Laufgemeinschaft der Deutschen Ultramarathon-Vereinigung e.V.

Transalpine Run 2017 – 1 Team, 2 Läufer, 4 Länder

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Es kommt mir wie gestern vor, tatsächlich sind es mittlerweile schon ziemlich genau 2 Monate, die zwischen unserer Zielankunft in Sulden und heute liegen. Noch immer fehlen mir die Worte und ich kann es kaum glauben, was wir in den 7 Tagen geleistet haben .... etwa 270 Km, mehr als 15.500 Hm, insgesamt 45:21.42,8 h .... teilweise super anstrengend, wurden dafür aber auch mit überwältigenden Ausblicken belohnt! Alles war dabei .... Temperaturen von 0 - 25 Grad, Schnee und Winter in den Höhenlagen, Sommer und Sonnenschein im Tal, zwischendurch Herbstfeeling bei Nebel und leichtem Dauerregen.

1. Etappe – Fischen im Allgäu nach Lech am Arlberg

08:30 Uhr .... noch 30 min bis zum Start .... die Spannung steigt. Es regnete, doch das tat der Vorfreude, dass es bald endlich losgeht, keinen Abbruch.

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09:00 Uhr .... der Startschuss fällt und nun gab es kein ZURÜCK mehr. Die Meute hetzte los als ob sie vor Etwas auf der Flucht wäre und WIR mittendrin! Eigentlich war der Plan, es zunächst eher etwas langsamer angehen zu lassen, doch schon nach den ersten Metern war klar, dass daraus Nichts werden würde. Ob das wohl gut geht???

Ohne dass wir es wirklich bemerkten, betraten wir österreichisches Staatsgebiet. Mittlerweile regnete es nicht mehr und wir haben UNSER TEMPO gefunden.

Nach etwa knappen 43 km erreichten wir in vorher nicht von uns erwarteten 5:34 h mit Lech am Arlberg unser erstes Etappenziel. Zu meinem eigenen Erstaunen fühlte ich von den Anstrengungen der vergangenen Stunden fast gar Nichts, sodass ich am Ende des Tages mit einem sehr guten Gefühl ins Bett ging und den nächsten Tag kaum erwarten konnte.

2. Etappe – Lech am Arlberg nach St. Anton am Arlberg

Der heutige Tag begann trocken, aber sehr kühl. Dafür sollte er bei uns atemberaubende Eindrücke hinterlassen, was sich schon ca. 1 Km nach dem Start zeigte, denn da ging es bereits in den ersten Anstieg des Tages.

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Belohnt wurden wir mit einer wunderschönen Winterlandschaft mitten im Spätsommer, gefolgt von einem Downhill, für den ich meine Begeisterung kaum in Worte fassen kann. Es fühlte sich wie „fliegen“ an! Je weiter es Richtung Tal ging, verließen wir mehr und mehr den „Traum in Weiß“ und der Sommer hatte uns mit seiner ganzen Pracht zurück. Doch daran konnten wir uns nicht lange erfreuen, denn hinauf zur Ulmer Hütte sollte auf uns noch einer der meiner Meinung nach anstrengendsten Anstiege während des gesamten TAR auf uns warten, der mir schier endlos vorkam!

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Kurz vor dem Ziel galt es, noch eine Schrecksekunde zu überstehen. Auf Grund der einsetzenden Erschöpfung, die eine leichte Unaufmerksamkeit zur Folge hatte, stürzte ich über eine Wurzel, jedoch OHNE Folgen, sodass ich am nächsten Tag wieder an den Start gehen konnte.

3. Etappe – St. Anton am Arlberg nach Landeck

TAR 5Heute war so einer dieser Tage, wo gefühlt „NICHTS“ ging .... schwer ins Rennen gekommen, dazu durch den Dauerregen matschige und dementsprechend rutschige Trails .... die Folge: drei Stürze innerhalb weniger Minuten, aber zum Glück ohne Folgen!

NEIN .... an diese Etappe werde ich mich nicht gerne zurück erinnern. Dass uns im Ziel die Sonne begrüßte, konnte meinen Tag auch nicht mehr wirklich retten. Umso überraschter war ich beim Blick auf die Uhr, denn 6:40 h für knappe 43 km (anstatt 40 km) war dann doch noch eine Zeit, mit der ich mehr als nur zufrieden sein konnte.

TAR 64. Etappe – Landeck nach Samnaun

Mit einer Länge von 46,5 Km wartete heute auf uns nicht nur die Königsetappe, die wir in 8:22 h meistern konnten, sondern auch der Übergang von Österreich in die Schweiz, dem Dritten der insgesamt vier Länder, die wir während des TAR am Ende durchquert haben sollten. Während es am Start noch regnete, ließ sich unterwegs immer mal wieder die Sonne blicken, stets im Wechsel mit Nebel bzw. leichtem Sprühregen in den Höhenlagen. Auch Schnee war heute wieder ein Thema, der das Laufen nicht wirklich einfach machte. Am Ende überwiegt jedoch die Freude, es wieder ohne größere Probleme ins Ziel geschafft zu haben. Fazit nach 4 von 7 Etappen: 150 Km wurden bereits erfolgreich gemeistert, etwa 120 Km erwarten uns noch bis zum Ziel in Sulden!

5. Etappe – Samnaun nach Scuol

Nach dem eher durchwachsenen Wetter der vergangenen Tage, begleitete uns heute zur Abwechslung mal die Sonne. Trotz wieder fast 40 km kam mir der heutige Abschnitt recht kurzweilig vor, obwohl wir mit knapp 6:50 h wieder recht lange unterwegs waren. Das Highlight dieser Etappe waren jedoch nicht die wunderbaren Ausblicke in den Bergen, sondern das Camp in dem heutigen Zielort Scuol, wo wir nämlich in einem Luftschutzbunker untergebracht waren.

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6. Etappe – Scuol nach Prad am Stilfserjoch

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TAR 9Auch beim vorletzten Tagesabschnitt mit einer Länge von 44 km durften wir noch einmal in den Genuss von Kaiserwetter kommen. Vom ersten Meter an bin ich super ins „Rollen“ gekommen, während mein Teampartner heute zum ersten Mal mit etwas größeren Problemen zu kämpfen hatte, die aber einen Start am nächsten Tag zur letzten Etappe nicht wirklich gefährden sollte. 6 Tage am Stück Laufen gehen halt an Niemandem spurlos vorbei. Absolutes Highlight war die Uinaschlucht. Noch nie zuvor habe ich eine so beeindruckende Schlucht gesehen!!

 

 

TAR 107. Etappe – Stilfserjoch nach Sulden am Ortler

Heute endete der TAR wie er angefangen hat .... leichter Dauerregen und wolkenverhangene Gipfel. Somit konnte sich jeder auf sich selbst konzentrieren, denn mit 31 km und der auf knapp 2.900 m gelegenen Tabarettascharte hatte die letzte Etappe noch so einige kleine Hindernisse zu bieten, die unsere volle Aufmerksamkeit erforderte. Nach 6:08 h war es dann endlich vollbracht .... WIR stehen im Zielbereich von Sulden .... erschöpft, aber glücklich nehmen wir die Medaille entgegen, für die wir in den letzten Tagen so hart gekämpft haben!

Mit einer Gesamtzeit von 45:21.42,8 h erreichen wir Platz 103 von 192 im Gesamtklassement, Platz 30 von 43 der Wertungsklasse MEN und verpassen um lediglich 18 min die TOP 100.

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Wie bereits eingangs erwähnt, fehlen mir ob der Leistung und der vielen Eindrücke noch immer die passenden Worte und es wird wohl noch einige Zeit dauern, bis ich das Abenteuer TAR verarbeitet haben werde. Dass ich in den Genuss dieses unvergesslichen Erlebnisses kommen durfte, habe ich meinem Teampartner Marco Kister zu verdanken. Deswegen möchte ich mich an dieser Stelle für Deine Begleitung recht herzlich bedanken .... DANKE, dass DU das Risiko eingegangen bist, Dich mit einer Dir nahezu unbekannten Person für so einen Lauf anzumelden. Darüber hinaus möchte ich mich im Namen des Teams bei Allen bedanken, die von unserer Heimat aus das Geschehen verfolgt und uns tagtäglich Mut zugesprochen haben!!

Text und Bilder: Frank Gehle, 24.12.2017

Bello Gallico MedailleBello Gallico 2017, 100 Meilen Matsch in allen Aggregatzuständen und überhaupt, wo ist Hans?

Wie sich wohl die Römer gefühlt haben müssen, als sie Julius Caesar in den gallischen Krieg gefolgt sind und gerade eine lausig kalte und nasse Nacht in Belgien bei leichtem Niesel verbracht hatten. Ihre Gedanken könnten den meinen gleichen: Sonne, Wärme, Rotwein, Pasta – ich will nach Italien. Aber wir sind in einer Dezembernacht in Belgien, südlich von Leuven im flämischen Brabant. Am frühen Sonntagmorgen hat die Kälte deutlich angezogen. Der immer gegenwärtige Matsch gefriert an einigen exponierten Stellen langsam und verliert freundlicher Weise seinen Schmierseifen-Charakter. Hans (Kaluza) und ich sind schon rund 120k unterwegs, alle Geschichten sind erzählt, wir sind still und freuen uns auf den nahen Sonnenaufgang. Und der Lauf ist fast auf der Guthabenseite: nur noch einen kleinen Marathon abspulen und dann erwartet uns das Ziel mit dampfenden Kaffee, Essen und …

Das war eindeutig nicht meine Idee! Hans hatte die Idee, ein Hundertmeiler in Belgien sei der gebührende Abschluss für ein erfolgreiches Ultrajahr 2017. Dabei hätte ich misstrauisch sein sollen, denn da wo Belgien draufsteht, ist immer ein richtiger Trail mit viel Matsch drin, insbesondere im Dezember nachdem es seit Wochen geregnet hat. Der Bello Gallico startet in Oud-Heverlee, südlich von Leuven. Es ist der 16. Dezember 2017. Start und Ziel ist der Veranstaltungssaal „Zaal Rosenberg“ am See „Zoetwater“. Um 4:00 ist Start. Das Briefing fällt pragmatisch kurz aus – nach dem Motto „Es hört ja eh keiner zu“. Ich verstehe nur den letzten Satz „you have to finish on the stage“. Der Kurs ist gut markiert (trotz meines Rufes, ich könne mich auch in einer Telefonzelle verlaufen, muss ich nur wenige Extrakilometer machen) und alle 20k gibt es eine Verpflegungsstelle. Der Bello Gallico besteht aus zwei 80k-Runden. Der Start und Zielbereich ist der Wendepunkt. Die zweite Runde ist in entgegengesetzter Richtung zu laufen.

Bello Gallico Stefan Strecke

Die ersten 20k sind noch prima zu meistern, meist über Forst- und Landwirtschaftswege und haben nur wenige Höhenmeter. Die großen Pfützen und der Matsch prophezeien, dass der Lauf trotz der moderaten Anzahl an Höhenmetern (2700m) anstrengend sein wird. Gegen acht wird es endlich hell, aber die Strecke leider nicht besser. Der Matsch ist rutschig wie Schmierseife und die vielen tiefen und mit Wasser gefüllten Traktorfurchen und Matschpfützen sorgen dafür, dass die Schuhe schon sehr bald quietschnass sind und das Laufen nicht einfacher wird. Im Wald laufen wir z.T. schöne Singletrails … im tiefen Matsch. Vor der Verpflegung bei 60k vermisse ich Hans. Wir sind bis auf einige Kilometer brav zusammen gelaufen und die letzte halbe Stunde zumindest - mit anderen Läufer quatschend - in Sichtweite geblieben. Ich warte in der Verpflegung (VP) und wundere mich, dass man soviel länger für 300m brauchen kann. Nach zehn Minuten mache ich mir Sorgen. Was ist los? Verlaufen? Aufgegeben? Beides kann nicht sein. Hans läuft nach dem Track auf der Uhr und Aufgeben passt auch nicht. Da müsste er schon von einem Meteoriten getroffen werden – eher unwahrscheinlich. Auf dem Laptop in der VP sehe ich, dass Hans inzwischen schon zweieinhalb Kilometer Vorsprung hat! Ich beeile mich und wundere mich, warum er nicht den VP angelaufen hat. Ich überhole viele Läufer und frage alle, ob sie Hans gesehen hätten. Einer schaut auskunftswillig auf seine Laufuhr und sagt in gebrochenem Deutsch „half drie“, hä? Andreas will dran bleiben. Ich rufe ihm albern zu „komm mit, wenn Du kannst“. Später am Wendepunkt bei 80k erreiche ich Hans telefonisch. Er ist seinem GPX-Track gefolgt, kurz vor dem VP abgebogen und nicht den 200m Stichweg zum VP gelaufen. Nach einer 3k-Schleife kommt der VP wieder in Sichtweite und Hans nutzt die lang ersehnte Verpflegung, während dessen ich nun zügig weiter bin. Ich warte bei 80k auf ihn, gönne mir eine zweite Portion Lasagne und wir meistern die anstehende lange Nacht gemeinsam.

Tiefmatsch im Wald wechselt sich ab mit Tiefmatsch auf dem Feld. Der Himmel klart auf und gönnt uns einen tollen Blick auf die Sterne. Dafür wird es aber auch bitter kalt. Irgendwann laufen wir gefühlte 10k über einen desaströsen Feldweg, bei dem ich mich wundere, ob hier nicht jeder Traktor kapitulieren müsste. Meine Handschuhe sind eine Katastrophe. Meine Finger sind steif gefroren und haben Ihre feinmotorische Funktion verloren, so dass die Riegel wohl im Rucksack bleiben müssen. Die Powerbar-Riegel sind nun eh steinhart und wären eine Herausforderung für jeden Beißaparat. Ich überlege kurz, warum ich das hier mache und dass ich jetzt lieber in der warmen Küche Plätzchen backen und Rotwein trinken würde. Wir laufen ein Stückchen Asphaltstraße und machen uns fast lang – es ist spiegelglatt gefroren – dann wohl doch besser Matsch. Der friert nämlich so langsam und ermöglicht uns ein besseres Vorankommen. Nach der fünfzehnstündigen Dunkelheit belohnt uns der Sonntagmorgen mit Sonnenschein. Die Stimmung wird besser und die nächtlichen Strapazen verblassen im Sonnenschein. Jetzt sind nur noch schlappe 20k zu laufen oder besser zu marschieren, denn nach den zurückliegenden 140k wollen die Beine nicht mehr so geschmeidig durchs Gelände. Hans und ich finishen unseren Jahresabschluss-Hundertmeiler auf der Bühne im „Zaal Rosenberg“ in Oud-Heverlee nach rund 31,5h am späten Sonntagvormittag. Wir sind stolz, dass wir alles so charmant und ohne größere Zwischenfälle gemeistert haben. Alles gut. Römer hin oder her, die Feiertage können kommen.

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Text und Bilder: Stefan Henscheid, 19.12.2017

Bereits zum dritten Mal traf sich das LG Ulralaufpräsidium zu einer Klausurtagung. Diesmal ging es nach Dresden, wo Rechtswart Alexander Lauterbach wohnt. Im Kern der bewährten Agenda geht es um die Planung des kommenden Jahres. Aber in den Gesprächen blicken wir ebenfalls weiter in die Zukunft und auch in die Vergangenheit. Bereits lange im Vorfeld hatten wir die Agenda abgestimmt und insbesondere die Punkte der Präsidiumssitzung.

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Nachdem im Laufe des Nachmittages alle angereist waren und ich mit Carsten die erste, kleine Runde durch die berühmte Dresdener Heide gelaufen bin, ging es abends indisch essen.

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Die Sportpension in Dresden bot uns Unterkunft, einen Seminarraum und ein leckeres Frühstück im weihnachtlich geschmückten Wintergarten.

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Nach dem Warming-Up am Vorabend konnte nach dem Frühstück gleich losgelegt werden. Im ersten Teil gab es die Bewertung der aktuellen Situation. Hier berichtete Geschäftsführer Thomas Bitzer von einer erfreulichen Entwicklung des Kontobestandes und Präsident Christian Mohr, der die Mitgliederverwaltung verantwortet, von der positiven Mitgliederentwicklung. Auch Vizepräsdentin Michaela Kirchner berichtete begeistert von viel Arbeit, denn sie hat den Bereich Bekleidung übernommen und hat mit der Bestellung, Bedruckung und dem Versand der Vereinstrikots in den letzten Monaten viel zu tun. Wir beließen es aber nicht mit der Rückschau, sondern schauten insbesondere in die nahe, aber auch entfernte Zukunft. Zunächst gilt es, die 100km-Meisterschaft in Rheine mit unserer Mitgliederversammlung zu organisieren. Danach folgen weitere Meisterschaften mit der 24h-DM Anfang September in Bottrop als Abschluss, die wir ebenfalls verantwortlich organisieren. 2018 ist auch das Jahr, in dem wir unser 10jähriges Bestehen feiern und auch gleich einige Leute für ihre 10jährige Mitgliedschaft ehren können. Hier haben wir uns auch schon ein paar nette Aktionen überlegt.

Es gäbe noch viele Themen und viele Gedanken, aber irgendwann – immer, wenn es am schönsten ist – ist die Zeit um. So musste insbesondere der Punkt „Vision 2021“ zurückgestellt werden und wir es offen lassen, was jeder einzelne denkt, wo wir in drei Jahren stehen werden.

Traditionell veranstalteten wir am Samstagnachmittag einen Lauf, zu dem wir unsere Mitglieder einluden.

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Unser Laufteam: Falk Sittner, Alex Lauterbach, Hans-Dieter Jancker, Silvia Faller und ich. Wir starteten an der Pension zu einer 27km-Runde, de wirklich sehr interessant war. Anfangs ging es durch die Heide und Wälder, wobei kein Hindernis und keine Treppe ausgelassen wurde.

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Mit viel Spaß und Geschick überklettert Silvia ein Hindernis. Mehr Betreuer als Läufer – kann bei uns schon einmal passieren.

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Während wir die Weinberge rauf und runter rannten, zeigte Carsten noch ein paar Dresdener Kleinode und sorgte für uns für zwei Versorgungspunkte.

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Der Rückweg von der Brücke „Blaues Wunder“ zurück nach Dresden verlief bereits im Dunkeln entlang des Elberadweges. Unsere Betreuer boten noch einmal warmen Tee und ein paar Köstlichkeiten an. Dieser Lauf mit den Mitgliedern diente auch dem Einholen von Feedback. Gibt es Wünsche, Anregungen oder gar Kritik an der Arbeit des Präsdiums? Beim Lauf kann man ganz zwanglos wahlweise zurück oder nach vorne blicken und Gedanken austauschen. „Alles super – weiter so“, war beispielsweise die Antwort von Hans-Dieter.

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Nach einem guten Essen in einem italienischen Restaurant mit Pizza und Rotwein, ließ sich eine kleine Gruppe unternehmenslustiger Leute es sich nicht nehmen, zu nächtlicher Stunde noch einen Glühwein zu probieren, wobei dieses Selfie entstand.

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Am Sonntagvormittag gab es noch eine kleine Stadtführung entlang der Sehenswürdigkeiten der wunderschönen Elbmetropole. Dabei durfte ein Besuch des bekannten Striezelmarktes natürlich nicht fehlen.

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Insgesamt war es ein recht erfolgreiches Wochenende. Die aktuelle Vereins-Situation ist sehr gut, allerdings gibt es im nächsten Jahr einige Herausforderungen zu stemmen. Dazu wurden in den vergangenen Tagen einige Weichen gestellt und jetzt müssen die Details erarbeitet werden. Einige von uns werden sich bereits Ende Januar in Rodgau treffen und alle zusammen wieder in Rheine. Aktuell passiert sehr viel in der Szene, in unserem Verein, bei der Zusammenarbeit mit der DUV und überhaupt. Wir werden unsere Mitglieder wie üblich in regelmäßigen Newslettern informieren, aber natürlich auch die Chance nutzen, in der Mitgliederversammlung in Rheine wichtige Punkte zu diskutieren, abzustimmen und zu beschließen, beispielsweise die Neuwahl des Präsidiums.

Text: Michael Irrgang, Bilder: Michael rrgang, Alexander Lauterbach, Thomas Bitzer, 17.12.2017

Bericht von einem Mehrtageslauf durch Namibia vom 18.-25.11.2017

Tag 1+2 Anreise nach Namibia und weiter ins erste Camp

Nach einer Reisezeit von 17 Stunden (13 Stunden Flugzeit und vier Stunden Aufenthalt in Johannesburg) erreiche ich gegen 17 Uhr den Airport Windhoek. Hier sind es mollige 30 Grad und die Sonne strahlt vom blauen Himmel. Gemeinsam mit acht anderen Läufern, die ebenfalls in dem Flieger aus Johannesburg saßen, nehmen wir uns einen Shuttlebus zur Lodge. Im Hotel und später beim Essen treffen ich dann auch einige Bekannte, die ich von früheren Läufen kenne. Das Hallo, ist wie immer groß und es gibt viel zu erzählen.

Am nächsten Morgen um 9 Uhr treffen sich alle draußen vor der Rezeption der Lodge. Nach dem Verstauen des Gepäckes geht‘s dann endlich los! Schon nach kurzer Zeit haben wir die Stadt hinter uns gelassen und eine schier endlose Savannenlandschaft beginnt. Erste Tiere (Affen und Vogel-Strauße) sind vom Bus aus zu sehen. Nach ca. zwei Stunden und einer kurzen Pause verlassen wir dann die befestige Straße und es geht nun weiter über Schotterpisten hinein in die Wüste Namib.

Die Namib ist mit einem Alter von rund 80 Millionen Jahren die älteste Wüste der Welt und zugleich einer der unwirtlichsten Orte des Planeten. Was sich im Lexikon so leicht liest, sollten wir in den nächsten Tagen sehr intensiv selbst erleben. Nach vierstündiger Busfahrt, wobei mehr als die Hälfte über Schotterpisten führen, erreichen wir das Camp. Das erste Camp befindet sich unmittelbar an der „Spitzkoppe“, einem Inselberg, der seine flache Umgebung 700 Meter überragt. Aufgrund seiner markanten Form wird er auch als das „Matterhorn Namibias“ bezeichnet. Die Zelte sind bereits aufgebaut. Nachdem wir uns „häuslich“ eingerichtet haben, erfolgt der Check-In und das Briefing. Die erste Nacht ist wie zu erwarten sehr unruhig und mir fehlt auch die richtige Müdigkeit, um auf meiner 5mm dicken Matte richtig schlafen zu können. Aber das sollte sich recht schnell ändern.

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20.11.17 Etappe 1, 47 km (tatsächlich 51 km)

Obwohl der Start erst um 8:30 Uhr ist, beginnen die ersten bereits vor sechs Uhr „Action“ zu machen. Die Einweisung kurz vor dem Start fällt recht kurz aus. Kris, der Race-Director, zeigt auf zwei riesige Felsen am Horizont und sagt zwischen den beiden geht’s hindurch, und dort ist auch der erste Checkpoint. Danach ist die Strecke mit roten Flaggen markiert.

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Bei geschätzten 30 Grad erfolgt dann pünktlich der Start! Es geht westwärts durch unebenes und anfangs felsiges Gelände, welches immer wieder durch lange Passagen mit sehr weichem Kies unterbrochen wird.

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Mein Gepäck von 11 kg (8,5 kg Nahrung und Ausrüstung plus 2,5 Liter Wasser) zieht ganz schön an meinen Schultern. Nach 18 km packe ich erst mal um. Mehr Gewicht in die Bauch- und Seitentaschen bringen gewaltige Veränderung bei der Gewichtsverteilung und danach geht es schon viel angenehmer weiter.

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Am Checkpoint zwei sind schon drei Läufer von den Medizinern zu einer Zwangspause gestoppt worden: Überhitzung und Dehydrierung. Nach ca. zwei Stunden Pause durften sie weitermachen. Ich lasse es weiter langsam angehen und erreiche nach ca. 8 Stunden das erste Etappenziel.

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Die Strecke hat statt der angekündigten 47 km eine Länge von 51 km. Das kann bei einer Erstveranstaltung in nicht befahrbarer Umgebung schon mal passieren. (Hurra, vier Kilometer mehr für‘s selbe Geld! Was will man mehr!)

Das Camp liegt in einem ausgetrockneten Flussbett, welches den Vorteil hat, dass die Zelte auf weichem Boden ohne Steine o.ä. stehen. Jetzt heißt es regenerieren! Also erst mal Füße hoch, dann trinken, essen und früh schlafen gehen.

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21.11.17, Etappe 2: Brandberg 50 km

Heute geht es westlich weiter Richtung Brandberg, einem Bergmassiv mit steilen Flanken, das die umgebende Landschaft um 2000 m überragt. Ein grandioser Anblick.

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Es geht teilweise durch kargstes Ackerland. Man kann kaum glauben, dass hier Menschen leben. Zu sehen sind auf den heutigen 50 Kilometern drei oder vier kleine Hütten aus Blech und Plastikfolie. Sand, Stein und Geröllwüste wechseln sich ab. Der Sand ist fürchterlich weich und schwer zu laufen, die Temperatur klettert auf knapp 40 Grad. Einmal sind in der Ferne auch Vogel-Strauße zu sehen. Wir sind also doch nicht ganz alleine.

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Nach 8:42 h erreiche ich um kurz vor fünf das Camp, das auch heute wieder in einem ausgetrockneten Flussbett aufgebaut ist. Die Mediziner bekommen zunehmend mehr zu tun! Einige Füße sehen schon schlimm aus und erste Löcher werden in Schuhe geschnitten, damit die Füße und Zehen mehr Platz bekommen oder nicht mehr reiben.

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Ich scheine zu den wenigen zu gehören, die (noch) keine Blasen an den Füßen zu haben. Damit das auch so bleibt, tape ich mir aber heute vorsichtshalber präventiv die Fußballen. Kinesio-Tape ist immer mein treuer Begleiter auf langen Läufen. Man kennt ja schließlich seine empfindlichen Stellen! Nach Ausruhen und Essen genieße ich meine Tasse Kaffee! Der letzte Läufer kommt gegen 19 Uhr ins Ziel. Recht schnell wird es ruhig im Camp und die Nacht mit einem überwältigenden Sternenhimmel breitet sich über uns aus. (Die Zelte haben oben ein Moskitonetz, so dass man das Gefühl hat im Freien zu liegen!

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22.11.17, Etappe 3: White Lady Marathon 43 km

Heute soll es „nur“ ein Marathon sein. Na ja, es sollte mein bisher längster werden! Es geht weiter um das Brandbergmassiv herum. Nach dem Start um 8:30 Uhr geht es erst mal 12 km durch den weichen Sand des ausgetrockneten Flussbetts. Sehr kräfteraubend, das fängt ja gut an!

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Später, nachdem wir das Flussbett verlassen, wird der Boden ein wenig fester, da die Wüste hier mit winzigen Grasbüscheln bewachsen ist. Dafür wird es allerdings hügelig und immer heißer.

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Ich bin immer froh die Checkpunkte zu erreichen, um mich im Schatten ein wenig abkühlen zu können. Wasser wird genügend zur Verfügung gestellt, so dass man auch Kopf und Arme nass machen kann. Meine Armlinge und Kappe von Outdoor-Research haben sich wirklich bewährt, da sie die Verdunstungskälte super an den Körper weitergeben. Sehr empfehlenswert.

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In den Felsen des Brandbergmassivs, die immer in „greifbarer“ Nähe zu sein seinen, sollen tausende uralter Felszeichnungen sein. Die berühmteste ist die „White Lady“, nach der dieser Marathon benannt ist. Unterwegs sehen wir auch immer wieder Skelette von verdursteten Tieren. Da wird einem erst richtig klar, wo man sich hier „rumtreibt“ und wie abhängig wir von den Checkpoints mit Wasser sind. Auch heute ist es wieder um die 40 Grad.

Nach 7:21 h erreiche ich das Ziel. Was für ein Tag! Aber mittlerweile bin ich sehr gut im Rennen angekommen und vor allem auch gut akklimatisiert. Ich habe keinerlei physische Probleme und meinen „inneren Schweinehund“ habe ich mittlerweile wieder gezähmt! (Meine älteste Tochter behauptet ja steif und fest, dass ich überhaupt keinen inneren Schweinehund hätte, aber das stimmt leider, leider nicht.)

Nach dem Ausruhen wird dann erst mal gegessen und ein Kaffee getrunken. Bisher hält sich mein Hunger in Grenzen, obwohl die 2600 kcal an täglicher Nahrung, die die ich mitgenommen habe, eigentlich fast meinem täglichen Grundumsatz entsprechen. Da ich langsam unterwegs bin, laufe ich wahrscheinlich voll auf Fettverbrennung.

Die Stimmung im Camp ist super, obwohl die ersten drei Läufer ausgeschieden sind. Die Medics haben ebenfalls eine Menge zu tun. Füße versorgen, Scheuerstellen an Schultern und Rücken behandeln, aber auch erste Schuhe bearbeiten (vor allem Löcher reinscheiden, damit die wunden Zehen Platz haben.) Ich glaube, alle Läufer fühlen sich hier gut aufgehoben. Morgen ist mit 22 km die kurze „Hitze-“ Etappe, die erst um 11 Uhr startet wird. Heute wird mit Ohrenstöpsel geschlafen, damit ich nicht von den ewigen Frühaufstehern geweckt werde.

23.11.17, Etappe 4: The Damara Dash 22 km

Das mit den Ohrstöpseln hat sehr gut funktioniert. Statt den Krachmachern werde ich von der Sonne, die um sieben Uhr schon erstaunliche Wärme erzeugt, geweckt. Nach Frühstück usw. suche ich mir ein schattiges Plätzchen um die Zeit bis zum Start um 11 Uhr relaxt zu überbrücken. Dann plötzlich Aufregung im Camp! Elefanten! Jemand hat Elefanten gesichtet! Leise und vorsichtig schleichen wir uns durch die Büsche, bis zu einem ca. 300 m entfernten ausgetrockneten Flussbett. Und wirklich, eine Elefantenfamilie trottet langsam und gemächlich an uns vorbei. Die schauen uns genauso interessiert an wir wie sie. Wir sind beeindruckt, ja überwältig von dem majestätischen Anblick der Tiere hier so mitten in der freien Natur. Das ist mit keinem Tierpark zu vergleichen und ich kann das auch nicht in Worte fassen, man muss es einfach erlebt haben, es ist überwältigend! Später, während der heutigen Etappe, kreuzen auch Spuren von Löwen unseren Weg. Wir sind also tatsächlich nicht alleine.

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Bei der heutigen „kurzen“ Etappe sollen der „King“ und die „Queen“ der Hitze gekürt werden: In der größten Mittagshitze (heute wird es tatsächlich 43 Grad) gilt es zwischen Checkpoint 1 und 2, eine zehn Kilometer lange, karge sandige Ebene zu erklimmen. Wer das am schnellsten schafft, wird am Ende nochmal gesondert geehrt! Ich halte mich da raus, für sowas bin ich zu alt! Die Strecke ist auch so anstrengend genug.

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Dafür habe ich meinen eigenen Rekord. Mein längster Halbmarathon, 3:50 h.

Das Camp ist oben auf dieser Ebene aufgebaut. Es weht ein starker, heißer Wind, aber dafür haben wir freien und weiten der Blick in fast alle Richtungen. Der Sonnenuntergang ist spektakulär! Danach geht’s zügig ins „Bett“ bzw. auf die Matte. Die Nacht wird kurz, da es Morgen sehr früh auf die finale Etappe geht.

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24/25.11.17, Etappe 5: The Grind 89 km (92km)

Um 3:45 Uhr ist die acht zu Ende! Der unbeschreibliche Sternenhimmel macht die frühe Uhrzeit schnell vergessen. Welch eine Kulisse für ein Frühstück. Um 5 Uhr geht es los auf die lange und letzte Etappe.

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Schon der Auftakt lässt einiges für den Tag zu erwarten. Zunächst gilt es auf eine Strecke von 6 Kilometern, eine gewaltige Sanddüne zu erklimmen. Ein Kraftakt am frühen Morgen. Dafür werden wir allerdings mit einem Panoramablick über die Wüstenlandschaft, die wir bereits passiert haben, belohnt.

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Der Blick nach vorne zeigt aber auch, was heute noch vor uns liegt. Vor uns breitet sich schier endlos die Namib mit ihren verschiedenen Terrains aus. Im Laufe des Tages durchqueren wir verbranntes Grasland, unebene felsige Ebenen, Bergpässe und Treibsand. Alles zieht sich endlos hin.

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Gegen Mittag kommt wieder ein starker Wind auf, der uns den Rest des Tages begleitet und die Temperatur steigt wieder auf knapp 40 Grad. Das fühlt sich an, als würde irgendwo ein riesiger Föhn blasen. Das Läuferfeld ist mittlerweile schon extrem auseinandergezogen. Nur selten sehe ich vor oder hinter mir am Horizont einen meiner Mitstreiter bzw. Mitstreiterinnen. Dann folgt die Durchquerung des „Doros-Kraters“, eine Region die aussieht wie die Oberfläche des Mondes. Es ist ein Gefühl, als wäre man allein auf der Welt, eine unbeschreibliche Ödnis und Einsamkeit, die ich noch nie so erlebt habe.

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Überhaupt sind die Eindrücke hier in der Wüste unheimlich intensiv, was glaube ich, vor allem auf die endlosen Weiten zurückzuführen ist, in denen wir hier mehr oder weniger alleine unterwegs sind.

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Endlich erreiche ich gegen 18 Uhr den Checkpoint bei Km 67. Dieser ist gleichzeitig ein kleines Camp. Läufer, die hier nach 21 Uhr ankommen, müssen hier auch übernachten und dürfen erst am kommenden Morgen um 4 Uhr weiter. Dieses ist eine Sicherheitsmaßnahme zum Schutz der Läufer. Auf den letzten 25 Kilometern führt die Strecke an einigen Wasserlöchern vorbei, die natürlich die Tierwelt anzieht. Es soll natürlich nicht riskiert werden, dass man diese aufschreckt und ggf. unangenehmen Tierkontakt riskiert. Ich trotte weiter durch eine graue aschebedeckte Landschaft. Der Boden ist wieder sehr weich und schwer zu laufen. Kurz vor Sonnenuntergang erreiche ich den letzten Checkpoint.

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Jetzt nur noch 12 Kilometer, aber in der Dunkelheit! Markierung gibt es ab hier kaum noch. Die Anweisung lautet: „Nach ca. 2 Kilometern rechts abbiegen in die Schlucht und dann weiter bis ins Ziel, verlaufen unmöglich“. Also weiter geht’s und ich hoffe, dass die recht haben. Vor allem hoffe ich aber, dass ich nicht das Glück habe, jetzt auf den letzten Kilometern noch auf Tiere zu treffen. Denn in der Schlucht sind auch die Wasserstellen und das letzte, was ich jetzt noch brauchen würde, wären leuchtende Tieraugen im Schein meiner Stirnlampe.

Nach zwei Kilometern kommt der Eingang zu einer schmalen Schlucht, ein Flatterband zeigt, dass ich richtig bin. Ein Glück, denn mittlerweile ist es dunkel geworden. Ich folge dem steinigen Pfad, der immer tiefer in die Schlucht hineinführt.

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Links und rechts geht es steil hinauf und ein Verlaufen scheint tatsächlich nicht möglich zu sein. Ab und zu bleibe ich stehen und schalte meine Stirnlampe aus um den Sternehimmel über mir und die Stille hier an diesem Ort zu genießen. Weiter geht’s, das Ziel rückt immer näher. Und endlich, nach einer gefühlten Ewigkeit, sehe ich Lichter! Das muss das Ziel sein! Um 21 Uhr und 25 Minuten erreiche ich nach 16:24 Stunden und 92 Kilometern überglücklich die Ziellinie!

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Ein riesiges Gefühl der Freude und der Erleichterung macht sich in mir breit. Ich habe es geschafft und noch dazu ohne irgendwelche Blessuren, dieses absolut harte Rennen an einem der unwirtlichsten Orte dieser Erde, zu finishen. Auf einer leichten „Wolke“ schwebe ich auch jetzt, 14 Tage später, noch immer.

Zu unserer Überraschung gibt es etwas Warmes zu essen. Nudelsalat, Würstchen und Hähnchenschenkel. Das Beste sind jedoch je zwei Dosen Cola und Bier für jeden. Die Colas verdunsten fast in meinem Mund. Danach genieße ich das Bier. Was braucht man mehr, um zu leben? Bis kurz vor zwei in der Nacht treffen noch Läufer ein. Alle werden mit großem Jubel begrüßt. Die Nacht ist kurz, aber alle sind glücklich und zufrieden und wir genießen unser letztes gemeinsames Frühstück hier in der Wüste. Um zehn Uhr geht es zurück in die Zivilisation. Da hier, wo wir sind kein Bus oder normales Fahrzeug hin kann, werden wir zunächst in kleinen Gruppen in einer halbstündigen Fahrt mit Geländewagen aus diesem Gebiet herausgefahren. An einer Schotterpiste steigen wir dann in einen Bus um, der uns in einer halbstündigen Fahrt aus der Wüste herausbringt. Unser Ziel ist ein Lodge, ca. eine Stunde entfernt von Windhoek. Jetzt kann nach einer Woche erstmals wieder geduscht werden. (Zum Glück sind ja alle gleich während einer solchen Woche, zumindest was den Dreck und den Geruch betrifft. Ansonsten wäre das wohl kaum zu ertragen).

Noch vor der Siegerehrung werden gemeinsam einige „Bierchen“ getrunken und es wird ausgiebig über das gemeinsame Abenteuer gesprochen. Das geht dann nach der Siegerehrung und einem leckeren Essen ungebrochen weiter. Am nächsten Morgen geht es dann leider schon um sieben Uhr zurück Richtung Deutschland. Eine unvergleichliche Woche mit neuen Erfahrungen, unvergleichlichen Eindrücken und vielen neuen Freunden ist schon wieder zu Ende.

Fazit:

Der Veranstalter „Beyond the Ultimate“ (BTU) hat mit dem Namib-Desert-Ultra in Namibia einen tollen Lauf mit einer grandiosen Streckenführung organisiert, der den Läufern alles abverlangt. Neben dem kräftezehrenden Lauf durch weichen Boden mit schwerem Gepäck ist es vor allem auch eine enorme mentale Anstrengung, in dieser weiten, oft eintönigen Landschaft, über Stunden hinweg unterwegs zu sein. Aber mit guter Vorbereitung ist das zu schaffen.

Empfehlen kann ich den Lauf uneingeschränkt. Wenn ich das richtig gesehen habe, war ich mit meinen 57 Jahren der zweitälteste Starter im Feld. Umso zufriedenen bin ich natürlich, dass ich als 16ter von 35 Läufern in einer Gesamtzeit von 44 Stunden und 46 Minuten das Ziel erreicht habe. Ich freue mich schon auf meinen nächsten Lauf mit diesem Veranstalter, dem JungleUltra in Peru, der im kommenden Mai stattfindet. Für Fragen zu den Läufen und Tipps zur Ausrüstung etc. stehe ich gerne zur Verfügung.

Text: Dietmar Rosenau, Bilder Dietmar Rosenau, Veranstalter, 14.12.2017

7gms3Das romantische Siebengebirge diesmal anders. Temperaturen um den Gefrierpunkt, starker Schneefall und ein „erfrischender“ Wind haben den Siebengebirgsmarathon am 10. Dezember 2017 zu einem ganz besonderen Winterlauf gemacht.

Spontan entschieden, den Weg über die winterliche Straßen nach Aegidienberg anzutreten, unkompliziert nachgemeldet und schon stehe ich fröstelnd mit vielen anderen entschlossenen LäuferInnen am Start. Wir stehen unterhalb des Ortes auf einem Feldweg. Vor uns liegt das wunderbar zugeschneite Siebengebirge. Am Vortag hatte der Schnee das Siebengebirge schon reichlich zugedeckt, aber es kommt noch besser: Kaum losgelaufen, fängt es wieder an zu schneien und – um es vorwegzunehmen – es hört bis zu meinem Zieleinlauf auch nicht auf. Die Strecke ist dafür überhaupt nicht matschig, dafür ab und zu ein wenig rutschig. Kurzum auf dem Schnee läuft es sich gut.

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Ich bin mit Peter Wasser von der LG Kevelaer (nicht vergessen: Kevelaer Marathon am 7. Januar!) unterwegs. Wir haben uns einen langsamen Lauf vorgenommen, da ja noch das ein oder andere Event bis zum Jahreswechsel ansteht. Wir laufen die erste Hälfte in rund 2:10h und haben viel Spaß. Ich freue mich, Michael Irrgang zu treffen und der Lauf wird noch kurzweiliger.

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An den Verpflegungen gibt es heißen Tee, der angenehm wärmt. Das Isogetränk ist dafür ein wenig zugeschneit und vom liebevoll dargereichten Spekulatius huste ich noch lange … Essgier zahlt sich selten aus. Vom z.T. eisigen Wind und dem Schnee bildet sich auf den Augenbrauen und den Augenlidern langsam eine Eiskruste, die ich ab und zu entfernen muss, weil sich sonst meine Augen bitter beschweren. Mein Halstuch gefriert zu einem starren Halsband und die Regenjacke an den Ärmeln und am Saum zu einem Eispanzer. Meine durchnässten Laufhandschuhe sind wie immer eine Katastrophe. Ich fühle mich an meine Sibirienläufe erinnert, aber da ist die Kälte viel trockener und das lässt sich besser vertragen. Wir "schnecken" in der zweiten Hälfte ein wenig an den verschneiten Steigungen rum. Michael ist längst über alle Berge und so laaangsam wünschen wir uns – langsamer Lauf hin oder her - auch einen dampfenden Kaffee im warmen Zielbereich. Der Lauf endet kurzweilig und vor allem stilvoll mit dem Einlauf im Bürgerhaus in Aegidienberg. Wir kommen mit 4:39h und Michael mit 4:29h ins Ziel.

Siebengebirge – Schneelauf im Wintermärchen, ein Sonntagmorgen kann fast nicht schöner sein. Meine Begeisterung legt sich ein klein wenig, als ich zu meinem Auto komme und selbiges freischaufeln darf.

7Gebirgsmarathon – ein Klassiker, gerne mit Schnee.

Text und Bilder: Stefan Henscheid, 13.12.2017