Laufgemeinschaft der Deutschen Ultramarathon-Vereinigung e.V.

2O LogoJedes Jahr zu Ostern findet in Kapstadt der 2 Oceans Marathon statt, der sich selber auch der schönste Marathon der Welt nennt. Interessant auch, dass die zu laufende Distanz 56 km ist. Eigentlich sollte der Lauf daher eigentlich ja 2 Oceans Ultramarathon heißen. Dass man dabei auch noch knapp 500 Höhenmeter zu bewältigen hat (alle auf der zweite Hälfte der Strecke), wollen wir dabei gar nicht groß erwähnen. Auf die Idee den Lauf dieses Jahr anzugehen, brachte mich mein Freund, der dann selber wegen einen Schleimbeutelentzündung an der Achillessehne nicht laufen konnte, aber da er, der den Lauf bereits einmal gemacht hatte, so davon schwärmte, wollte ich mich natürlich selber überzeugen.

Bereits 2 Wochen vor dem Lauf fing ich an den Wetterbericht für Kapstadt genauer zu tracken und jeden Tag wurde die Vorhersage eigentlich besser, irgendwann hieß es sogar, dass es wohl bis zu 30 Grad werden sollten. Da wir in der nördlichen Hemisphäre unser Training für den Lauf ja zu Wintertemperaturen machen mussten, hatte ich vor dem Temperaturen doch ziemlichen Respekt. Als dann auf Facebook auch noch bekannt gegeben wurde, dass die Halbmarathonis um 6 Uhr starten werden, und die "Marathonis" "erst" um 6:40 Uhr, dachte ich mir, dass man genau dann, wenn die Höhenmeter kommen und man sowieso kaputt sein wird, auch noch die Wärme kommen wird.
Da dies aber mein erster offizieller Lauf über 56 km sein würde, dachte ich mir irgendwann, ich werde dies einfach genießen und jede Zeit ist eine Bestzeit. 

2O claudia

Nach einem langen Übernachtflug kamen wir in Kapstadt an, holten gleich die Startunterlagen und fuhren einmal mit dem Auto die Strecke ab, damit ich mich mental darauf einstellen konnte. Der Lauf heißt 2 Oceans weil man ein Stück am Indischen Ozean läuft und dann eine sehr schöne Strecke am Südatlantik hat. Start und Ziel der Strecke ist nur knapp 2 km entfernt voneinander und man läuft eigentlich kaum im Stadtgebiet von Kapstadt selber.
Der Lauf findet jährlich seit 1970 statt und war ursprünglich als Trainingslauf für den Comrades Lauf gedacht, hat ein relativ ambitioniertes Zeitlimit von 7 Stunden und ist mittlerweile eines der bedeutendsten Laufevents in Südafrika und perfekt organisiert. Bei über 10.000 Teilnehmern, nur auf der (Ultra) Marathondistanz, auch nötig.
Da ich es Ende 2016 noch schaffte, meine Marathonbestzeit auf unter 3:30h zu schrauben, bekam ich einen Startplatz im Starblock B, da es bei dem Lauf nur eine Bruttozeit gibt, freute ich mich sehr. Wobei ich mir von Anfang an dachte, dass ich es nicht schaffen würde, eine Zeit von sub 5 Stunden zu laufen. Bei der Veranstaltung gibt es unterschiedliche Medaillen, für sub 4 Stunden Gold, sub 5 Stunden Silber, Sub 6 Stunden Bronze und für sub 7 Stunden eine Teilnehmermedaille.

2O Start
Als wir im Startbereich ankamen herrschte von Anfang an eine wunderbar lockere Stimmung, man wurde von allen angelächelt, gegrüßt und auch angesprochen, woher man käme, etc. Lauter Dinge die ich von meinen üblichen Straßenmarathons nicht gewohnt war. Circa 10 min vor dem Start wurde die Nationalhymne gespielt, bei der alle Läufer ihr Laufmützen abnahmen und inbrünstig mitsangen. Man erkannte die internationalen Teilnehmer sofort, die sich teilweise ein bisschen irritiert umsahen - auch etwas, was man in Deutschland von Laufveranstaltungen nicht kennt. Auch sehr nett ist, dass auf jeder Startnummer steht, wie viele Male der Starter bereits am Ultra oder am Halbmarathon teilgenommen hat. Wer 10x am Lauf teilgenommen hat, bekommt eine blaue Startnummer und darf seine Startnummer für die Ewigkeit behalten. Durch einen Kanonenschuss wurde das Startsignal gegeben und wir waren auf der Strecke.
Die ersten paar Kilometer liefen wir noch in der Dunkelheit, aber trotz der frühen Tageszeit standen schon überall Leute zum anfeuern auf der Strecke, oder hatten ihre Balkontüren geöffnet und spielten laut Musik. Als der Pacemaker für sub 5 Stunden bereits an km 3 mit circa 4:40 min/km an mir vorbeilief wusste ich, dass es für mich definitiv nur eine bronzene Medaille geben würde - ich erfuhr allerdings hinterher, dass er seine Gefolgschaft bereits nach 4:50 Stunden im Ziel hatte, also sehr deutlich unter 5 Stunden!
Ab diesem Zeitpunkt beschloss ich den Lauf zu genießen und einfach zu sehen, was das am Ende für eine Zeit werden würde. Langsam ging die Sonne auf und man begann, das Meer zu riechen. Links und rechts redeten die Leute miteinander und traf sogar durch absoluten Zufall auf einen Kollegen von der Arbeit, mit dem ich circa 5 km gemeinsam lief. Besonders interessant fand ich, dass an jeder Wasserstation das Wasser und das Gatorate in kleinen 100 ml Plastikbehältern eingeschweißt war, die man aufbeißen musste. So schüttete man sich aber wenigstens nicht immer die Hälfte über das Shirt, wie mir das oft bei Bechern passiert.
Bis km 25 war das Rennen bereits sehr schön, mit tollen Aussichten auf nette kleine Dörfer und das Meer, aber bei km 27 wurde es richtig klasse. Nun erreichte man nämlich den Atlantik (nicht ohne dass an diesem VP die Helfer einem Pellkartoffeln in die Hand drückten), und nun begann der landschaftlich schönste Teil der Strecke. Langsam windet sich die Küstenstraße bis zum Chapmans Peak hoch und man hat absolut geniale Aussichten – ein Traum!! Nach Chapmans Peak kam ein circa 4 km langer Downhill, der doch ein bisschen in den Beinen wehtat und vor allem durch einigen Windböen gekennzeichnet war, bei denen ich dachte, dass mir jemand gegen die Beine tritt.
2O ZielDie 42 km Marathon-Marke erreichten wir in Hout Bay, zurück in der "Zivilisation", nun wartete aber der letzte Anstieg auf uns zum Constantia Nek. Hier musste ich auch etwas gehen, da ich merkte, wie mir die Beine schwer wurden und es halt doch noch 14 km waren. Da half auch keine Cola mehr. Da mein Magen auf Gatorade sehr empfindlich reagiert, wollte ich damit so spät wie möglich anfangen. Als einige Läufer mich hier überholten, gab es viele aufmunternde Ansagen: you are looking great, come on, we need you… Einfach toll.
Bei km 46 war der höchste Punkt des Rennens erreicht und von nun an ging es mehr oder weniger noch 10 km. Jetzt merkte ich dass meine Krafteinteilung doch richtig war, denn ich konnte nun deutlich beschleunigen und habe nochmal sehr viele der Läufer überholt, die an mir vorbei gelaufen waren. 56 km ist halt doch eine lange Strecke, die viele unterschätzen.
Nach 5:18 kam ich dann ins Ziel und war doch wirklich sehr glücklich meinen ersten richtigen Ultra bei so einem tollen Lauf erleben zu dürfen. Da mir Statistiken ja doch immer wichtig sind, ich bin 277te Frau von circa 3200 Frauen geworden, von denen 2600 unter dem Zeitlimit von 7 Stunden gefinisht haben.

Text und Bilder Claudia Lederer

Der 24h-Lauf am Seilersee ist einer der frühen Höhepunkte im Ultralaufjahreskalender. Auch wenn es dort oftmals kalt ist, werden auch immer wieder sehr gute Leistungen erlaufen und ist der Lauf durch seine tolle Atmosphäre geprägt.

Seilersee Zelt

Matthias Kröling berichtete hier von seinem Lauf, den er gut vorbereitet, seinen Plan diszipliniert durchgezogen und mit einem tollen Ergebnis gekrönt hat.

Andere Starter der LG Ultralauf (teilweise unter anderem Vereinsnamen gemeldet):

    AK km-Leistung Platz AK mw Platz AK
24h  
Matthias Kröling MHK 204,124km 2 1
Karl Rohwedder M60 184,149km 5 1
Roland Krauss M55 130,509km 26 6
Fam Kappus M50 112,629km 37 8
Torsten Witte M35 100,113km 55 4
Peter Hübner M55 80,445km 77 15
Dietmar Rosenau M55 71,505km 83 16
Heiko Rost M40 71,505km 85 11
Christel Kunze W80 51,837km 47 1
Christine Dänner W50 50,049km 48 12
12h    
Marlene Heller W65 71,804km 6 2
6h    
Carsten Schwenke M45 71,903km 2 1

Seilersee Strecke2

Karl Rohwedder berichtet:

Bernd Nuss hatte zum 10. Jubiläum des Iserlohener 24-Stundenlauf am Seilersee eingeladen und so machten Conny und ich uns
auf den Weg. Mein Ziel war die Spartathlon-Quali, da wir uns nach dem tollen Bericht von Dietmar Göbel über den Lauf
mit seinem Sohn entschlossen hatten, es in 2018 nochmal zu versuchen. Insgeheim hatte ich auch Hoffnung auf eine neue Bestleistung.
Die Organisation war wieder perfekt und das Wetter super. Viele Läufer, auch Conny, empfanden die Nacht als sehr kalt. Das empfand ich
nicht so, mir reichten Armlinge und ein dünnes Langarmshirt. So konnte ich die 24 Stunden durchlaufen und erreichte letztendlich 184km,
Quali erreicht, Bestleistung deutlich verpasst. Conny hatte sich in der Nacht 4 Stunden hingelegt und erreichte knapp 152km.
Nun ist die Strecke auch nicht einfach, da die 20 Höhenmeter pro Runde bei ~100 Runden
auch über 2000 Höhenmeter ergeben. Und da es auch schon der 7. Lauf diesen Monat war, bin ich doch zufrieden.

Seilersee Kalle

Startaufstellung. In der Bildmitte, dem Fotographen zugewandt erkennt man Kalle.

Carsten Schwenke schreibt zu seinem 6h-Lauf:

Nachdem mein 6h-Lauf-Debüt in Münster mit 72,030 km zwar ganz gut, aber nicht optimal verlief, wollte ich meine gute Form nutzen und nach einer kleinen Regenerationsphase einen neuen Anlauf wagen meine Kilometerleistung zu verbessern. Es sollte ein Lauf in meiner Wohnortnähe sein und aus terminlichen Gründen kam auch nur Mitte bis Ende April für mich in Frage. Kurz gegoogelt und schon stand ein Lauf fest. Ein 6h-Lauf am Seilersee in Iserlohn. Ein 12h und ein 24h-Lauf wird dort auch ausgerichtet. Ist noch nicht meine Liga. Teilnehmerlimit für den 6h-Lauf sind nur 40 LäuferInnen. 39 hatten sich schon angemeldet. 2 Minuten später war ich der 40ste und letzte.
Jetzt hatte ich wieder ein Ziel auf das ich hintrainieren konnte. Kurz noch mit Michael Irrgang geschrieben und mein Vorhaben mitgeteilt. Der meinte nur das es auf der ein paar kleine Anstiege geben würde. Dann würde die Muskulatur nicht so einseitig belastet. Ok, er musste es ja wissen. Insgesamt 22 HM auf 1,8 km. Hört sich nicht viel an. Dachte ich… Auf meiner Standardtrainingsrunde 10km komme ich auf 9 HM…
Nach einem gut verlaufenen Training in den folgenden Wochen fühlte ich mich gut vorbereitet und es konnte endlich losgehen. Der Start der 24h-Läufer war schon am Samstag um 12Uhr. Mein Start am Sonntag um 6 Uhr. Ich würde also gemeinsam mit den 24h-Läufern den Lauf beenden. 6 Uhr Start. Mein Gott, das bedeutete ja spätesten um 3:30 Uhr aufstehen. Das ist ja so gar nicht meine Zeit. Ok, Carsten, du machst das hier alles freiwillig! Selbst gewähltes Schicksal.
Zu meiner großen Überraschung war ich sogar vor dem Wecker wach und irgendwie überhaupt nicht müde. Alles lief nach Plan und ich war Punkt 5 Uhr in Iserlohn. Es war eine eigenartig schöne Stimmung am Start. Die überall hatten die 12/24h-LäuferInnen ihre Zelte aufgeschlagen und es herrschte, trotz der Musik am Verpflegungszelt eine schöne Stille. Die Sonne ging langsam auf und die Vögel zwitscherten. Sollte vielleicht doch einmal um diese Uhrzeit trainieren. Allerdings zeigte das Thermometer nur 2 Grad an. Ganz schön frisch. Aber das kannst ich ja aus den letzten Monaten nur zu gut. Der Wetterbericht kündigte aber Frühlingshafte 18 Grad bis mittags an. Schon stellte sich die Frage: Was ziehe ich an? Ich entschied mich für das klassische Zwiebelprinzip. Meine Kiste mit den Wechselsachen und der Eigenverpflegung kurzerhand auf eine Bank platziert, Toilettengang und schon konnte es losgehen. Punkt 6 Uhr ertönte der Startschuss. Auf ging es auf die erste Runde. 40 sollten es mindestens werden.
Schnell fand ich mein Tempo und überholte natürlich zahlreiche 24h-LäuferInnen. Mein Gott sahen die Müde aus. Kein Wunder, waren die schon 18 Stunden unterwegs und hatten in der Nacht kaum bis gar nicht geschlafen. Würde ich das auch einmal machen wollen? Ich hatte schnell die erste Runde beendet und fragte mich wo den die Anstiege gewesen sein sollen. Gut es ging einmal etwas hinauf aber das war es dann auch schon. Es war eine kleine gemütliche Runde, die um einen Sportplatz herum, hinab auf eine Holzbrücke, an Kleingärten vorbei, einen kleinen Anstieg hinauf in einen im dunkeln wunderschön illuminierten Wald hinein, zunächst leicht, dann ein paar Meter recht Steil hinab auf eine Staumauer und am Ende der Staumauer eine kurze Rampe hin zur Rundenzählung an den Zelten und dem Verpflegungsstand vorbei wieder zum Sportplatz. Zu meine großen Verwunderung  lag ich schnell an erster Stelle. Ich hatte meinen Rhythmus trotz der zahlreichen Richtungswechsel und der kleinen Hügel recht schnell gefunden und lief einfach. Die Sonne ging auf und zum ersten mal konnte man den See in seiner ganzen Ausdehnung sehen. Eigentlich ein richtiges Idyll, wenn nicht mitten über den See eine Autobahn führte und die Pfeiler der Brücke im See standen.
Mein Tempo war sehr gleichmäßig aber dennoch zügig. Mein Pulsmesser zeigte mir an, dass alles im grünen Bereich war. Nach etwa 15 Runden spürte ich auf einmal mein linkes Knie. Hatte ich bislang eigentlich nie Probleme mit gehabt. Oder war es doch die Muskulatur? Auf einmal merkte ich doch das es irgendwie doch ganz schön bergauf ging. Irgendwie lief es auf einmal etwas zäh und ich merkte wie mein Kopf anfing nach einem Grund suchte zu gehen. Gehen? Gehen geht gar nicht! Vielleicht zum pinkeln. Handschuhe, Mütze und ein Oberteil hatte ich schließlich schon abgelegt. Ok, eine Pinkelpause wollte ich mir genehmigen. Danach ging es wieder einigermaßen, aber auch nicht so gut wie vorher. Aber du bist immer noch Erster. In diesem Augenblick lief der bislang zweitplatzierte an mir vorbei. Locker und zügig. Für mich viel zu schnell und zu früh sich jetzt schon auf ein Duell einzulassen. Also ließ ich Ihn ziehen. Das Rennen war ja noch lang. Schnell war er außer Sichtweite. Mit jeder weiteren Runde fielen mir die kleinen Anstiege immer schwerer. Dazu kam noch, dass die Bergabpassagen immer unangenehmer wurden. Meine Rundenzeiten wurden immer langsamer und ungleichmäßiger. Ich war froh noch Zweiter zu sein. Ich hatte etwas die Orientierung im Feld verloren. Von außen bekam ich keine Infos über Abstände. Auf dem Monitor konnte ich nur meinen Platz aber nicht den Zeitrückstand erkennen. Ich war aber immer noch mit meiner Kilometerleistung deutlich über der von Münster. Da hatte ich aber sehr starke letzte 90 Minuten. Also noch einmal konzentrieren, gut verpflegen und nicht gehen. Das kostet Meter.
Mittlerweile stand die Sonne hoch am Himmel und es war ein wunderschöner Sonntag geworden. Was man das alles mit der Familie hätte unternehmen können. Aber nein, ich musste mich ja bei diesem Berglauf anmelden. Dann bekam ich auch noch die Info ich würde 7 Minuten hinter dem ersten zurückliegen. Eine Stunde noch. Das war es. Aber zweiter ist auch noch ein super Ergebnis. Kannte ich eigentlich so gar nicht. Ein Rennen war sonnst erst immer dann zu ende, wenn es zu ende war. Schlechter als mir konnte es Ihm vorne auch nicht gehen. Schlechter als mir ging es nur einigen 24 Stunden-Läufern. Und selbst die sahen eigentlich auch wieder ganz gut aus. Mensch jetzt stell dich nicht so an! Die laufen jetzt schon 23 Stunden, was sollen die denn sagen?
Der Dritte sollte einen beruhigenden Abstand haben. Die letzte halbe Stunde war angebrochen. Der führende Mann der 24h-Läufer lief zu mir auf und wir klagten uns unser Leid. Auf einmal lief es wieder. Bei uns beiden. Meine Kilometerleistung von Münster hatte ich abgeschrieben. Die Höhenmeter hatten mich geschafft. 70km war das Minimalziel. Auf einmal fand ich fast mein ursprüngliches Tempo wieder und konnte sogar noch die 40ste beenden. Kurze Zeit später war dann das Rennen zu Ende und ich war froher Zweiter geworden. Meine Uhr zeigte 71,3km an. Aber wie weit war ich genau gekommen und wie weit war der Sieger entfernt gewesen?
Nach kurzer Zeit stand das Ergebnis fest: 71,903 km! Nur 127m weniger als in Münster. Und das auf der Strecke. Wow! Die wären bestimmt noch irgendwo drin gewesen…
Wo war der Erste? 72,247 km. Da waren ja nur 344m Vorsprung. Wenn ich das gewusst hätte… offensichtlich ging es dem Sieger nicht viel besser als mir.
Aber auch der zweite Platz ist für mich ein riesen Erfolg. Ich habe nicht den ersten Platz verloren, sondern den zweiten Platz gewonnen. Und die Kilometerleistung stufe ich für mich aufgrund der 880 Höhenmeter die es letztlich geworden sind, deutlich höher als in Münster ein. Außerdem war ist Erster in meiner Altersklasse geworden.
Bei der abschließenden Siegerehrung gab es noch neben der Urkunde einen kleinen Strauß Blumen, einen schönen Glaspokal und ein paar Kaltgetränke des Sponsors der Veranstaltung
Der Lauf am Seilersee ist ein wunderschöner, fast familiärer Lauf den man als Ultraläufer sicherlich einmal gelaufen sein sollte. Aktuell könnte ich mir nicht vorstellen, einmal 12 oder sogar 24 Stunden am Stück zu laufen. Meine größte Bewunderung gilt den Teilnehmern dieser Läufe hier. Aber es wird wohl wie beim 6h-Lauf das Meiste in Kopf passieren. Hier werde ich sicher noch eine Menge lernen müssen.
Als nächsten Ultralauf habe ich mir eigentlich den Hollenmarsch 75k Ende Mai vorgenommen. Evtl. werde ich aber noch kurz vorher einen Marathon meine Arbeitgebers „Vollgas“ laufen und dann den Hollenmarsch mit meiner Lauffreundin Kirsten Althoff ganz entspannt laufen. Sie wird sicherlich einiges von Ihrem Wüstenmarathon zu berichten haben.

Seilersee CarstenChristel

Carsten und Christel unterwegs

Der Bericht von Roland Kraus:

Zahlreiche Läufer(innen) von der LG Ultralauf starteten beim 24-Std-Lauf, einer beim 6-Std-Lauf am Seiler See. Vielen ist dieser Lauf ja schon längst bekannt, in den Ergebnislisten der vergangenen Jahre stehen viele Läufer aus unserem Team.

Für mich war es eine Premiere dort zu starten, wohl hatte ich schon viel von diesem nicht ganz flachen 1,78km Rundkurs um den Seiler See gehört. Ich hatte eine Fahrgemeinschaft mit Peter Hübner. Er wohnt ja nicht weit von mir weg, da bot sich das an. Schon auf der Anreise war neben unserem gemeinsamen Spartathlonstart das erwartete Wetter eines unser Hauptthemen. Schon öfter war da am See kein optimales Laufwetter. Ich hatte vor allem von der Kombination: „kalt und nass“ heftige Bedenken – das hatte ich bei der 24-Std-DM 2016 in Basel zur Genüge erlebt.

Seilersee PeterRoland

Peter und Roland

Nun blieb es zwar trocken, doch ich dachte nie im Leben daran, dass mir Kälte allein so zusetzen konnte – wieder um eine Erfahrung reicher.

Wir erreichten das Laufgelände am frühen Freitagnachmittag und konnten sehr nahe der Laufstrecke parken und unseren Pavillon aufbauen. Die Burger-Zwillinge waren kurz vor uns da und bauten ihren gleich nebenan auf. Lebhafter und gut koordinierter Aufbau verrieten eine gute Organisation – hier sind Veranstalter mit reichlich Erfahrung am Werk. Nach schnellem Aufbau und Einrichtung (wir schliefen auch in unseren Zelten trotz kühler Nacht) blieb noch reichlich Zeit für eine erste Streckenbesichtigung, die 22 HM pro Runde waren durchaus zu sehen. Anschließend trafen wir uns zum Abendessen, ein mongolisches Buffet entpuppte sich doch als hauptsächlich chinesisch – es wurde viel gelacht und gegessen. Benjamin Brade, der mit am Tisch saß, verriet uns, dass er gerne morgen den Streckenrekord angreifen würde, dazu braucht er mind. 227km. Im Anschluss gingen wir noch zum Start-/Zielbereich, dort fand eine Vorabendparty mit fetziger Musik statt – nur litt die Stimmung etwas an der kühlen Witterung.

Wir verzogen uns dann und versuchten möglichst warme Schlafgelegenheiten zu kreieren, es wurde immerhin 5Grad kalt diese Nacht. An schnellen Schlaf war nallerdings icht zu denken, dazu war die Party mit der lauten Musik, dann doch zu nah.

Wir mussten ja nicht so bald raus, der Start war auf 12Uhr festgelegt, da kamen viele Starter erst am Vormittag an die Strecke. Wir gingen zum Frühstücken ins nahe Sportheim, Start-Nr. wurden abgeholt, Eigenverpflegung und Wechselklamotten bereitgelegt, dann eine erste Aufwärmrunde getrabt. So mancher bekannte Läufer wurde begrüßt und die Teilnehmer von der LG Ultralauf komplettierten sich.

Seilersee Franken

Peter, Matze, Heiko, Roland, Ralf, die Burger-Zwillinge Rüdiger und Frank sowie Benjamin Brade.

Um 12Uhr dann der Startschuß unter der Autobahnbrücke nahe der Zeitnahme. Gewohnt ruhig ging es los, Hektik gibt es bei einem 24-Std-Lauf am Start kaum – Alle wissen, es bleibt nun genug Zeit, um seine Kräfte früher oder später schwinden zu lassen.

Nach einiger Zeit startet ein Kinderlauf parallel zu unseren, das ist gut organisiert, da sich die Wege kaum berühren, höchstens die übereifrigen Eltern, die nebenher laufen, versuchen zu motivieren bzw zu betreuen, stören unsere Kreise. Doch nach ca 1-2Std. ist das auch vorbei.

Von der Zeitnahme weg geht die Strecke durch das Lauflager mit Zelten und Pavillons direkt in eine Rechts- Linkskurve zur Verpflegungsstation vor dem Sportheim. Im Anschluss eine scharfe Rechtskurve auf die Tartanbahn die um einen Kunstrasenplatz führt, auf dieser Bahn werden ca 200m gelaufen, nun geht es rechts raus durch ein Tor wieder nah an den See, dabei ist eine leichte Steigung zu überwinden, dann Richtung Fußgängerbrücke geht es bergab. Vorbei an vielen Enten und Gänsen, die sich an der Uferböschung aufhalten und gelegentlich die Laufstrecke kreuzen. Rechts eine kleine Wohnsiedlung, links der See so läuft man langsam ansteigend zur nächsten Abzweigung. Hier geht es einige HM hoch, nach links und nochmals sieht man einen kleinen Hügel vor sich. Kaum ist man oben, entfernt man sich etwas vom See, aber es geht auch leicht bergab. Die Autobahnbrücke auf dieser Seeseite kommt näher und man läuft wieder auf den See zu, eine leichte Rechtskurve, dann geht es 200m geradeaus. Nun aber scharf nach links und bergab - auf einer Art Damm läuft man direkt am See, langsam wieder ansteigend und nach einer letzten Linkskurve sieht man schon die Zeitmessung vor sich. Nach jedem Piepsen über die Matte hat man wieder 1.788m mehr auf dem Konto. Alles wird schön übersichtlich an der Anzeigetafel unterhalb der Autobahnbrücke dargestellt, man muß sich nur ein paar Sekunden Zeit nehmen, um sich zu orientieren.

Ich gehe davon aus, ich will mindestens so meine 100Runden drehen – gerne etwas mehr. Die ersten Stunden laufen gut für mich, ich bin mit einer Pace knapp unter 6min pro KM unterwegs. Ich werde sehr selten von anderen Einzelläufern überholt, gelegentlich von Staffelläufern, die z.T. doch schneller unterwegs sind. Ab 18Uhr gesellen sich noch einige 12-Std-Läufer zu uns auf die Strecke – kein Problem, denn das verteilt sich gut auf dieser Runde. Den 12-Std-Lauf absolviert auch unser Vereinsmitglied Marlene Heller. 

Zwischendurch mache ich immer wieder mal an dem gut bestückten VP Halt, dort gibt es all das was ein Läufer so braucht, wenn Er stundenlang unterwegs ist. Zusätzlich habe ich die Möglichkeit an unserem Pavillon meine Eigenverpflegung aufzunehmen. Da habe ich Gels, Iso und Kleinigkeiten zu Essen deponiert. Mit zunehmender Dämmerung wird es kühler und ich plane so langsam Veränderung an der Laufausrüstung.

Zwischendurch entdecke ich immer wieder andere bekannte Läufer auf der Strecke, vor allem die Läufer(innen) von LG Ultralauf bekommen eine aufmunternde Bemerkung mit auf den Weg. Der Anteil der Geher nimmt langsam zu, auch wenn Einige nach einigen Minuten wieder anlaufen. Für mich ist das nix – ich versuche immer auf der Strecke zu laufen, langsam zu laufen, oder eine kleine Gehpause einlegen ist nichts für mich – da schlafe ich beim Gehen ein, das bestätigt sich auch heute wieder. So versuche ich eben jeweils das bestmöglichste Lauftempo für mich zu finden.

Bei KM 60-70 krieg ich so eine kleine Krise, doch es kümmert nicht mich weiter – ich kenne sowas und meine Pace nimmt kaum ab. Anschließend läuft es auch wieder problemlos weiter.

Der aufkommenden Kühle begegne ich zuerst mit Beinlingen über der knielangen Laufhose, später wechsle ich mein Langarmshirt gegen ein trockenes aus, die dünnen Handschuhe, die ich den ganzen Tag über anhatte, werden ersetzt durch wärmere. Zuletzt noch eine Laufjacke, die vor kalten Wind schützt sowie eine Mütze – damit fühle ich mich gut gewappnet. Die Aussteiger nehmen langsam zu und das macht auch vor den Vereinskollegen nicht halt. Noch fühle ich mich passabel und nach knapp 10Std habe ich die 100km-Marke überschritten – damit liege ich gut im Plan.

Ich bemerke an der Zeitnahme ich bin in den letzten Std kontinuierlich in der Platzierung nach vorne gerückt – lange war ich so grob auf den 10.Platz, ich bin schon auf dem 5.Platz, nah am 4. Dran. Eine Platzierung davor Matthias Kröling –  nur noch Ralf ist noch im Rennen, andere Vereinsmitglieder sind ausgestiegen.

Nach 13Std naht die nächste Krise, ich schwitze und friere gleichzeitig, versuche mit längeren Pausen gegenzusteuern, Tee und Kaffee soll mir helfen durchgehend warm zu bleiben. Es wirkt leider nicht – trotz warmen Magen friere ich noch mehr und im VP-Zelt schlafe ich fast ein. Ich beginne wieder schneller zu laufen – die 130km-Marke ist nach 14,5Std erreicht – auch Ralf scheint raus zu sein. Ich hätte nun also 8,5Std Zeit um weitere 70km zu absolvieren – dann hätte ich persönliche Bestleistung, absolut machbar denke ich mir. Doch dazu müsste es mir besser gehen. Noch eine Pause die mich heftig frösteln lässt, gibt mir den Rest. Ich beschließe auszusteigen, auf meine Gesundheit zu achten, denn eine heftige Erkältung oder dergleichen kann ich mir bei meinen Zielen in diesem Jahr nicht leisten. Schade um die bis dahin recht gute Leistung – aber so ist DAS nun eben.

Ich höre auch Benjamin Brade ist zwischenzeitlich ausgestiegen, versucht es aber nochmals. So ist Antje Krause vom Ultra-Sportclub Marburg auf dem besten Weg zum Sieg. Sie wird den Lauf mit 219,867 km gewinnen – bravo Antje!

Ich wärme mich im Massagezelt auf, hole meine Schlafmatte und Wechselklamotten aus dem Zelt und lege mich zu den Anderen in einen Ruheraum des Sportheims. Ich schlafe zwar nicht viel, aber etwas Erholung ist das doch. Nach dem Frühstück dort, beginnen wir unseren Pavillon abzubauen und einzupacken. Als wir die Transponder zurückgeben erhalten wir unsere Medaille. Mittlerweile sind auch die 6-Std-Läufer auf der Strecke, darunter auch Carsten Schwenke von der LG Ultralauf – Er liegt gut im Rennen und möchte gerne seinen Rückstand zum Erstplatzierten wissen – leider ist das nicht in Erfahrung zu bringen.

Peter hat einen Anruf bekommen – dringende Familienangelegenheiten. So brechen wir sofort auf, warten nicht das Ende des Rennens ab. Die Ergebnisse erfahren wir nachher aus dem Netz.

Trotz vieler Ausfälle und der Kälte, es hat Spaß gemacht am Seiler See – die Organisation und das ganze Drumherum ist einfach Klasse gemacht. Es wird nicht mein letzter Start in Iserloh gewesen sein.

In besonderes guter Erinnerung wird dieser Lauf Matthias Kröling bleiben: 3.Gesamtrang (2.Mann) mit 204,124km – unsere Präse hat es richtig kommentiert: Da hat der Matze aber einen rausgehauen. GRATULATION MATZE – was für eine klasse Leistung, für einen so jungen Ultraläufer!

Seilersee Ralf

Christine und Ralf

Bericht von Heiko

Seilersee Heiko2Ziel weit verfehlt...Aber 3 Wochen fast ohne Training sind nicht unbedingt die optimale Vorbereitung auf einen 24 Stunden Lauf. Also Augen zu und los geht's....1778m um den Seilersee....Je Runde 22hm....
Bereits nach knapp 8 Stunden war mir klar das ich die 24 Stunden nicht komplett laufen werde. So langsam machten sich die Höhenmeter bemerkbar und es kühlte auf ca 3°C ab. Die Kraft verließ mich immer mehr. Das fehlende Training kam mehr und mehr durch. Nach nicht einmal 12 Stunden habe ich den Lauf beendet. 11:48:53 .....71,505 km ..... 880 hm
Ich denke dennoch das es das beste war auszusteigen und nicht auf biegen und brechen weiter zu machen. Auf jeden Fall eine tolle Veranstaltungen. Das beste ist aber die super Gemeinschaft der Ultraläufer und der Spaß den es macht gute Freunde zu treffen.

Text von Michael Irrgang, Karl Rohwedder, Carsten Schwenke, Roland Krauss, Heiko Rost, Bilder von Roland Krauss, Heiko Rost und Kosta Kotalas, 7.5.2017

Der Plan und seine Zahlen

Iserlohn MatzeFolgende Vorüberlegungen hatte ich bezüglich der Renntaktik:
Ich wollte den Lauf mit einer Pace von 6:30 min/km angehen, was pro Runde eine Dauer von 11:37 min entspricht. Dieses Tempo wollte ich möglichst lange halten.
Als Toleranzrahmen hatte ich mir 6:25 bis 6:35 min/km gesteckt, also etwa 11:28 bis 11:46 min pro Runde. Da ich nicht in der Lage bin (und das sind wohl auch eher wenige Personen), Runde um Runde im exakt selben Tempo zu absolvieren, nahm ich mir vor, möglichst jede Runde zwischen 11:32 und 11:40 min zu durchlaufen.
Als grobe Zwischenziele hatte ich mir die 50km-Zeiten gesetzt. Laut Plan wollte ich die ersten 50 km in 5:25 h absolvieren. Die 100 km sollten nach allerspätestens 11:15 fallen. Wenn ich in der Lage sein sollte, meinen Plan durchzuziehen, wäre im optimalen Fall mit einer Durchgangszeit von sub11h zu rechnen. Danach wurde es auch in meiner Planung schwammiger. Für die dritten 50 km wollte ich mir sechs Stunden geben und für die letzten 50 km noch einmal 6:15 h. Danach hätte ich immer noch einen Puffer von etwa einer halben Stunde, man weiß ja nie.
Achja, das war übrigens mein Plan: Ich möchte zum ersten Mal die 200km-Marke knacken. Gegenüber manchen Leuten spreche ich lieber von 190+, bin lieber etwas vorsichtiger. Meine PB liegt bei 182 km, aufgestellt bei meinem letzten 24er hier am Seilersee vor drei Jahren.

Seilersee See

Der Lauf
Im Prinzip kam es nur darauf an, solange wie möglich die sorgsam durchdachte Rundenzeit von etwa 11:37 min durchzuhalten. Sollte das gelingen, schaffe ich automatisch 200 km oder sogar mehr. Daher hatte ich an meiner an Funktionen nicht armen Garmin nur ein Datenfeld eingestellt: die aktuelle Rundenzeit, die ich jede Runde abstoppte. Im Kopf hatte ich das Wissen, dass 14 Runden für 25 km zu absolvieren sind. Schon recht schnell im Rennen bin ich dazu übergegangen, völlig banal zu rechnen: 14 Runden, 25 km, 3 Stunden. Alles multipliziert mit 8 ergibt 112 Runden, 200 km, 24 Stunden. In der Theorie ist alles immer so simpel.
Die ersten Stunden im Rennen waren ereignisarm und ich war bemüht, mich an meinen Plan zu halten. Schon schnell zeigte sich, dass ich tendenziell meiner Pace ein paar Sekunden voraus war und ich eher im Tempo 6:20 bis 6:25 min/km unterwegs war. Fühlte sich aber alles gut an, also weitermachen.
Die ersten 50 km waren nach 5:26 Stunden durch, alles lief nach Plan. Hier gönnte ich mir auch das erste Mal eine mehrminütige Pause, um die Hose zu wechseln und Fett nachzuschmieren. Danach ging es relativ problemlos weiter und ich absolvierte auch die zweiten 50 km in 5:26 Stunden. Boah, das war natürlich ziemlich cool! 100 km durch in 10:52 Stunden! Na, das wird doch wohl passen mit den zweihun…aber Moment, es ist ja noch so lange hin und wir haben noch nicht einmal die Hälfte. Ich gönne mir nach den 100 km eine zehnminütige Pause. In aller Ruhe nochmal nachschmieren und ein erster Blick auf die Ergebnistafel. Futtern, trinken, belohnen.
Dann aber weiter, es ist ja einfach arschkalt. Ich freue mich, dass ich das Anfangstempo noch locker halten kann. Eigentlich bin ich sogar überrascht, dass das noch so gut geht. Aber mal lieber nicht zu lange darüber nachdenken, einfach weiter. Der Plan ist es jetzt, mich so schnell wie möglich von der 100km-Marke abzusetzen. Weiter, immer weiter. Die Kilometer zwischen 100 und 125 finde ich überflüssig, müssen einfach gemacht werden. Einfach laufen. Es wird gleichzeitig dunkler, kälter, einsamer. Und ich werde müder. Die Runde zieht sich jetzt vielmehr als zu Beginn. Trotzdem gefällt sie mir immer noch sehr, ich finde sie sehr abwechslungsreich und auch die „Steigungen“ stören nicht. Sie sind eine willkommene Abwechslung für die Muskulatur. Ich bin von der 1. bis zur 112. Runde alle „Rampen“ gelaufen und empfand es nur in den letzten Runden (bei denen übrigens alles anstrengend war) nicht als schlimm.
Also, nicht so lange denken, lieber laufen. Die Frage nach dem „Warum?“ wurde sowieso schon viel früher in der Vorbereitung beantwortet. Bei den frühmorgendlichen Läufen, wenn man eigentlich noch liegen bleiben könnte. Bei den einsamen langen Läufen, wenn man stundenlang niemanden trifft. Bei den noch so kurzen Zwischenläufen, wenn man sich fragt, ob es am Ende überhaupt auf die paar zusätzlichen Kilometer ankommt.
Ich laufe also und bin nach 13:48 Stunden Renndauer bei der 125km-Marke angekommen. Wie ich dem Rundenprotokoll entnehmen kann, mache ich hier wohl wieder etwa 10 Minuten Pause, aber ich kann mich nicht mehr erinnern, was ich gemacht habe. Vielleicht war das aber auch der Zeitpunkt, an dem ich mich mit Roland Krauss an der VP unterhalten habe. Er meinte: „Noch 10 Stunden“. Da bin ich dann weitergelaufen, glaube ich. Und Roland ist dann leider kurze Zeit später raus.
Wieder 14 Runden in etwa 3 Stunden. So zu rechnen war für mich ein psychologisch vorteilhafter Gedanke: Da sich mein Tempo nicht reduzierte, machte ich im Schnitt fünf Runden pro Stunde. Da aber nur 14 Runden für 25 km in 3 Stunden zu absolvieren waren, konnte ich es nur schaffen. Selbst mit guten Pausen konnte ich es eigentlich nur schaffen.
Ein harter Abschnitt beginnt, die dunkelsten Stunden der Nacht. Der Körper ist müde, der Kopf muss vor einer Gedankenmeuterei bewahrt werden. Ich erinnere mich noch an Antje, die mir einen lockeren Schritt attestierte und mir riet, ich sollte mir diese 200km immer wieder und immer wieder vor Augen halten: „Sieh es doch mal so: Wenn du jetzt aufgibst, was hat dir deine gute Leistung bis hierher gebracht?“
Es folgen dunkle Stunden außerhalb und innerhalb meines Körpers, aber der Diesel läuft. Die 150 km habe ich nach 16:45 Stunden erreicht, macht für den dritten 50km-Abschnitt also 5:53 h. Was soll’s, Hauptsache geschafft. Jetzt würde ja auch bald die Sonne aufgehen und dann wird sowieso alles besser. Schon in den letzten Runden hatte ich nach einer adäquaten Belohnung für das Erreichen des für mich schwierigsten Rennabschnittes geforscht. Essen oder Trinken war in dieser Rennphase ein notwendiges Übel, ich hätte lieber darauf verzichtet. Aber da gibt es ja noch das Physio-Zelt, drinnen brummen die Heizlüfter und die Bässe. Ich überlege noch zwei Runden, ob ich das wirklich machen soll und nach drei Runden laufe ich rein. „Könnt ihr bitte einen Wecker stellen und mir in 10 Minuten Bescheid sagen? Ich will mich nur mal kurz hinlegen.“ – „Alles klar, wollen Sie auch massiert werden?“ – „Och, wenn du schon so fragst…“. Es waren die angenehmsten zehn Minuten des ganzen Laufs. Vielen Dank nochmal dafür!
Immer weiter, immer weiter. Der Himmel schwarz zu blau, die Enten und Gänse und was da sonst noch schnattert begrüßen die Dämmerung. Für mich ist die Morgendämmerung immer ein Highlight eines solchen Laufs. Mir wird klar, dass ich tatsächlich die ganze Nacht durchlaufen habe und nun ein neuer, heute sogar ein schöner, sonniger Tag heranbricht.
Neue persönliche Bestzeiten pflastern meinen Weg. Nie war ich schneller über 100 km und auch jetzt nicht über 100 Meilen, die ich nach 18:08 Stunden erreiche. Die nächste Marke sind die 175 km, die nach 19:45 Stunden absolviert sind. Jetzt müsste es doch wirklich klappen…nein, Konjunktiv aus und weiterlaufen. Weiter.
Die 6h-LäuferInnen sind gestartet, die Sonne kommt raus und ich weiß, dass ich es schaffen werde. Ich habe noch 4:40 Stunden Zeit für 25 Kilometer.
Mittlerweile laufe ich seit geraumer Zeit auf dem dritten Gesamtplatz, vor mir noch Benjamin und Antje. Dann kommt die Info durch, dass Benjamin leider aufhören musste, Kreislaufbeschwerden. Und er stoppte – sonst natürlich uneinholbar weit vorn – bei 196 km. Ha!! Kollege, dich kriege ich. Eigentlich voll blöd: er muss raus, weil es ihm nicht gut geht und ich habe nichts Besseres zu tun, als daran zu denken, ihn überholen zu können. Nicht nur blöd, sondern armselig. Aber die Gedanken sind halt beschränkt nach 20 Stunden laufen. Tut mir leid, Benjamin! Ich hätte dich gern die 230 km laufen sehen, du bist einfach so locker und schnell gelaufen, da konnte dir keiner das Wasser reichen. Naja. Auf einmal sieht es jedenfalls danach aus, als könnte ich den Sieg bei den Männern holen. Vor Schreck schaue ich mal, wie sich mein Verfolger macht. Manuel Tuna ist nur zwei Runden hinter mir und: er ist schnell. Er ist verdammt schnell. Och nee, kein Sprintduell bei einem 24h-Lauf. Für mich steht sofort ohne Zögern fest, dass ich hier nicht um den Männersieg kämpfen werde. Dies mögen andere als unsportlich sehen oder was auch immer, mir egal. Ich will meine 200 Kilometer. Und wenn heute zehn Andere besser gewesen wären, mir egal.

Iserlohn Matze200
Mit meiner kleinen Crew aus Mitläufern, die schon aufgehört haben, zähle ich die Runden. Noch sechs, noch vier, noch zwei…LETZTE RUNDE! Und dann ist es geschafft, ich habe die 200 km nach 22:51 Stunden gepackt. JAA, wie geil!! Ich schnappe mir zum ersten Mal überhaupt eins dieser Wimpel und fuchtel damit wie wild in der Gegend rum. Ich bin heute der erste Mann (Antje ist mit ihrem Ausnahmetalent einfach raus aus dieser Wertung…und sie ist natürlich eine Frau), der die 200 km gepackt hat. Das Staunen, die Anerkennung und Glückwünsche vieler LäuferInnen und ZuschauerInnen geht runter wie Butter. Ich latsche die Runde zu Ende und bin glücklich. Okay, eine geht noch. Mittlerweile hat Manuel mich eingeholt und überholt. Der rasende, total sympathische Portugiese entwickelt eine unglaubliche Kraft und läuft atemberaubende Rundenzeiten, die ich nie mehr gepackt hätte. So einer hat den Männersieg verdient, toll. Ich bekomme eine Flasche Bier und nehme direkt eine zweite mit auf die letzte Runde. Mit zwei Flaschen Bier kann man mich jetzt nicht mehr ernst nehmen, aber auch das ist mir egal. Kurz vor Schluss fällt mir ein, dass ich noch ein paar Restmeter kriechen könnte, um auf die schöne Zahl von 204 Kilometern in 24 Stunden zu kommen. Ich schleppe mich bis zum Stadion, lasse mich da fallen und warte auf das Signal.
204,124 Kilometer in 24:00:00 Stunden. Eine tiefe Zufriedenheit macht sich breit. Wie bei einem Steinbildhauer, einem Komponisten oder einem Maler, die nach hunderten Stunden und monatelanger Arbeit endlich etwas fertiggestellt haben. Ich bin fix und fertig und schaffe es kaum in die Dusche.
Reicht jetzt auch erstmal.

Text: Matthias Kröhling, Bilder: Michael Irrgang, Heiko Rost, Kosta Kostalas, 6.5.2017

(Ein weiterer Bericht von weiteren Teilnehmern sowie den Ergebnissen folgt)

Christoph, Raimund und ich haben uns relativ spontan entschlossen, die Harzquerung zu laufen. Beide haben schon so häufig von der Streckenführung geschwärmt, aber bei mir hat es bis dato terminlich nie gepasst, zumal die Austragung in der Regel mit dem Hexenstieg Ultra kollidierte.

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Anreise am Tag zuvor nach Wernigerrode

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Kurz vor dem Start: Raimund Slabon, Stefan Beckmann und Christoph Janthur

Der Lauf an sich macht seinem Namen alle Ehre. Er beginnt in der wunderschönen Fachwerkstadt Wernigerrode im Norden des Harzes und führt über 51 km bis nach Nordhausen im Südharz. Die Streckenführung ist ausgesprochen schön, anspruchsvoll, aber dennoch gut laufbar und zeigt den Harz in seiner ganzen Ursprünglichkeit. Es geht über eine Vielzahl von Singletrails stetig auf und ab, so dass sich insgesamt ca. 1350 Hm aufsummieren.

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Rai und Stefan kamen gemeinsam ins Ziel

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links: Christion Mohr im Ziel, rechts: Christoph belegte in seiner Altersklasse einen Podesplatz

Christoph, der sich zur Zeit in einer ausgesprochen guten Laufform befindet, spulte die Strecke locker in 4:23 h ab. Raimund und ich wollten nach längerer Zeit mal wieder einen Lauf gemeinsam finishen und waren relativ entspannt nach 4:56 h im Ziel. Das zeigt, das Training von den Zugspitz Ultra funktioniert. Schön war es auch, unseren Präsidenten Christian mit Katrin freudestrahlend im Ziel zu treffen. Beide benötigten 6:25 h.

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Christian und Katrin kamen nach einem schönen Trainingslauf entspannt im Ziel an.

Hans-Uwe Zietlow erreichte nach 7:19 Stunden das Ziel im Südharz.

 

Ja es war ein richtig tolles Laufevent und ich komme sehr gerne wieder. 
Text: Stefan Beckmann, Bilder Stefan Beckmann (5), Christian Mohr (1)

Ende April organisiert Michael Frenz über sein Meldeläufer-Label seit ein paar Jahren ein Event im Harz, bei dem die Teilnehmer überwiegend auf dem Hexenstieg laufen, einem Premiumwanderweg von Osterode über den Brocken nach Thale. Er bietet drei Läufe an: den Hinweg (Hexenritt), den Rückweg (Hexentanz) oder die ganze Schleife (Hexenstieg), die dann etwa 216 km umfasst.
Wie in den Vorjahren auch, war ich in erster Linie als Helfer vor Ort. Da ich als Coach im Team Meldeläufer für Trainingsfragen zur Verfügung stehe, bietet die Teilnahme an derartigen Veranstaltungen mir auch die Möglichkeit des Kontaktes mit Team-Mitglieder. Die letzten beide Jahre hatte ich immer einen späten Versorgungspunkt betreut und war nach getaner Arbeit zum nächsten VP gelaufen. Dieses Mal war ich mit Ines Gonschorek, der Partnerin von Sebastian, der letztendlich bei dem Hexenstieg mit einer kleinen Gruppe den geteilten zweiten Platz erreichte, für den Punkt in Thale eingeteilt.

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Morgens um 6 Uhr war in Osterode der Start der Hexenstiegläufer. Von den über 50 Startern sollten 2 Tage später nur etwa die Hälfte das Ziel erreichen. Die anderen gaben aus verschiedenen Gründen zuvor auf, z.B. aufgrund der Kälte oder Frust oder Verletzungen oder weil sie das Zeitlimit nicht packten. Gerade die Navigation ist „spaßentscheidend“. Wenn man eh weiß, dass der Weg weit und das Zeitlimit knapp ist, kann verlaufen sehr deprimierend sein. Manche haben zwar die besten technischen Geräte, können damit aber nicht umgehen, manche probieren vergeblich die Navigation nach Karte und bei anderen ist plötzlich und unerwartet die Batterie leer. Dieses Jahr liefen die Hexenstiegläufer und die Hexentänzer mit Tracker, d.h. ihre Position wurde mit einem Sender ins Internet übertragen. So konnten interessierte Beobachter den Weg jedes einzelnen Teilnehmers genauestens verfolgen.

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Nach dem Start der Hexenrittläufer fuhren Michael Frenz und ich einzelne VPs ab. Hier trafen wir am ersten VP bei Kilometer 19 Thomas Porstner von der LG Ultralauf. Er hatte sich vom Trainingslager letzte Woche noch nicht ganz erholt und musste leider frühzeitig aufgeben.

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Auch der VP bei km 35 in Torfhaus hatte fast alles, was das Läuferherz begehrt. Mehr wäre Luxus und würde nicht ins Konzept passen.

Hex7Gegen Mittag kamen Ines und ich dann in der Jugendherberge in Thale an, wo wir zwei Räume hatten. Einen Vorraum, den wir zum Verpflegen nutzten und einen Ruheraum zum Schlafen.
Thale war der große VP. Ende des Hexenrittlaufes, Start des Hexentanzes und großer VP mit Dropback, Dusch- und Schlafmöglichkeit für die Läufer der ganzen Runde. Schnell hatten wir alles umgebaut und eingerichtet. Gegen 19 Uhr kam der führende der Hexenstiegläufer, Tiemo Arndt, der das Rennen aber nicht beenden konnte und dann kamen die Läufer alleine oder in Kleingruppen so nach und nach. Die Top-Läufer hielten sich im Durchschnitt 30 bis 45 Minuten bei uns auf, aßen, tranken, wärmten sich, einige duschten, wechselten ihre Bekleidung oder ruhten sich aus.

 

Für die Hexenrittläufer war der Lauf hier zu Ende. Sie erhielten direkt von uns eine Medaille und eine Urkunde. Auf dem Bild ehrt Ines den Sieger Franz Hinterramskogler.

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Es versammelten sich aber nicht nur glückliche Finisher. Ganz im Gegenteil war die Mehrheit unserer Gäste Läufer der langen Distanz, die hier etwa Halbzeit hatten, wobei die deutlich schwerere Hälfte noch vor ihnen lag. Die Hälfte der Läufer brachen den Lauf ja vorzeitig ab. Die meisten von ihnen schafften es zu Fuß, teilweise mit Abkürzungen oder mit dem Taxi bis zu uns und ließen dann ihren Frust ab. Morgens kam ein Bus der die Hexentanzläufer brachte und die Hexenrittläufer und Hexenstiegabbrecher zurück nach Osterode fuhr. War halt nur blöd, wenn der Ausstieg nicht geplant war und man nach der Dusche keine Wechselsachen und für Nacht weder Unterlage noch was zum Wärmen hatte.
Einige der Hexenstieg-Läufer hatten es zwar bis zu uns geschafft, kamen aber völlig ausgepumpt und mutlos an. Diese Leute galt es, in kürzester Zeit körperlich und seelisch wieder aufzubauen und voll motiviert in die eiskalte Nacht zu schicken.
Diese Szenerie ist kaum zu beschreiben und für Außenstehende sowieso nicht zu verstehen. Mein allergrößtes Kompliment geht an Ines, mit der ich mich supergut verstanden habe. Wir hatten den gleichen Ordnungssinn, benutzten das gleiche Vokabular zum Motivieren, wussten intuitiv, wann wir Leute belabern mussten und wann schweigen die bessere Option war. Es gab durchaus komplizierte Situationen, doch kam nie Stress auf.
Gegen 2 Uhr legte ich mich in meinen Schlafsack, denn ich wollte am nächsten Tag noch eine Runde laufen. Die meisten Leute waren zu dem Zeitpunkt durch, einige waren noch unterwegs, davon würden einige das Zeitlimit nicht mehr schaffen.
Morgens mussten wir dann aufräumen und alles wieder umbauen. Ich aß Kaffee, Schokolade, Salzstangen zum Frühstück, dann ging nach einem Foto der Lauf los.

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12 Leute versammelten sich zum Start des Hexentanzes, der einmalig kurios für mich begann. In gewisser Weise für die meisten verständlich ist wohl, dass meine Einstimmung auf den Lauf nicht besonders optimal war. Ich hatte meinen Rucksack bereits drei Tage vorher komplett gepackt und musste nur noch Wasser in die Trinkblase tun. Nach 10 Metern fiel mir auf, dass ich beim Startsignal zwar bei der Uhr auf „Start“ gedrückt, allerdings nicht den Track geladen hatte. Also schnell „Aktivität stoppen“, „Aktivität verwerfen“ geklickt, dann Navigation – Strecken - die Strecke THA-OHA 2017 auswählen - Track starten - Disziplin Laufen wählen - Starten klicken – die Uhr lief und zeigte den Track an. Es ging los! War wohl ein tolles Bild: alle laufen los, nur ich Experte klicke noch gefühlte Minuten an meiner Uhr und laufe allen hinterher. Kaum hatte ich den Anschluss geschafft, äußere ich die Frage, ob wir richtig seien, denn meine Uhr zeigte eine größere Abweichung. Rechts Wasser, links ein steiler Hang; blöde Frage eigentlich. „Ja, natürlich“ hörte ich von vorne. Meiner Uhr traue ich eh nicht so ganz und in einem Tal sind Abweichungen durchaus nichts Ungewöhnliches. Also weiter. Bei Kilometer 1 kamen wir auf eine Straße und völlig zweifelsfrei hätten wir eigentlich von links kommen müssen. So ein Mist! Für mich war die Sache sofort klar und rufe in die Gruppe, dass wir uns vertan haben und ich zurücklaufe. Erstaunlicherweise kam nur ein „macht-nichts“ zurück. Da ich eh mein eigenes Rennen laufen wollte, drehte ich alleine um und lief die 900 Meter zurück, denn wir hatten tatsächlich direkt hinter dem Start eine Abzweigung verpasst. Plötzlich war Mark Fietkau neben mir. Er gehört zum Team Meldeläufer und wollte mich unbedingt kennenlernen. Eine Minute später gesellte sich noch Thorsten Vincentine zu uns. Es sollte heute sein erster Ultra werden und da wollte er auf gar keinen Fall schon bei Kilometer 1 schummeln. So traten wir drei den Rückweg zurück zum Start an und fanden auf Anhieb den Aufstieg, der so klein und unübersehbar eigentlich gar nicht ist. Aber man findet nur, was man sucht – alte Pilzesammlerweisheit! Ich ging direkt, während die anderen beiden davontrabten. Gute Gelegenheit, sich der Handschuhe und Mütze zu entledigen. Nach ca 500m wartete Mark auf mich. Er hatte zwar ein Navigationsgerät, aber das war im Rucksack und er war froh, wenn er es nicht benutzen müsste. Nun gut, so liefen wir halt zusammen. Er war ein Ex-Top-Läufer und aktuell vermutet stärker als ich. Ich erklärte ihm meinen Plan, dass ich 16 Stunden laufen möchte; schneller kann ich nicht, langsamer will ich nicht; langsam laufen, berghoch gehen, bergrunter vorsichtig, wenige, kurze Pausen. So einfach war das geplant.

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Ich bin ja eigentlich nicht so der Typ, der im Wettkampf Fotos macht, aber hier an der Rappbodetalsperre mit der höchsten Staumauer Deutschlands mit über 100m, machte ich einmal eine Ausnahme. Ganz in der Nähe soll übrigens die weltweit längste Hängebrücke der Welt gebaut und vermutlich noch im Mai eröffnet werden.
Das Wetter war gigantisch super warm, wolkenlos und ermöglichte eine tolle Wahrnehmung der wunderschönen Gegend. Der Hexenstieg ist teilweise kinderwagengeeignet und daher verlässt der Track regelmäßig die breiten Wege, um uns Einsichten ins Unterholz zu ermöglichen. Prima Ideen hatte der Wegedesigner da gehabt. Wir lagen gut im Plan und kamen gut vorwärts. Die ersten 46 Kilometer bis Mandelholz waren recht einfach, doch nun sollte es anspruchsvoller werden. Dachte ich die nächsten 40 Kilometer zu kennen, so täuschte ich mich, denn Racedirector Michael Frenz hat die Strecke geändert und dadurch nicht unbedingt einfacher gemacht, sondern noch ein paar Höhenmeter und schmale Wege gefunden und eingebaut. Plötzlich trafen wir Thorsten wieder. Er war mit einem anderen Läufer, der bereits orthopädische Probleme hatte, wandernd unterwegs, schloss sich aber kurz entschlossen uns an.

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Mark und Thorsten bildeten mit mir eine tolle Laufgruppe. Gemeinsam legten wir etwa 60 Kilometer des Weges zurück.
Es war sehr kurzweilig und die Zeit verronn wie im Fluge – nur die Kilometer nicht. Wir kamen teilweise nur schleppend langsam vorwärts, da viele Steine, Matsch, Wurzeln einfach bösartig mitten auf dem Weg lagen. Gegen 20:45 erreichten wir den letzten großen Versorgungspunkt in Stankt Andreasberg. Guido Althausen betreute ihn in einer Ferienwohnung und freute sich auf uns. Wir aßen, tranken, bereiteten uns für die Nacht vor und waren auch schon wieder weg.

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Nach der romantischen Abendstimmung kam die Nacht. Die Nacht von Sonntag auf Montag war nicht kalt, aber windiger. Irgendwie musste ich doch mehr wandern, warten und frieren, als geplant und so hatte die ganze Tour dann doch wesentlich länger gedauert. Erst nach 19 Stunden gegen 5 Uhr in der Frühe kamen wir wieder in Osterode an. Da blieb dann nach dem Duschen noch eine Stunde Zeit zum Schlafen bis zum Frühstück. Naja, immerhin.
Ein großes Kompliment gebührt meinen Begleitern. Mark, der sich beherzt durch die ungeliebten Abschnitte kämpfte und Thorsten, der für seinem ersten Ultra sich wahrlich keine leichte Aufgabe ausgesucht hatte. Willkommen im Club der Abenteurer! Beide haben besonders in der Nacht Großartiges geleistet!

Text: Michael Irrgang, Fotos Michael Irrgang und Thorsten Vincentine, 2.5.2017