Laufgemeinschaft der Deutschen Ultramarathon-Vereinigung e.V.

Seit einigen Jahren gibt es rund um Salzburg im Juni verschiedene Läufe, mit dem Hauptlauf Mozart 100 mit nun 105 km und 4.700 Höhenmetern. Martin R. Kurz hat sich die Strecke einmal angeschaut:

Mozart100 LogoDer Mozart 100 ist einfach „meine“ Laufveranstaltung. Hier bin ich erstmals einen Ultra gelaufen, der Start ist keine 2 km von meiner Haustüre entfernt, mein bestes Ergebnis (2. Platz in der AK) habe ich hier erzielt (2016). Heuer ist die Strecke deutlich verändert worden, wesentlich mehr Höhenmeter, keine 2 Runden, sondern nur noch eine. Da ich bei der Premiere der neuen Strecke an der Zugspitze laufe, muss natürlich trotzdem der neue Streckenverlauf ausgekundschaftet werden.

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Die GPS-Daten können im Internet heruntergeladen werden, also kein Problem, die neue Strecke zu abzulaufen.
Weil es so schön ist und ich ihn liebe, habe ich die Runde um den Fuschlsee gleich mitgenommen und bin beim Naturbadestrand Hof gestartet. Gegen den Uhrzeigersinn führt die Strecke unspektakulär bis Fuschl am See, ein kleiner Abstecher zur Salzkammergutbundesstraße (von hier kommt man beim Start aus Salzburg) wird von mir mitgenommen. Von Fuschl aus führt die Strecke dann zunächst leicht ansteigend zum Eibensee, ein sehr idyllisch gelegenes Fleckchen, das gerne zum Verweilen einlädt. Doch ich habe ja heute noch mehr vor, darum laufe ich gleich weiter.

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Über den Plombergstein und die Teufelsschlucht geht es wieder abwärts nach Winkl. Dieser Streckenabschnitt ist schon deutlich trailiger als bis jetzt, lässt sich aber trotz Wurzeln gut laufen. Zwischenzeitlich hatte ich eine Abzweigung verpasst, dank GPS-Gerät aber schnell die richtige Richtung gefunden. Zum Teil ist die neue Strecke schon ausgeschildert, an vielen Stellen fehlt aber noch die Markierung. Von Winkl aus kommt dann das erste Brett! Zum Schafberg hoch ist der Weg steil, an Laufen ist für mich nicht zu denken. Trotzdem macht es Spaß, aber es zieht sich hin. Die Schafbergspitze selbst ist zwar sichtbar, wird aber nicht ganz erreicht. Beim vorgesehenen VP raste ich ein wenig und genieße die herrliche Aussicht.

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Dann geht es wieder abwärts über anfangs trailiges Gelände, später auf einer Schotterstraße bis zum Wolfgangsee. Diese Schotterstraße ist dann leider auch verhängnisvoll und die Ursache für einen ordentlichen Sturz. Der Kies rutscht weg und schon liege ich auf dem Boden mit aufgescheuertem und blutendem Unterarm. Kurz muss ich mich erholen und besinnen. Schaut aus, als ob nichts Gröberes passiert ist, es kann weitergehen. Anfangs bin ich aber deutlich vorsichtiger als bisher, habe Angst, nochmals auf dem Kies zu landen. Kurz vor dem Wolfgangsee zweigt der Streckenverlauf dann Richtung Falkenstein ab. Hier komme ich dann an einem klaren Bach vorbei und wasche jetzt mal den Arm ab. Naja, da hat es dann doch ordentlich was aufgescheuert. Die Wunde wird so gut wie möglich von Kies und Sand befreit. Soll ich doch lieber einen Verband anlegen? Ich glaube, der stört mehr beim Laufen als das Blut, das noch ein wenig herabrinnt. Also weiter zum Falkenstein. Diesen Teil kenne ich gut, hier findet auch der Wolfgangseelauf statt. An der höchsten Stelle laufe ich den Hauptweg weiter, komme deshalb auch an den verschiedenen Gedenkstätten vorbei. Aber wieder mal habe ich eine Abzweigung verpasst. Glücklicherweise gibt es aber eine Querverbindung zum eigentlichen Streckenverlauf, von dem aus man einen wundervollen blick über den Wolfgangsee hat und der nicht ausgebaut ist, wie der Hauptwanderweg. Abwärts geht’s nach St. Gilgen. Ein kurzes Stück muss auf der Straße gelaufen werden. Die Salzkammergutbundesstraße wird gequert und dann folgt auch schon bald das nächste Brett. Aufstieg zum Zwölferhorn. Wieder geht es steil bergauf. Der Weg ist gut gehbar, aber für mich viel zu steil zum Laufen. Bei der Lärchenalm zweigt dann der Weg zum Gipfel ab, hier wird eine Labestation sein.

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Der Weg geht jetzt aber wieder Richtung Fuschl. Hier macht es richtig Spaß zu laufen. Zwischendurch ein paar kleinere Anstiege, aber relativ leicht bezwingbare Waldwege abwärts bis Kühleiten. Unten im Tal kommt man dann wieder auf einen Kiesweg, der auf eine Asphaltstraße nach Fuschl mündet. So, jetzt immer nur geradeaus, bald wird der Fuschlsee wieder sichtbar sein. Doch nein, wieder eine Abzweigung verpasst. Nochmals geht es rechts kurz aufwärts, um dann parallel der Asphaltstraße auf einem Kiesweg zu laufen bis dieser Weg wieder runter auf der Asphaltstraße endet. Jetzt ist es wirklich nur noch ein Katzensprung zum See. Um aber zum Auto zu kommen, muss ich noch weiter auf der Strecke bleiben und folge wieder gegen den Uhrzeigersinn dem Ufer des Fuschlsees auf gutem Waldboden bis zum Naturstrandbad.
Fazit dieses Streckenabschnitts: Praktisch immer abseits der Verkehrsstraßen ein Streckenverlauf, der einem die Schönheiten und Perlen das Salzkammguts vor Augen führt. Fast ein Panoramalauf, der aber doch mit ordentlichen 2.750 Höhenmetern gespickt ist. In meinen Augen definitiv schöner, aber auch deutlich schwieriger als bisher. Die Laufzeiten werden deutlich länger sein. Dem hat der Veranstalter durch eine spätere Zielschlusszeit (01:00 Uhr) aber entsprochen, in 20 Stunden müsste die gesamte Strecke eigentlich locker zu schaffen sein.

Den Streckenabschnitt von Salzburg bis zum Fuschlsee und zurück zur Stadt werde ich auch noch testen müssen, kommen doch auf dem Rückweg auch neue Herausforderung dazu!

Text und Bilder: Martin Kurz, 21.5.2017

Martin hat einige Bilder mit schöner Musik zu einem Film zusammengefasst: https://www.facebook.com/100005408766606/videos/673066372883649/

Homepage der Veranstaltung: http://www.mozart100.com/

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Der Transvulcania auf der wunderschönen Kanareninsel La Palma ist bei allen Trailläufern weltweit ein Begriff und viele haben ihn wegen der landschaftlich atemberaubend schönen Laufstrecke auf der Liste. Das Höhenprofil verspricht rund 4350 Höhenmeter, die 74,33 km lange Strecke ist nicht wenig anspruchsvoll und für warme Temperaturen ist ganz nebenbei auch gesorgt. Neben dem beschriebenen Ultramarathon stehen den Läufern auch kürzere Strecken, wie der vertikale Kilometer, die Halbmarathon- oder die Marathondistanz zur Auswahl.

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Kurz vor dem Start
Der diesjährige Transvulcania hat am Samstag, dem 13. Mai stattgefunden. Unsere kleine Laufgruppe bestehend aus Vera Eskens, Martina Stolk, Peter Wasser (alle von der LLG Kevelaer) und ich waren am Start. Vera, Peter und ich hatten die Ultradistanz und Martina den Marathon auf dem Plan.
Der Ultra startet an der Südspitze von La Palma am Leuchtturm Faro de Fuencaliente am tosenden Strand. Von hieraus schlängelt sich die Laufstrecke durch z.T. tiefe schwarze Vulkanasche durch ein sehr junges Vulkangebiet (der letzte Ausbruch war erst 1971!) zur ersten Verpflegung in Los Canarios. Die hohe Starterzahl führt bei dem engen Trail leider zu Beginn zu langen Staus, so dass ich für den ersten Kilometer sage und schreibe rund 25 Minuten gebraucht habe. Der begeisternde Empfang in Los Canarios hat hierbei aber alles wieder gut gemacht, so dass ich die erste lange Bergetappe gut gelaunt fortsetzen konnte. Die Strecke zieht sich bei einigem Auf und Ab, oft über mit Asche bedeckte enge Trails zunächst sonnig, dann später durch den kühlen und nebeligen Lorbeerwald, dann weiter oben wieder in der Sonne nach 51,8 km bis auf den höchsten Punkt, dem Roque de Muchachos mit 2420m Höhe.

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Blick in den Krater

Spätestens hier hätte ich wohl besser mal die scharfkantige Asche aus den Schuhen holen sollen. Der Sand produziert nämlich Blasen erster Klasse, der sich nach dem Platzen der Blasen geschickt, aber leider nicht ganz schmerzfrei, in den nunmehr leeren Blasen festsetzt.

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Der höchste Punkt der Strecke, der Roque de los Muchachos.
Aber vom Roque de los Muchachos geht es ja nur noch runter und damit ist doch auch schon fast alles geschafft oder? Leider hat sich das so nicht ganz bewahrheitet. Der Weg runter zum Meer nach Puerto de Tazacorte führt über einen sehr technisch zu laufenden felsigen Weg mehr oder weniger steil über 20 km abwärts. Nichts für schwache Knie oder wackelige Fußgelenke. Spätestens da habe ich mir gewünscht, ich könne einigermaßen schnell technisch runter laufen. Alle Spanier, die ich vorher überholt hatte, polterten an mir vorbei. Spanische Trailläufer haben ggf. die stabileren Fußgelenke und das geländegängigere „Fahrwerk“. So muss es wohl sein. Der Leidensfähigkeit fordernde Abstieg wird dann kurz vor Puerto de Tazacorte von der legendären Felsentreppe gekrönt.

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Der Abstieg auf der legendären Treppe

Sie führt in Serpentinen, die in felsige Küstenklippe eingelassen sind, atemberaubend bin runter ans Meer – ein Schauspiel erster Klasse - sehr lohnend. Danach einen kleinen Abstecher über den Strand, dann durch ein ausgetrocknetes Flussbett und schnell dreihundert Höhenmeter nach oben durch die Bananenplantagen und die Weinberge und schon ist das Ziel in Los Llanos in Sichtweite. Die letzten Kilometer werden durch die Begeisterung der Zuschauer wieder ganz leicht, so dass die Leid geprüften Beinen wieder große Schritte ziehen können – sehr nett. Nach 14:47 bin ich wohlbehalten (abgesehen von ein paar Blasen und den bei einem kleinen Sturz geschrotteten Trailstöcken) im Ziel. Vera und Peter folgen ein paar Minuten später. Der schnellste Mann Timothy Lee Freriks ist nach 7:02 und die schnellste Frau Ida Nilsson mit 8:04 im Ziel. Aber wie wichtig ist die Uhr bei so einem schönen Lauf!?

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Stefan im Ziel
Text und Bilder: Stefan Henscheid, 20.05.2017

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Zusammen mit Clemens Jordanow war ich am Start beim Megamarsch in München. Knapp über 100km mit 1100hm galt es in 24h zu meistern. Von München nach Mittenwald.

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Um 16 Uhr sind wir am Biergarten "Gutshof Menterschweige" gestartet. Die ersten Kilometer an der Isar vergingen wie im Flug. Schöne trailige Passagen und ein stetiges bergauf bergab.

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Nach etwas mehr als 11 Kilometern spuckte uns der Wald wieder aus und es folgten relativ langweilig 12 km immer am Damm des Isarkanals entlang. Nach gut 24km und etwas mehr als 4h erreichten wir VP1 in Puppling.

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Als Verpflegung gab es Wasser, Bananen, Äpfel und Müsliriegel. Alles andere musste man sich selbst kaufen....naja. auch das Angebot an Toiletten war sehr überschaubar. 3 Dixis und 5 Toiletten im Gasthof sind doch etwas knapp bemessen für so ein Event
Also erstmal ne Cola und eine Leberkässemmel. Noch etwas Proviant eingepackt und nach 20 Minuten machten wir uns frisch gestärkt wieder auf den Weg.
Es ging auf dem Jakobsweg relativ unspektakulär weiter über Wolfratshausen, Gelting, Eurasburg, Beuerberg nach Faistenberg zu VP2.
Das Wetter schwenkte so langsam um. Überall zuckten blitze und man hörte es in der Entfernung donnern. Aber noch war es trocken.
Kurz vor 1 Uhr erreichten wir bei Streckenkilometer 44 das Hofcafe Otthof.

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Auch hier das gleiche Bild wie bei VP1. Wasser, Äpfel etc wieder umsonst, dazu gab es noch Brühe und Kaffee. Alles andere nur gegen bares.
Für mich gab es eine Käsebrezel, ne Cola und ein Weizen.

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Ich fühlte mich frisch und alles war bestens. Bisher keine Zeichen von Müdigkeit oder sonstigen Problemen.
Kaum hatten wir VP2 verlassen fing es an zu regnen. Die erste halbe Stunde noch relativ schwach doch das änderte sich schlagartig. Der Himmel öffnete seine schleusen und es goss wie aus kübeln. Meine Regenkleidung hielt dicht und auch die Goretex Schuhe blieben trocken.
Vorbei an Penzberg ging es endlose Kilometer an der Loisach entlang Richtung Benediktbeuren. Nach ca 4h im Dauerregen hatte das Wasser dann doch seinen Weg in meine Wanderschuhe gefunden. Um halb Sieben erreichten wir frierend und nass bis auf die Haut endlich VP3 in Kochel am See.
Nachdem klar war das für Clemens hier Schluss ist spielte ich mit dem Gedanken alleine weiter zu machen. Einen Satz trockene Kleidung hatte ich ja eingepackt

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Also ab auf die Toilette und umziehen. Die Ernüchterung folgte als ich meinen Rucksack öffnete. Auch hier alles klatschnass.
Somit war auch für mich hier Schluss. Um 7.45 Uhr fuhr unser Zug Richtung Mittenwald.
Bei mir machte sich etwas Enttäuschung über meine schlechte Ausrüstung breit. Des weiteren habe ich noch keinerlei Erfahrung mit solchen Streckenläufen. Aber man lernt ja nie aus . Körperlich und mental wäre ein finish drin gewesen. Aber es hat nicht sollen sein.
Was mich absolut positiv stimmt ist die Tatsache das es wieder über 70km mit ca 700hm in ca 14h waren die ich problemlos geschafft habe.
Außer 2 kleinen Blasen an den Füßen keinerlei Probleme. Auch auf das erstmalige tragen eines Rucksacks während eines Laufes kann ich positiv zurückblicken. Keine scheuerstellen oder ähnliches an Schulter bzw Rücken.
Megamarsch...Ich komme wieder...Mit besserer Ausrüstung....und dann ist ein finish fällig.

Text und Bilder: Heiko Rost

 

Aufmerksam wurde ich bereits im Dezember letzten Jahres auf diese "Grenzerfahrung an der Isar", so der Untertitel auf der Veranstaltungshomepage. So etwas reizt mich ja immer. Guido war natürlich auch gleich dabei und eine Freundin von uns hat sich ebenfalls angemeldet. Die Strecke geht bis Wolfratshausen an der Isar entlang und wechselt dann auf den Jakobsweg Isar-Loisach nach Mittenwald.
Ich bin bereits 24h in den Dolomiten gewandert und ja auch 100km gelaufen - also sollte machbar sein. Allerdings war mir nach dem Lesen der Rahmenbedingungen schnell klar, dass das mit der Logistik der Knackpunkt sein wird: kein Gepäcktransport, kein Shuttle-Service, 4 Verpflegungsstationen mit Obst, Waser und Müsliriegel. Wenn wir aussteigen müssen, dann in der Nähe von Bus und Bahn.
Nicht ganz ernst gemeinte Umfragen im Freundeskreis nach einem Support-Team waren erfolglos - und auch unser Plan, das Auto am Tag zuvor in Kochel bei km 65 mit Wechselklamotten zu parken, ging sich (leider) zeitlich nicht aus.
Generell war uns die Strecke nach Mittenwald bekannt -allerdings mehr mit dem Rad. So sind wir zur Vorbereitung die ganze Strecke schon mal gewandert - in 3 Etappen aufgeteilt: München - Wolfratshausen, Wolfratshausen - Kochel und Kochel - Mittenwald. Es ist ja alles gut erschlossen mit Bahn, S-Bahn oder Bus. Dadurch kannten wir die Strecke jetzt sehr gut -was ein enormer Vorteil beim eigentlichen Marsch war. Denn die Schilder (oft nur Aufkleber an den Stangen von Wegweiser) des Jakobsweg sind nicht immer einfach zu finden bzw. an manchen Gabelungen nicht eindeutig. So konnten wir einigen ratlosen Mitstreitern immerhin den richtigen Weg weisen. Auch haben wir festgestellt, dass unsere Laufschuhe für dieses doch meist flache Gehen am besten geeignet sind - so war das das Schuhwerk unserer Wahl inkl. der WrightSocks.

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Für den Tag X waren die Wettervorhersagen sehr durchwachsen, mit Regen und auch Gewitter musste man rechnen. Also alle Regenklamotten eingepackt. Beim Start aber war es dann doch ein traumhaftes Wetter - und los ging es. Ich war überrascht, wieviele junge Leute dabei waren (unter 30) und auch, wie flott alle gegangen sind. Wir haben ein etwas ruhigeres Tempo angeschlagen. VP1 nach 23km haben wir gut erreicht, unsere Wasserflaschen aufgefüllt und uns gestärkt, alles im Stehen. Dann ging es weiter zur VP2 bei km 42. Hier sind wir dann in der Dunkelheit gewandert, größtenteils auf Teer - das tut meinen Füßen nie gut. Wir kamen um halb eins an. Unsere Freundin musste hier aufhören - es ging ihr nicht mehr so gut. Ich muss gestehen, dass die Verlockung, jetzt auch in den Bus nach Wolfratshausen einzusteigen, kurzfristig doch sehr groß war.
Aber dann haben wir uns nach einer Stärkung mit Kaffee und Butterbrezen wieder auf dem Weg gemacht - endlich auch ein Teilstück auf Waldboden, was den Füßen wieder sehr gut getan hat. Nach einer halben Stunde dann Blitze ringsum, aber das Donnern immer zeitlich doch so versetzt, dass ich mir keine zu große Sorgen machte. Ab Penzberg dann um 2 Uhr ging aber der Regen los - schnell in die Regenhose geschlüpft, Regenjacke an und Regenschutz über Rucksack gezogen. Und dann hat uns ein starker Dauerregen bis fast nach Kochel begleitet - wir haben es immer wieder mit Humor genommen - aber es war schon zermürbend. Vor allem die Schuhe und Strümpfe waren voll Wasser. Auch hat die Regenjacke leider irgendwann versagt. Ab Bichl habe ich dann ein seltsames Brennen am Rist verspürt - habe die eigentlich doch lockere Schnürung weiter gelockert - es wurde aber immer unangenehmer. Endlich in Kochel wieder im Hellen angekommen sind wir bei VP3 im Wirtshaus auf viele müde und leidende Wanderer gestoßen. Die Sanitäter waren alle sehr beschäftigt. Ich habe dann mal meine Schuhe und Socke ausgezogen und hatte viele Blasen auf (!) der Füßen, am Rist. Das hatte ich noch nie. Der nächste Tiefschlag war dann, dass ich feststellen musste, dass auch meine Wechselklamotten im Rucksack ebenfalls nass waren. Guido war da schlauer, er hatte seine Kleidung zusätzlich noch in Plastiktüten verpackt gehabt.

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Wir haben uns dann entschlossen, uns unsere Urkunde abzuholen und mit dem nächsten Zug nach München zurückzufahren. Da wir ja nun auch Urlaub haben und ein paar Bergwanderungen eingeplant haben, hat die Vernunft gesiegt. Ich wollte nicht die nächsten Tage entweder erkältet bzw. total "fußkrank" verbringen.

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Fazit: es war eine interessante Erfahrung, vor allem auch schon bei den Probewanderungen, dass man halt nicht so schnell vorankommt - das muss man erstmal wieder aushalten können. Aber wir haben beschlossen, künftig wieder bei Laufveranstaltungen mitzumachen (auch mal wieder 100km) und das Wandern wieder in die Berge zu verlegen.

Text und Bilder: Evi Piehlmeier, 19.5.2017

Dies ist der zweite Teil eines Berichtes von Kirsten Althoff, die an einem 250km-Etappenlauf durch die Wüste in Namib teilnahm.

Teil 1 könnt ihr hier nachlesen, der etwa mit diesem Bild endete:

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Ab der dritten Etappe begleitet mich Rafael. Was für eine Ehre!! Er ist der einzige Mensch in meinem Leben, von dem ich mir je ein Autogramm besorgt habe. Und nun läuft er mit mir! Jetzt kann mir tatsächlich nichts mehr passieren mit so einem Wüstenfuchs an meiner Seite!

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Ab jetzt habe ich die Ehre mit Rafael zu laufen. Ein Wüsten-Traum 😊

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Die ersten 30 Kilometer führen direkt am Strand entlang. Zu Beginn versuchen wir noch die laufbareren Sandwege zu finden, aber der Untergrund wechselt so schnell, dass wir nach kurzer Zeit die Bedingungen so nehmen wie sie sind. Eine Lehre der Wüste: Einfach alles so nehmen, wie es ist.

Es ist herrlich durch diese unberührte Unendlichkeit zu laufen. Unterwegs begegnen uns ganze Robbenkolonien. Im Training hätte ich solch einen Strandlauf wahrscheinlich nie geschafft. Hier will meine Kraft einfach nicht weniger werden. Unglaublich! Mein Kopf ist leer. Ich denke gar nichts. Einfach laufen….und laufen…und laufen. Mein Wunsch ist nicht der erste Platz, sondern einfach mein Bestes zu geben. Ich laufe so gut ich kann und sauge wie ein Schwamm die Natur und Atmosphäre auf.

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Die letzten 10 km führen ins Landesinnere. Laufbarer als der Strand wird der Untergrund nicht. Eine surreale Marslandschaft erstreckt sich bis zum Horizont vor uns. Langsam wird es doch hart. Wo ist denn das Ziel? Wir marschieren das erste Mal in diesem Rennen. Dabei wird mir bescheinigt, dass ich eine miserable Walkerin bin. Mein Tempo erinnert eher an einen gemütlichen Stadtbummel als einen zügigen Marsch. Böser Fehler, die ganzen Hinweise, dass das Wandern geübt werden soll, zu ignorieren. Als ich etwas Grünes am Horizont erblicke, denke ich: Yearh, Land in Sicht. Im Ziel beschweren sich einige Läufer über die letzten 10 Kilometer, die doch wirklich hart waren. Den nüchternen Kommentar von Rafael werde ich nie vergessen: „Wenn es leicht wäre, hieße es Party."

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Lagerfeuerromantik. Abends wird es zum Teil empfindlich kalt. Spätestens um 19.30 Uhr kriechen wir daher in unsere Schlafsäcke.

Die vierte Etappe ist der berühmt berüchtigte Long March über 80 km. Kurz vor dem Start erklärt mir Rafael die Renntaktik: Möglichst vermeiden zu wandern, sondern gleichbleibend langsam laufen. Erstens ist der Wechsel zwischen wandern und laufen anstrengend und zweitens bin ich einfach sehr langsam beim Wandern. Guter Plan! Wo ist die Tonne?
Es ist brutal warm. Frontal bläst der Wind mit 50 km/h ins Gesicht. Zwischen CP2 und CP3 gehen uns die Wasservorräte aus. Nicht gut! Meine Finger sind durch die Hitze doppelt so dick wie normal. Meine Füße passen auf einmal nicht mehr so wirklich in meine Schuhe. Das macht aber nichts. Sorgen machen mir eher die beginnenden Kopfschmerzen.

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Riita aus Finnland und ich kämpfen uns durch den heftigen Gegenwind, der sich wie ein zu heiß gelaufener Fön anfühlt. Fotocredit: www.4Deserts.com/ Onni Cao

Bekomme ich einen Hitzeschlag oder dehydriere ich, ist das Rennen für mich gelaufen. Egal wie gut ich gerade platziert bin. Zack! Aus! Daher ist die Sache mit der Platzierung bei dem gesamten Rennen auch so gut zu ignorieren. Unter den extremen Bedingungen ist es absolut entscheidend immer genau auf den eigenen Körper zu hören. Gut und gesund ins Ziel kommen ist die mit Abstand oberste Priorität.
Zwischen CP 3 und 4 müssen wir wandern. Laufen wäre bei dem Gegenwind viel zu heftig. Vor uns und hinter uns ist kein Läufer in Sicht. Die Landschaft ist einmalig. Felsen formieren sich in immer neuen Kombinationen und Farben. Und alles ist durch die besonderen Lichtverhältnisse außergewöhnlich intensiv.
Am CP 4 steht Ralf, der Lebensgefährte von Antje. Er hat sich als Volunteer gemeldet, um bei dem großen Abenteuer von Antje dabei sein zu können. Seine stets positive und gelassene Art ist echt ansteckend. Er schenkt mir heute eine Riesen Portion Wasser über den Kopf! Herrlich! Ich nehme mir fest vor zu Hause mindestens 20 Minuten lang kaltes Wasser über den Kopf laufen zu lassen. Angesichts meiner Flüssigkeitsaufnahme, die einem Kamel Konkurrenz macht, lassen auch die Kopfschmerzen nach.

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Man sieht mir die Strapazen deutlich an. Hier habe ich gerade die Hälfte der Etappe geschafft. www.4Deserts.com/ Onni Cao

Der Wind kommt inzwischen von der Seite und Wolken spenden immer wieder Schatten. Wir genießen nochmal für 20 Kilometer die „Emotionalität der Flugphase“ und rollen gemütlich vor uns hin. Meine Beine fühlen sich schwer wie Blei an. Ich richte meinen Fokus bewusst nach außen. Wie wäre es, wenn ich einfach durch die Wüste tanzen würde? Die Landschaft ist herrlich! Wenn laufen zu hart ist, stell dir einfach vor zu tanzen. Es funktioniert. Ein Motivationskick durchströmt meinen Körper und ein Oryx (große Antilope) läuft majestätisch ins Bild. Der Löwenbeobachter, der immer wieder die Strecke auf Wildtiere kontrolliert, berichtet uns, dass er soeben das Nashorn hinter dem Berg schlafen gelegt hat. Ja, dann kann uns ja nichts mehr passieren. Oder doch? Die Strapazen machen sich bemerkbar und der Magen mag weder Wasser noch Buffer. Ich übergebe mich mehrmals. Auch nicht schlimm. Bin ja noch gut hydriert und es wird langsam dunkel. Dennoch entschließen wir uns die letzten 20 Kilometer zu wandern. Der Untergrund wäre eh kaum laufbar gewesen. Unter einem herrlichen Sternenhimmel reden wir über Gott und die Welt. Plötzlich höre ich die Zieltrommeln? Ach, ist das herrlich! Geschafft.

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Während der gesamten Nacht ist an Schlaf nicht zu denken. Immer wieder kommen müde Krieger ins Ziel. Wir begrüßen jeden Einzelnen und mir kommen immer wieder die Tränen vor Rührung und Bewunderung. Was für ein starkes Gemeinschaftsgefühl sich hier unter eigentlich fremden Menschen entwickelt hat?! Was für eine unglaubliche Leistung und Willen hier einige offenbaren! Wie auf Eiern stolpern einige sichtlich von den Strapazen gezeichnet ins Ziel.

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Steffen ist mein persönlicher Held dieser Etappe. Was kann ein Mensch aushalten und durchstehen! Trotz erheblicher Probleme erreicht er nach über 20 Stunden das Ziel.

Das Highlight an unserem freien Tag ist ein Ranger, der eimerweise Wasser über unsere Köpfe schüttet. Es ist wieder brutal warm und nirgends wirklich gut auszuhalten. Was eine Wohltat ist da dieser Eimer Wasser.
Ich bekomme immer wieder Mails von Freunden und meiner Familie. Aufgeladen mit der Wüsten-Emotionalität treffen mich die Worte direkt ins Herz. Wie sie alle mitfiebern!!! Hier ist die Zivilisation sehr weit entfernt, aber mit den Mails bekomme ich eine Ahnung davon wie sich alle mit mir freuen.

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Am unserem freien Tag vegetieren wir vor uns hin.

Dennoch möchte ich noch nicht wieder zurück in die Zivilisation. Es steigt Wehmut in mir auf. Die letzte lange Etappe bestreite ich wieder mit Rafael. Bis auf einen wunderschönen 9 Kilometerlangen Abschnitt auf dem Dünenkamm ist die Strecke gut laufbar und sehr abwechslungsreich. Traumhaft! Morgen ist leider schon die letzte Etappe. Viel zu schade! Ich möchte nicht die Ziellinie überqueren.

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Im Ziel wird die Ausrüstung der Top10-Läufer kontrolliert. Nicht, dass jemand etwas von der Pflichtausrüstung zur Gewichtsoptimierung des Rucksackes weggeschmissen hat. Natürlich nicht! Das „Highlight“ des Tages sind die Duschen im Camp. Es ist tatsächlich eher ein Rinnsal, das sich an der Wand runter schlängelt. Mir ist es egal. Ich vermisse ja eh nichts. Keine kalte Cola, keine Dusche und auch sonst nichts. Wenn ich die Wahl hätte, würde ich das karge Leben in der Wüste jedem zivilisatorischen Quatsch vorziehen. Ja, ich bin tatsächlich sehr traurig, dass die Woche zu Ende ist. Deshalb interviewe ich alle erfahrenen Wüstenläufer und checke in Gedanken meinen Terminkalender. Schaffe ich es dieses Jahr nochmal in die Wüste? Bestimmt!

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Manon scheint übermenschliche Kräfte zu haben. Da wo normalerweise Fußsohle ist, ist bei ihr nur noch rohes Fleisch. Und damit bestreite sie nochmal zwei Etappen. Der Wahnsinn!

Auf der letzten Etappe von kurzen 10 Kilometern möchte ich alleine sein. Die Emotionen drücken stark gegen meine Brust. Ich gebe nochmal alles. Meine Beine fühlen sich inzwischen aber doch mehr als müde an. Und dann steht es vor mir: Schluss! Aus! Ende! Das Ziel! Tränen und Dankbarkeit steigen in mir hoch. Alle umarmen alle und zigtausend Fotos werden für das Erinnerungsalbum geschossen.

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Die letzten Meter in der Wüste. Fotocredit: www.4Deserts.com/ Onni Cao

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Der Little Desert Runners Club im Ziel. Fotocredit: www.4Deserts.com/ Onni Cao

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Links Riita aus Finnland als Drittplazierte und rechts Caroline aus Italien als Zweitplatzierte.

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Resumée

Dieses Rennen war mehr als ein „normaler Lauf“. Man sagt, dass die Wüste einen verändert. An den ersten Tagen habe ich Rafael wohl ein bisschen mit meinen Fragen genervt. „Was verändert sich denn???“
Ich sehe mir immer noch erstaunlich ähnlich. Ich habe auch nach der Wüste morgens Lust auf eine Dusche und abends auf ein gemütliches, weiches Bett. Wenn ich definieren sollte, was mich die Wüste gelehrt hat, ist es Pragmatismus: „Einfach machen“ und nicht immer erst stundenlang darüber nachdenken. „Einfach machen“ bedeutet auch nicht in der Zukunft und der Vergangenheit zu hängen, sondern in dem, was gerade stattfindet. „Einfach machen“ bedeutet auch, dass ich nicht jeden Konflikt und jede Andersartigkeit von anderen Menschen verstehen muss. „Einfach machen“ bedeutet auch, dass ich einfach so sein darf wie ich bin. Ist schon alles recht so. Ich brauche keine Trainingsoptimierung zu betreiben, sondern nur meinen Kopf und mein Herz befreien. Wenn ich in meinem Element bin, kann ich Unvorstellbares vollbringen. „Einfach machen“ bedeutet, die Bedingungen, ob angenehm oder nicht, entweder zu ändern oder falls nicht möglich, so zu akzeptieren wie sie sind. „Einfach machen“ bedeutet auch, die Kontrolle aufgeben. Auch die Kontrolle im Kopf. Es geschieht schon alles so wie es soll. Lass dich mal überraschen.

Auf der anderen Seite konnte ich mich recht gut selbst führen. Immer wieder habe ich bewusst meine Aufmerksamkeit weg von den schmerzhaften, unangenehmen Dingen auf die schönen gelenkt. Damit war meine Welt etwas mehr „Rosamunde-Pilcher“ anstelle von „Aktenzeichen XY ungelöst“. Etwas leichter, etwas schöner und mit Happy End! Rafaels Gelassenheit und Sorglosigkeit hat sich direkt auf mich übertragen. Was da alles überhaupt nicht schlimm war? Wahnsinn! Und mit dieser Gelassenheit im Bauch lässt es sich tatsächlich sehr angenehm leben.

Ich bin davon überzeugt, dass mein gutes Durchkommen ohne viele Blasen, Magenprobleme und Krafteinbußen mit meiner mentalen Freiheit zusammenhängt. Mein Trainingszustand war eher miserabel und mein läuferisches Können nicht besser als das vieler Athleten vor Ort.
Ich habe mich die ganze Zeit am genau richtigen Ort gefühlt. Alle Werte, die mir beim Laufen (und im Leben) wichtig sind, haben sich in starker Intensität gleichzeitig offenbart. Freiheit, Weite, Gemeinschaft, Reduktion auf das Wesentliche und Laufen nach Körpergefühl. Wunderbar.
Rafael würde jetzt sagen:“ Kannste so nicht schreiben. Viel zu Rosamunde-Pilcher-mäßig. Auch wenn‘s stimmt.“ Ich lass das jetzt mal so stehen. Ihr habt ja den Drücker in der Hand und könnt jederzeit das Programm wechseln 😉

Ich danke Michele Ufer für das Umlegen der richtigen Knöpfe in meinem Kopf. So konnte ich schon sehr zuversichtlich und voller Vorfreude in die Wüste starten. Der Sack an mentalen Techniken hat meinen Rucksack deutlich leichter gemacht.
Ich danke den Mitgliedern des Little Desert Runners Club für das starke Gemeinschaftsgefühl. Ihr seid echt klasse! Ein bunter Haufen starker Charaktere 😊
Ich danke auch all den Volunteers, Mitläufern und Organisatoren. Ihr habt eine einmalig gute Atmosphäre gezaubert. Ich habe mich trotz der extremen Bedingungen immer sicher gefühlt. Und die never-ending Party an den Check-Points und im Ziel muss man erstmal durchziehen 😉

Ganz besonders danke ich Rafael! Danke, dass ich soviel von Dir lernen und mir abschauen durfte! Neben der perfekten Equipementberatung warst du immer da, um vorher und währenddessen Mut und Zuversicht zuzusprechen. Dein Pragmatismus und deine Gelassenheit hat mich tief beeindruckt. Ohne dich wäre ich ganz sicher nicht so smooth durch meinen ersten Wüstenlauf gekommen.

Text: Kirsten Althoff, Bilder: Kirsten Althoff, Veranstalter, 19.5.2017

Ergänzungen

Ein Video der Veranstaltung (22 min): https://youtu.be/MVdliyyC_BQ

Homepage zur Veranstaltung: https://www.4deserts.com/

Bildergalerie, Teil 2

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Mein 2.Ausfall eines Laufs direkt hintereinander: der 24h-Lauf im Münchner Olympiapark wurde abgesagt – angeblich wegen schlechter Wetterprognosen. Das wusste der Veranstalter also bereits im Verlauf des Montages – dabei weiß jeder halbwegs „vernünftige Wetterfrosch“, dass Wettervorhersagen länger als 5 Tage im Voraus nicht viel wert sind. Ich persönlich glaube, dass das andere Gründe hatte und das Ende dieser Veranstaltung ist, denn schon im vergangenen Jahr klagte man über mangelnde Beteiligung.

Nun aber zu meinen Lauf, bei dem ich ersatzweise antrat: Eine Premiere - zum 50 Geburtstag des SV Schwindegg hat man sich in der starken Laufabteilung mit vielen überdurchschnittlichen Läufern einen 6 Stunden-Lauf einfallen lassen.

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Schon beim Thermenmarathon in Bad Füssing hat mir der Leiter der umtriebigen Laufabteilung Günther Weitzer, mittlerweile auch der Präsident der DUV, die ersten druckfrischen Flyer überreicht, doch damals glaubte ich ja noch an einen Start in München.

So machte ich mich auf den Weg nach Schwindegg – einfach Richtung Münchener Flughafen, daran vorbei und ca 25km über kleine Landstraßen – schon war ich da. Der Aufbau war gerade im vollen Gange. Ich begrüßte Günther Weitzer sowie Rainer Leyendecker, den ich (wie sicherlich viele andere Läufer) von vielerlei Laufveranstaltungen kenne. Ein toller sympathischer Sportsmann, der meistens seine AK M60 dominiert und klasse Leistungen am Stück abliefert. Heute war Er nicht als Läufer gefragt, Er war mittendrin in der Organisation des Laufes.

Schwindegg 2

Als ich nach den Startunterlagen meine Tasche aus dem Auto holte, fiel mir gleich am Eingang das DUV-Schild „Förderstützpunkt“ auf. Ein weiterer oftmaliger Laufkollege hat hier auch die Alternative gefunden: Manfred Kranz aus München ist wieder da – auch einer, der sich die 19 Etappen quer durch Deutschland zutraut.

Der Lauf war auf 10 – 16Uhr terminiert – so hatte ich noch ein wenig Zeit mich umzusehen. Laut Streckenbeschreibung ein flacher 2.349,22 m Rundkurs, der Start wird so gelegt , dass es eine offizielle 50km-Zeit gibt, denn genau dann läuft man mit der zuvor erhaltenen 50km-Flagge über die Zeitmessung.

Mein erster Eindruck täuscht nicht – die Strecke ist durchaus anspruchsvoll, zwar flach auf Naturwegen und z.T. Asphalt, jedoch mit reichlich Ecken und Begegnungsstrecken, auf mitunter schmalen Wegen. Doch angesichts der 51 Startern ( 15 Damen und 36 Herren ) ist das keineswegs ein Nachteil - es verteilt sich sehr schnell.

Schwindegg 3

Bei besten Laufwetter geht es los und schnell sind die ersten Runden absolviert. Die Zeitmessung mit großer Infotafel wirkt professionell und tut zuverlässig seinen Dienst. Jeweils nach 2,3km geht es über die Zeitmessmatte und man erfährt seine Rundenzeit, die Anzahl der Runden, sowie Platzierung. Hier steht auch der Präsident mit Mikrofon, motiviert und moderiert.

Direkt im Anschluss zur Rundenzählung befindet sich die aufmerksame Läuferverpflegung, am Sportplatz vorbei eine S-Kurve zur Straße (ohne Verkehr) hinaus, nach 300m nach links, einen Fahrradweg entlang, anschließend eine Mischung aus Asphalt und Naturwegen mit einer Holzbrücke und diversen Kurven und Ecken und gelegentlich entgegenkommenden Läufern. Über die Beschattung durch einige Bäume freue ich mich später auch noch rege. Nach rechts geht es nun wieder auf die Straße, auf der anderen Seite des Sportplatzes vorbei, über einen kleinen Hügel geht es nach links sofort wieder hinab, nach 150m wieder nach links über den Eingang des Sportgeländes direkt auf die Moderation zu. Hier stehen auch immer wieder Zuschauer. Interessierte, die anfeuern oder sonstige Kommentare abgeben.

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Ich bin bewußt etwas „scharf angegangen“ – nicht zu heftig – wollte einfach sehen: Was ist heute drin? Nach ca 25-30km ist mir klar, es kann heute keine neue persönliche 6h-Bestleistung werden. So lasse ich etwas Dampf raus, mein neues Ziel ist 60km mit etwas Plus.

Die Temperatur steigt beständig, es werden wohl max 22/24 Grad werden. Dabei sieht es oft bedrohlich nach Regen aus – dunkle Wolken und aufkommenden (Gegen-)Wind ist mitunter die Begleitmusik – doch diesen Umständen „irgendwelche Schuld“ zugestehen, dass es heute nicht besser läuft: NEIN! Einzig und allein mein Leistungsvermögen ist heute so, dass es letztendlich gut ist, meine Zielvorgabe dem anzupassen.

Mir fällt eine Läuferin auf – sie scheint hier und jetzt sehr, sehr ehrgeizig unterwegs zu sein – ist sie gar schneller, als die männliche Konkurrenz? Ich kann es nicht beurteilen. Später klärt sich das auf – es geht um Barbara Mallmann, eine der besten Langstreckenläuferin aus dem süddeutschen Raum, startet in W45 und möchte gerne Ihre 50km-Bestzeit verbessern. Das gelingt Ihr auch entscheidend mit 3:59:16Std – zu diesem Zeitpunkt ist sie tatsächlich schneller als alle Konkurrenten. Doch es kostet sie enorme Kraft und erst nach einer etwa halbstündiger Pause läuft sie weiter und wird mit 65,5km beste Frau und erreicht Platz 6 der Gesamtwertung. Bei den Männern wechselt die Führung wohl mehrmals, soweit ich das mitbekomme.

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Obwohl ich ja „etwas verhaltener“ laufe, bemerke ich, wie ich so langsam in der Platzierung nach vorne rücke – von Platz 20 habe ich mich nun schon auf den 10.Platz verbessert. Es sind wohl einige Mitläufer, die nach der Marathon- bzw 50km-Marke aussteigen. So auch Manfred Kranz, Er erreicht seine 50km nach 5:50Std und hört vorzeitig auf - ihm reicht es Heute. Ich laufe beständig weiter und komme zum Schluss noch auf Platz 7 der Männer, Gesamtplatz 8. Als das Signal nach 6 Std ertönt, lege ich mein Stöckchen mit meiner Startnummer für die Restmetervermessung ab und habe genau hier 63,218km erreicht.

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Ich schlendere zur Zielverpflegung, gönne mir eine halbstündige Auszeit, bevor ich zur Dusche ins Sportheim gehe.

Nette Laufgespräche bei Grillfleisch mit Salaten und kühlen Getränken folgen – fantastisch, das Wetter hat gehalten, keinerlei Regen. Das bleibt auch noch so, als es hinterher zur Siegerehrung geht. Statt Medaillen gibt es kleine Läuferschuhe und Soforturkunden – überrecht vom Leiter der Laufabteilung und DUV-Präsidenten Günther Weitzer.

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Eine gelungene Premierenveranstaltung geht zu Ende und so wird auch versichert, diesen Lauf in Zukunft anzubieten. Ich verabschiede mich mit der Absicht, dies sei gewiss nicht meine letzte Teilnahme an diesem Lauf gewesen.

Über kleine Landstraßen und später die Autobahn Richtung Nürnberg führt mich mein Weg zurück nach Hause.

6 Stunden in Schwindegg - das haben sie toll hinbekommen!

Text: Roland Krauss, Fotos: Bayrische Laufzeitung (Erwin Fladerer) und Roland Krauss, 18.5.2017