lädiert sind, werden die nächsten 5 Etappen sehr hart. Zu hart für Roland. Was er genau hat, geht aus seinem Bericht nicht genau hervor, aber lest selbst, wie er den Tag erlebt hat:

Der vierte Tag - ist es der entscheidende Tag für mich

Okay - die Fakten, es standen knapp 80km an - was wie üblich ca. 2-3km mehr bedeutet, aber das kann uns nicht mehr wirklich beeindrucken, Ich startete (freie Startzeitauswahl) mit der frühenen Startgruppe um 6Uhr, da ich heißes Wetter erwartete und mein Leistungsvermögen nix anderes zulässt - soweit, sogut.
Wir starteten also in Hamburg-Nord und liefen Richtung St. Pauli und Davidswache um dann weiter zum bereits renoviertem Teil des alten Elbtunnels zu kommen. Wir mussten die Treppen nehmen; dabei galt es 24Höhenmeter über Eisenstufen hinabzulaufen. Nachdem wir den 426m Tunnel durchquert hatten, ging es auf der anderen Seite die HM wieder hinauf. Kaum hatten wir das Tunnelgebäude verlassen, wartete auf uns der erste VP. Anschließend ging es durch weite Hafen- bzw Industriegebiete und über Hamburg-Harburg verlassen wir über eine ansteigende Gerade die Hansestadt. Nun sind wir in Tötensen angekommen und Oliver Witzke beweist Humor: Ein mit Sprühkreide gemalter Gruß: Welcome in the Home of Dieter Bohlen ... Cherie, Cherie.... Lady!
Dann liefen wir auf KM35 zu und ich verspürte plötzlich heftige Schmerzen aus der rechten Ferse - einfach höllisch! Ich rätselte, was es sein könnte, eigentlich kommt nur die rechte Achillessehne in Betracht. Ich hatte seit vielen Jahren keinerlei derartigen Probleme, selbst zuvor nur minimal. Also erstmal ignorieren, doch das war schwerer getan, als gewollt, denn dafür war der Schmerz zu heftig.
Ich freute mich, als ich am nächsten VP Patrick entdecke, der Helfer für alles - nicht nur Fotos, Videos und Internetzugänge. Er hatte ein starkes Mobilat für mich und ich verteilte es sehr großzügig über die entzündete Ferse. Ich konnte vorsichtig weiterlaufen, aber langsam.
Zwei VP's später - auch die Hitze wurde immer schlimmer, wiederholte ich die Prozedur, doch der Schmerz wurde immer stechender. Die letzten 15-18KM konnte ich nur noch gehen. Bei jedem Anlaufversuch war sofort der Stechschmerz vorhanden. Es war auch sehr, sehr demotivierend für mich, eine solch lange Strecke gehen zu müssen und ich kam schließlich nach 12:31 Std ins Ziel. Damit begann das Spiel von extrem wenig Zeit zum Duschen, Essen und Erholung - auch andere Läufer haben z.Z. dieses Problem. Ich erhoffte mir einfach von etwas mehr Schlaf und einer Nacht dazwischen Besserung/Linderung.
Der Schmerz ließ mich aber kaum schlafen, obwohl ich die Stelle mit Gel und Eis kühlte und vorsichtig massierte. Mal sehen wie es morgen aussieht, war mein letzter Gedanke des Tages. 

Herzliche Grüße Roland

Am nächsten Morgen ist er gar nicht mehr gestartet. Er ist in vier Tagen über 300 km gelaufen und zwar durch Regen, Kälte, Hitze und Schwüle. Lange Etappen, kurze Regenerationsphasen. Es ist insgeamt eine großartige Leistung, auch wenn er noch nicht am Ziel seiner Träume war. Aus der Distanz zu beurteilen, gab es zu dem Rennabbruch keine Alternative. Gute Besserung, Roland.

Texte: Michael Irrgang, Roland Krauss, 20.7.2017