Laufgemeinschaft der Deutschen Ultramarathon-Vereinigung e.V.

MWL 07Es war schon ein recht mutige Ansage, als Zugläufer eine Gruppe auf die sichere Bucklezeit von 23:45 führen zu wollen, da es doch einige Unwägbarkeiten gibt und auch mein Trainingszustand eher Zweifel schürte. Im Vorfeld hatte ich mir genauestens einen Plan überlegt und veröffentlicht. Und damit eine riesige Diskussion ausgelöst. Wie läuft man eigentlich 100 Meilen? In welchem Tempo startet man? Wie viel Zeit für Pausen benötigt man an den VPs? Einen schlauen Plan zu entwerfen ist die eine, ihn umzusetzen die andere Seite der Medaille. Und ich brauche natürlich auch eine Gruppe, die mir folgt und die 23:45h auch drauf hat. Auf so einem Kurs einen minutiösen Zeitplan für eine unbekannte Gruppe anzubieten war schon eine interessante Idee ohne beispielhafte Vorbilder. So kam es, dass ich doch mit einer gewaltigen Portion Respekt vor der Aufgabe und ziemlich aufgeregt am Start stand.

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Kurz vor dem Start trafen sich einige LG Ultralaufläufer zu einem Foto: Alexander Lauterbach, Carsten Bölke, Dietmar Rosenau, ich, Norbert Künkel, Roland Kraus, Hans-Uwe Zietlow. Dahinter: Regina Künkel.

Es gab leider nur wenig Werbung für die Aktion und einen Ballon oder ähnliches hatte ich auch nicht. So war ich froh, dass wenigsten eine Handvoll Läufer mir sagten, dass sie gemeinsam mit mir laufen wollten. Allerdings gab es einige, die meinen Plan gelesen und für sich modifiziert hatten. Ich plante immer von VP (Versorgungspunkt) zu VP. Beim Verlassen kam eine Ansage wie: „Der nächste VP ist in 5 km, wir laufen in einem Tempo von 7:15 min/km und machen nach 1,5, 3 und 4,5 km eine einminütige Gehphase und erreichen dann in 45 min den nächsten VP.“ Eingerechnet in diese Zeit war auch je Teilstrecke eine Pausenzeit von 2 Minuten für Ampeln, Fotos, Durchlesen von Tafeln, Wegsuchen oder sonstige Gründe, um einmal kurz stehen zu bleiben. Am VP wollten wir dann anfangs zwei später drei, manchmal 5 und an den Dropbackstationen sogar 10 Minuten investieren, um gründlich die Energievorräte aufzufüllen. Auf meinem Zettel stand für die einzelnen Laufsegmente von VP zu VP immer das Bruttotempo, also ein Durchschnittswert aus Laufen, Gehen und Pausieren. Und meine schwierige Aufgabe bestand darin, einerseits eine geschickte Aufteilung zwischen Lauf- und Gehzeiten zu wählen und andererseits ein passend langsames Lauf- und Gehtempo anzuschlagen, um möglichst die Muskelermüdung so niedrig wie möglich zu halten und exakt die Ankunftszeit am nächsten VP einzuhalten. Aber ein Plan ist ein Plan und in der Praxis musste häufiger variiert werden, als man denkt. Denn es gab Steigungen, an denen immer gegangen wurde oder Kopfsteinpflasterpassagen oder Trailabschnitte, bei denen es die Verletzungsvermeidungsstrategie gebot, vorsichtig zu gehen. Manchmal standen wir länger an einer Ampel und dann lief manchmal die Laufzeit wieder von vorne. War ein bisschen Rechnerei, Tempogefühl und auch Glück, aber zur Verblüffung der Mitläufer passten die Zwischenzeiten an allen VPs beinahe perfekt. Die ersten VPs lagen dort, wo sie sollten; wir waren im geplanten Tempo unterwegs, nur gab es keinen Grund für eine Pause und so erreichten wir etwas zu früh die ersten VPs. Zack einen Becher rein und nun? Eigentlich waren hier zwei Minuten vorgesehen, aber hier Zeit wartend verstreichen zu lassen, machte ja keinen Sinn, also weiter - den Puffer werden wir später besser nutzen können.

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Zwischen VP1 und VP2 gab es die Stelle, wo an die an der Mauer bei einem Fluchtversuch getötete Dorit Schmiel gedacht wurde, die diesem Mauerweglauf beispielhaft für all die Mauertoten ein Gesicht und eine traurige Geschichte gibt. Mehrmals blieben wir an Erinnerungs-Tafeln stehen, lasen uns durch, wer hier sein Leben verlor und diskutierten darüber, wie tief die Verzweiflung wohl sein muss, dass man sein Leben für einen Fluchtversuch riskierte. Der Mauerweglauf ist einmalig. Wie der Ideengeber und langjährige Organisator Ronald Musil im Briefing erzählte, soll der Mauerweglauf Sport und Geschichte verbinden. Die Geschichte ist auf dem Weg, aber auch beim Briefing und der Siegerehrung so präsent, dass man sich als Teilnehmer dem nicht entziehen kann. Plötzlich war ein Laufsegment viel zu lang. Meine Uhr zeigte 500m mehr Strecke an als auf dem Hinweisschild des VPs angegeben. Hatten wir vorher vermeintlich einen kleinen, zeitlichen Vorsprung, so war er auf einen Schlag weg. Am Ende des Weges zeigte meine GPS-Uhr über 164 km an – von zwei kleineren Abweichungen abgesehen, an denen wir uns mehr von Berlin anschauten als vorgesehen, lag das wohl an GPS-Ungenauigkeiten oder der Weg war schlicht länger, als die angegebenen 161,7 km. Eine ganz wichtige Planungsgröße war die Distanz zwischen den VPs. Waren die VPs in der ersten Hälfte etwa da, wo ich sie erwartete, so war das auf der zweiten etwas ungenauer, da war schon einmal das eine Teilstück 500m länger, dafür ein anderes 400m kürzer – in Summe wurde die mit meiner Uhr gemessene Strecke im Vergleich zu den Angaben an den VPs immer größer. Das machte meine Aufgabe als Pacemaker nicht einfacher. Die Plan- und Ist-Zeiten kann man übrigens im Internet leider nicht immer vergleichen, da meist die Zeit beim Verlassen der Stationen genommen wurde, aber nicht immer.

Etwa nach 25 km löste sich ein Teil der Gruppe nach vorne. Sie hatten wohl mehr drauf und alle erreichten auch sehr gute Endzeiten. Einer von ihnen, Carsten, meinte zu dem gemeinsame Beginn: „Endlich einmal vernünftig langsam gestartet!“ Ein anderer Mitläufer, der auch Carsten hieß, hatte zwei Begleiter ohne Fahrrad, die sich am VP3, bzw. VP5 der Gruppe anschlossen. Außerdem waren noch Norbert und Alex sowie Lauf- und Radbegleiter bei der Gruppe. Gemeinsam liefen, wanderte, plauderten wir – die Zeit verging wie im Fluge.

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Unsere nette Gruppe für viele Stunden

Der Regen war meist schwächer, selten stärker, die Temperaturen waren läuferfreundlich – alles im grünen Bereich. Carsten verabschiedete sich unerwartet frühzeitig aus der Gruppe und musste das Rennen sogar später beenden. Am Dropbackpunkt in Sacrow bei km 71, verabschiedete sich auch Norbert aus der Gruppe, Alex wollte sich nur kurz umziehen und verschwand. Ich hatte meine Regenjacke, die Wasserflasche (Pflichtausrüstung), Lampe, Erste-Hilfe-Set (man weiß ja nie) in meinem Rucksack und hatte keine Dropbacks abgegeben. Dennoch macht so ein Wechsel zur Hälfte der Strecke Sinn, denn vom Regen waren insbesondere die Socken nass und können schnell Ursache für Blasen sein. Genau dafür hatten wir ja 10 Minuten Pause vorgesehen. Ich wartete und futterte die Theke leer, die übrigens bestens mit allerlei Leckereien ausgestattet war und wartete und wartete. Gefühlte 20 Minuten, tatsächlich waren es wohl um die 15 Minuten bis Alex wieder auftauchte. Na prima – 5 Minuten Rückstand, einfach so. Egal, er war aktuell mein einziger, verbliebener Mitläufer und so konnte ich viel Rücksicht auf ihn nehmen.

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Alex lief über 100 km mit mir zusammen. Wir verstanden uns prima.

Kurze Zeit später liefen wir auf Erich auf, der sich der Gruppe für ein paar Stunden anschloss. Mittlerweile waren wir im Überholmodus. Einige wanderten, andere liefen ein langsameres Tempo. Mit unserer Methode Laufen und Wandern kamen wir gefühlt flott voran. Mittlerweile hatten wir den Rhythmus umgestellt, und liefen 4 Minuten und wanderten dann geplant 1 Minute aus der dann doch meist 2 wurden.

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Wir nahmen uns durchaus Zeit für ein paar Fotos

Das Zeitgefühl war komplett abhanden gekommen. Es wurde Abend und ein paar derer, zu denen wir aufschlossen, schlossen sich der Gruppe an, so dass sie auf bis zu 8 Personen anwuchs. Unter ihnen Vereinskollege Jürgen, der recht zügig gestartet war, ein erstes Tief überwunden hatte und nun froh war, dass er sich einer Gruppe anschließen konnte, die ihn motivierte und mitzog. Ab Kilometer 130 wurde es schwer für mich. Mangelndes Training kann man halt nur begrenzt durch Erfahrung kompensieren. Meine Beine wurden schwerer und auch mental war eine Ermüdung leicht erkennbar, nicht mein Zeitgefühl war dahin. Wir hatten mittlerweile einen Rhythmus von 3,5 min laufen und 1,5 min wandern. Die Zeit hatte dabei zwei Geschwindigkeiten, während die 3,5 min ewig brauchten, um zu verstreichen, war die Wanderzeit mit einem Wimperschlag um. Dann gab es Stellen, wo meine Aufmerksamkeit litt: Waren da keine Pfeile mehr oder sehe ich sie nicht? Sind die Pfeile auf einmal alle weiß statt gelb? Die Konzentration sank, Rechnen fiel mir zunehmend schwerer. Dazu kam, dass die Entfernungen zwischen den VPs nicht stimmten und meine gelaufene Distanz mittlerweile eine Abweichung von über 2 km anzeigte. Treptow, Friedrichshain, Kreuzberg am frühen Morgen einer dunklen Nacht zeigte auch Berlin von einer dunklen Seite und trugen sicher nicht zur Erheiterung bei. Da die Markierung hier wahrscheinlich gut, aber für uns in unserem Zustand nicht so gut zu finden war, hatte ich auf meiner Uhr auf „Track anzeigen“ umgestellt; die Daten Laufzeit und verbleibende Distanz waren die wichtigsten Informationsquellen. Zum Rechnen war mein Kopf allerdings zu blutleer. Mein Tempogefühl beim Laufen klappte aber noch so einigermaßen und so kamen wir wie geplant weiter. In der Gruppe machte der Lauf aber dennoch viel Spaß.

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Diei Versorgungspunkte waren bestens ausgestattet und wurden von engagierten Helfern nett betreut.

Vermutlich war ich der einzige, der kräftemäßig am Limit war, aber man wollte gemeinsam bis zum Ziel zusammenbleiben. Das änderte sich aber ziemlich unerwartet. Am drittletzten VP meinte mein Magen, er müsse abgeben, was in den letzten Stunden zu viel gegessen wurde. Da nach so einer langen Wachphase nichts mehr schnell geht und meine Mitläufer etwas ungeduldig waren, kam ihnen plötzlich die Idee, ich hätte vom Dixi einen Hinterausgang gefunden und wäre bereits alleine weitergelaufen. Und weg waren sie. Jürgen, der eigentlich gar keinen Buckle brauchte, trottete eher widerwillig den davonsprintenden Gesellen hinterher. Als ich kurze Zeit später vom Dixi kam, war die Gruppe auf jeden Fall weg und ich alleine. Ich also hinterher und traf auch einige Zeit später Jürgen und eine kleine Gruppe, die ebenfalls fest den Buckle im Blick hatte. Der Buckle reichte mir aber nicht, denn ich wollte schon eine 23:45 als Zielzeit stehen haben und ich konnte die Gruppe motivieren, ab und zu zu laufen; damit sollte die 23:45 leicht machbar sein. Doch beim Bundestag haben wir eine Extrarunde zum Kanzleramt eingestreut, die uns etwa 5 Minuten kostete. Jetzt wurde es eng. Genau wegen solchen Szenarien kurz vor Schluss würde ich nie 23:59 planen, sondern immer einen Puffer mit ins Ziel nehmen. Aber gut, also noch weniger wandern und mehr laufen, passt schon. Nun musste Jürgen allerdings auch noch einmal das Dixi aufsuchen, 4,5 km laut Schild vor dem Ziel, 4,7 nach meinem Track. Nun gut, muss sein. Ich wartete eine halbe Ewigkeit und leerte aus Ungeduld die Haribos am VP. Endlich kam er befreit wieder und wir konnten zum Endspurt übergehen. Mit Mühe konnte ich Jürgen überzeugen, dass eine 23:47 besser als eine 23:48 ist und eine 23:5x gar nicht geht, was ihm persönlich eigentlich egal war. Als Kompromiss schlug er vor, ab und zu den „Sprint“ durch eine Gehphase zu unterbrechen. Schließlich überquerten wir nach 23:46:51 die Ziellinie! OK, eine Minute zu langsam, aber dennoch nahe dran an perfekt. Glücksgefühle und Stolz überwältigten mich. Ich konnte es kaum fassen, dass es geklappt hat.

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Auch wenn das Foto qualitativ nicht so gut ist, gehört es hierhin: Jürgen und ich waren beide so happy, als wir ins Ziel kamen. 

Der Lauf verlief tatsächlich sehr nahe am vorausgesagten Ablauf, die Steuerung war allerdings deutlich schwieriger als gedacht, insbesondere auf der zweiten Hälfte. Leichter als gedacht war hingegen die Führung der Gruppe, die völlig ohne jede Diskussionen jeden Wechsel und jedes Tempo mitmachte. Insgesamt hatte die Aktion viel Spaß gemacht. Ich war schon oft bei Marathons Zugläufer, aber dieses Mal war es schon eine ganz schwierige Aufgabe. Bei den Gesprächen am Rande der Siegerehrung gab es nicht nur viel Anerkennung, sondern auch die Ansagen, das nächste Mal sich der Gruppe anschließen zu wollen. Das nächste Mal? Das Magische des Ultralaufens ist doch die Singularität aller Rennen. Keine Ahnung, ob es zu einer Wiederholung kommt.

Aber der Mauerweglauf 2017 war auch ein Treffen vieler LG Ultralaufmitglieder.

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Patrick Hösl erreichte als schnellster Läufer aus der Gruppe den dritten Platz der Gesamtwertung.

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Von Müdigkeit keine Spur: Carsten Bölke und Alexander Lauterbach nach dem Lauf, vor der Siegerehrung.

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Jens Kruse mit seinem Radbegleiter.

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Ein Gruppenbild mit fast allen LG Ultralaufteilnehmern. Matthias Landwehr, Hans-Uwe Zietlow, Patrick Hösl, Norbert Künkel, Carsten Bölke, Alexander Lauterbach, Jens Kruse, Roland Kruass, Michael Irrgang, Christian Pflügler

Veranstaltungshomepage: Hier

Vorbericht: Taktik für 100 Meilen in 23:45h

Text und Fotos: Michael Irgang, 15.08.2017

 

BUFLogo2017 KleinAm 17.8. ist Meldeschluss für den BUF, das Bottroper Ultralauf Festival, welches am Wochenende 26./27. August stattfindet. Bitte bis zu diesem Termin anmelden und das Startgeld überweisen.

Nachmeldungen sind bis 1 Stunde vor dem Start vor Ort möglich.

Ort: Batenbrockpark in Bottrop

Wettbewerbe: Einzelstarter können 6h, 12h oder 24h laufen, Teams können mit maximal 4 Läufern 5h oder mit maximal 9 Läufern 24h laufen.

Strecke: Der Rundkurs ist 1.258m lang, beleuchtet, schnell, flach, schattig und vor allen Dingen sehr schön

Ablauf:

- Freitag 20 Uhr; Vortrag von Kirsten Althoff über ihren Lauf durch die Wüste in Namibia
- Samstag 9 Uhr; Startnummernausgabe, Frühstück
- Samstag 11:30 Uhr; Briefing 6h und 24h
- Samstag 12:00 Uhr; Start 6h und 24h
- Samstag 18:30 Uhr; Briefing 12h
- Samstag 19:00 Uhr; Start 12h
- Samstag 19:30 Uhr; Siegerehrung 6h - Sonntag 13:30 Uhr; Siegerehrung 24h

Wettkampf: Die Runden werden elektronisch gezählt und auf einem Bildschirm den Läufern angezeigt. Stündlich gibt es Zwischenergebnisse, ein Sprecher moderiert die Veranstaltung.

Versorgung: Alle Läufer – auch die Staffelteilnehmer – können sich während ihres Wettkampfes am Versorgungsstand bedienen. Ab Freitagabend werden in der Cafeteria Speisen und Getränke angeboten, unter anderem auch Frühstück, Nudeln am Samstagabend und Gegrilltes.

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An Preisen gibt es für die besten drei Läufer und Läuferinnen eines Wettbewerbes einen Pokal, für die drei Erstplatzierten ihrer Altersklasse einen Preis. Jeder Teilnehmer erhält bei der Siegerehrung eine Urkunde und eine Medaille. Bei den Staffeln gibt es je Wettbewerb einen Pokal für die Mannschaft. In den Kategorien (Männer, Frauen, Mixed) gibt es für alle Teammitglieder der ersten drei Mannschaften einen Preis. Alle Staffelteilnehmer erhalten eine Urkunde und eine Medaille. Für die medizinische Versorgung steht ein Sanitätsteam bereit.

Teilnehmer: Aktuell sind über 120 Einzelstarter gemeldet, darunter die Titelverteidiger, einige bekannte Namen, die sehr gute Leistungen erhoffen lassen und einige Starter aus dem benachbarten Ausland. Eine Vorschau wird nach Meldeschluss erstellt.

Viele weitere Informationen findet ihr auf der Veranstaltungsseite.

Text und Bilder (BUF 2016) Michael Irrgang, 10.8.2017

 

Erstmalig starte ich beim Mauerweglauf am 12.8.2017 den Versuch, als Zugläufer eine Gruppe auf eine Zielzeit von 23:45 zu führen. In diesem Text erläutere ich meine Taktik. Wer sich anschließen möchte, schließe sich einfach an.

100Meilen Logo der mauerweglaufVor einiger Zeit ist mir bereits die Idee gekommen, einmal als Zugläufer 100 Meilen in einer bestimmten Zeit zu laufen. Das Rennen vom ersten bis zum letzten Meter zu planen und minutiös umzusetzen. Man könnte im Vorfeld die Sekunden messen, die man zum Trinken, zum Flasche füllen, Garderobenwechsel und Toilettengang benötigt, man könnte ein Anfangs- und ein Endtempo planen und von einem linearen Tempoverfall ausgehen. Der Rest wäre Mathematik. Aber das klappt leider nicht. Insbesondere nicht in einer Gruppe. Läuft man allerdings nach Gefühl, ist es auch nicht gut. Viele laufen anfangs zu schnell und brechen in der zweiten Rennhälfte mehr als nötig ein.

Vielen Läufern sind Zugläufer eine riesige Hilfe, um bei einem Marathon ihr Potential auszuschöpfen. Zugläufer können das Tempo gut steuern und eine Renntaktik umsetzen, die sich massenhaft bewährt hat. Nur welche Taktik hat sich denn bei 100 Meilen bewährt? Zunächst gibt es zwei verschiedene Konzepte, eines für die Gut-Ausdauer-Trainierten. Die sollten an den VPs kurze Pause machen und möglichst gleichmäßig durchlaufen. Dem „Schlecht-Trainierten“ helfen systematische Erholungsphasen von Anfang an, im Idealfall kurze Gehpausen, zur Not retten später auch längere Aufenthalte an den Versorgungsstationen, um phasenweise laufen zu können. Meine Taktik wird ein Mittelweg sein, sich aber eher an die „Langsamläufer“ orientieren.

Beim Mauerweglauf hat eine Zeit unter 24h den Reiz, dass man hierfür nach amerikanischen Vorbild eine Gürtelschnalle bekommt. Daher habe ich mir die Zielzeit 23:45 Stunden ausgesucht, aber mit ein bisschen Fantasie kann man die Taktik auch auf andere Zielzeiten übertragen.

24h Stunden zu laufen muss auch Spaß machen. Die Idee ist, den Lauf zu genießen, mit offenen Augen entlang der ehemaligen Mauer zu laufen und sich durchaus ab und zu Zeit nehmen, um sich etwas anzuschauen, durchzulesen oder zu fotografieren. Im Idealfall unterfordern sich die Teilnehmern der Gruppe. Vermutlich reicht eine Marathonzeit im Bereich von 4:15 bis 4:30 Stunden, um in der Gruppe locker mitzulaufen und sich den Buckle zu holen.

Ein Plan muss möglichst einfach sein und plausibel. Daher beginne ich bei der Erstellung immer so, dass ich mir Prinzipien überlege und dann langsam die Gesamtzeit in immer kleinere Abschnitte runterbreche. Dann fasse ich die Details wieder zu einer mittleren Aggregationsstufe zusammen. Dieser Plan wird dann ausgedruckt, mitgenommen und möglichst eingehalten. Meine wichtigste Planungsgröße ist die Uhrzeit, bzw. Laufzeit, nach der ich jeden VP verlassen möchte. Eine weitere Regel ist, dass ich nach jedem VP erst einmal 1 Minute gehe. Das hat die Vorteile, dass die Verpflegung besser aufgenommen und einem das Wiederanlaufen erleichtert wird. Und wer am VP länger braucht, kann schnell wieder zur Gruppe aufschließen. Aber auch die normalen Gehabschnitte in der Länge von 15 bis 30 Sekunden möchte ich recht früh einstreuen, anfangs vielleicht alle 15 Minuten, später häufiger. Im Laufe des Rennens wird das Lauftempo etwas langsamer, andererseits häufen sich die Gehabschnitte, daher wird das Bruttotempo immer langsamer. Mit dem Bruttotempo steure ich das Tempo zwischen den VPs. Dennoch ist es gemäß Plan erforderlich, auch gegen Ende des Laufes noch wesentliche Teile zu laufen. Die Spalte Pause ist vorgesehen für Fotos, Sightseeing, Umziehen, Ampeln o.ä. Hier steckt eine gewisse Reserve drin. Aber es ist natürlich wichtig, dass man einigermaßen pünktlich am VP ankommt.

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Die große Planungs-Tabelle

Die Nettolaufzeit ist also etwa 20:45, dazu kommen etwa 1 Stunde „Lauf-Pausen“ und 2 Stunden „VP-Pausen“. Hier ist lediglich bei den größeren VPs, die ja Dropbackstations sind, etwas mehr Zeit eingeplant, ansonsten sind 3 Minuten nicht viel. Das reicht allerdings zum Flasche auffüllen, etwas essen und trinken und ein wenig Smalltalk. Als leistungsorientierter Läufer würde ich versuchen, hier mit 30 Minuten in Summe auszukommen. Viele der 24h-Läufer brauchen allerdings ab und zu eine Pause, in der man sitzt und beispielsweise eine Portion Nudeln isst. Ich selbst werde vermutlich weder einen Dropbag abgeben noch größere Mahlzeiten zu mir nehmen, aber ich muss mich bei diesem Plan ja an die Bedürfnisse der Gruppenmitglieder orientieren.

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Der Plan zum Mitnehmen

Diese Tabelle nehme ich mit. Sie bietet mir alle Informationen, die ich brauche. Zur Interpretation erkläre ich einmal den Weg vom VP 5 zu VP 6. Der VP 5 wird ungefähr um 9:54 Uhr verlassen. Dann haben wir 4 km bis zum nächsten VP vor uns, für die ich genau 31 Minuten Laufzeit berechnet habe. Das entspricht einem durchschnittlichen Tempo von 7:45 min je km. Das heißt allerdings nicht, dass wir sooooo langsam laufen, sondern es schließt auch ein, dass wir zwischendurch gehen oder ein Foto machen oder vor einer roten Ampel warten. Am VP 6 bleiben wir dann bis 10:35 Uhr bevor wir zur nächsten Etappe aufbrechen.

Für wen ist die Zugläufer-Gruppe sinnvoll? Natürlich für alle, die in Begleitung die 24h-Schallmauer durchbrechen wollen, insbesondere für die, die noch nicht viel eigene Erfahrung haben. Es gibt sicherlich auch welche, die zunächst einmal 34 km bis zum VP 6 mit der Gruppe starten und dann aber ohne lange Pause weiterlaufen und eine Zielzeit von 20 Stunden schaffen. Auf der anderen Seite gibt es vielleicht welche, die die ersten 100 km alleine laufen, sich aber über die Nacht der Gruppe anschließen. Vermutlich werden viele, von denen, die wir im letzten Renndrittel überholen, versuchen, sich der Gruppe anzuschließen und dann gibt es vielleicht auch welche, die ebenfalls knapp unter 24h laufen wollen, aber bewusst nicht in der Gruppe laufen wollen. Die laufen üblicherweise mal 100m vor der Gruppe und mal 100m dahinter - dennoch dient die Gruppe immer der Orientierung.

Ich bin schon sehr gespannt, wie sich die Gruppendynamik entwickeln wird. Das Ganze ist ein Experiment, ein erstmaliger Versuch, über eine so lange Distanz eine geplante Taktik mit einer unbekannten Gruppe umzusetzen. Wichtig ist, dass der Plan kein Dogma ist, sondern nur eine Orientierung. Wenn erforderlich, werden wir aus Rücksicht auf Gruppenmitglieder aufeinander warten. Wir werden niemanden unterwegs vergessen oder bei gesundheitlichen Problemen alleine zurücklassen, sondern mindestens bis zum nächsten VP begleiten. Wird es überhaupt eine Gruppe geben? Nach meiner Beobachtung starten die Läufer, die 24h anstreben alle schneller. Möglicherweise werde ich daher auch ganz am Ende des Feldes alleine starten. Wird es ein „Wir-Gefühl“ geben, ein Kern, der die ganze Zeit zusammenbleibt? Wie wird die Gruppe mit Krisen umgehen?

Es wird spannend, ich freue mich auf das Ereignis und würde mich freuen, wenn sich viele mir anschließen würden, im Vertrauen, dass der Plan gut ist. Spannend ist ja auch, dass der Lauf im Internet live verfolgt werden kann, da an den meisten Checkpoints Zeiten elektronisch erfasst und direkt ins Internet gestellt werden. So kann jedermann verfolgen, wie gut ich es schaffe, meinen Plan einzuhalten.

Logo: Veranstalter, Text und Tabellen: Michael Irrgang, 8.8.2017

 

Am 17.8. ist Meldeschluss für das Laufevent „Bottroper Ultralauffestival“, welches am letzten Augustwochenende stattfindet. Warum ihr unbedingt eure Freunde aktivieren und euch als Staffel anmelden sollt, sei in diesem Beitrag beschrieben.

IMG 5245Neben den Wettbewerben für Einzelläufer gibt es die Möglichkeit, mit einer Staffel an der Veranstaltung teilzunehmen. Ihr könnt mit einer Vierermannschaft euch die 6 Stunden teilen und mit bis zu 9 Läuferinnen und Läufer die gesamten 24 Stunden. Die Laufrunde ist etwa 1,2 km lang und ein Team kann jede Runde wechseln, so dass wirklich alle interessierten, laufbegeisterten Läufer und Läuferinnen teilnehmen können.

Der Staffelwettbewerb ist ein Einstiegswettbewerb in den Ultralauf, bei dem die Teilnehmer die typisch entspannte Ultralaufatomsphäre gnießen können und den Einzelwettbewerb aus nächster Nähe beobachten können. Und wer weiß, der ein oder andere Staffelteilnehmer wird vielleicht im nächsten Jahr schon die 6 oder 24 Stunden alleine laufen wollen.

Für die besten 3 Teams im 6h- und 24h-Staffelwettbewerb gibt es Pokale zu gewinnen. Wir haben drei Wertungen (Männer, Frauen, Mixed) und für alle Staffelteilnehmer, die mit ihren Teams einen der ersten drei Plätze ihrer Kategorie erzielen, gibt es eine besondere „schmackhafte Medaille“. Eine weitere Erinnerungs-Medaille bekommen alle Staffelteilnehmer geschenkt, die zur Siegerehrung noch anwesend sind, da wir größten Respekt vor allen Leistungen aller Teilnehmer haben.

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Alle Staffelteilnehmer bekommen am Samstagabend ein Nudelgericht und können sich am Versorgungsstand der Läufer während des Rennens an Speisen und Getränken bedienen.

Aber der wichtigste Grund, warum man mit seinen Lauffreundinnen und -freunden unbedingt mit einer Staffel teilnehmen sollte, ist ein anderer: Es macht einfach Spaß! 1,2 km schnell zu laufen ist für viele ungewohnt, aber gar nicht so schwer. Bei einer 4er Staffel ist die Pause zwischen den Einsätzen bei einem stetigen Wechsel recht kurz und so wird eine 6h-Staffelteilnahme auch zu einer sportlichen Herausforderung. Der Streckenrekord steht aktuell bei 78,7 km, dürfte dieses Jahr allerdings gleich mehrfach überboten werden. Bei der 24-Stundenstaffel kann sich das Team aus maximal 9 Leuten zusammensetzen. Hier spielen noch mehr taktische Elemente eine Rolle, um das bestmögliche Mannschaftsergebnis zu erzielen.

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Die Namen der Staffelteilnehmer muss man erst bei der Startnummernausgabe angeben, dann wird auch die Kategorie final festgelegt.

Der Anmeldeschluss ist der 17.8.2017, allerdings ist auch noch eine Nachmeldung am Veranstaltungstag möglich. Wir würden uns über viele Staffeln und spannende Wettbewerbe freuen. Wir sehen uns dann am 26. August in Bottrop zum Staffelwettbewerb oder noch besser: Bereits am 25. August zum Vortrag von Kirsten Althoff über ihren Mehrtageslauf durch die Wüste in Namibia. Weitere Infos findet ihr auf der Homepage.

Text und Bilder: Michael Irrgang, die Bilder zeigen Bilder des Staffelwettbewerbes 2016; 6.8.2017

Finale - Etappe 19 von Garmisch-Partenkirchen zur Zugspitze (Sonnalpin)

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Vorab ein paar Vorworte zu dieser Etappe, die uns zur Zugspitze führen sollte. Es gab sehr unterschiedliche Meinungen und Varianten (z.T. wetterabhängig), wie diese letzte Etappe aussehen, vor allem enden könnte. Dies alles kam beim letzten, sehr emotionalen Briefing zur Aussprache. Die Wetterprognose war sehr günstig und die Bergwacht gab "grünes Licht" - so wäre ein Aufstieg bis ganz oben, zum "Münchener Haus" theoretisch möglich gewesen. So plante der Veranstalter auch die Zeitnahme und das Finish des DLL dorthin zu verlegen. Er hatte aber die Rechnung erstmal ohne die Läufer gemacht! Viele waren sehr angeschlagen und konnten sich nicht vorstellen, die letzten 400 HM (entspricht ca 1:10 - 1:40Std) von Sonnalpin bis zur Münchner Hütte, zu gehen, kraxeln, wie auch immer zurückzulegen. Dieses Stück ist sehr, sehr gefährlich und das Risiko für einige entkräftete Läufer wäre entsprechend groß, dass da noch etwas passiert. Der Kompromiss auf den man sich dann geeinigt hatte lautete: Endzeitnahme und Finish ist am Sonnalpin (Seilbahnentfernung 3-4min zur Zugspitze, die z.Z. auch eine Großbaustelle ist). Das bedeutet ca 2.200HM von Garmisch, Start Kongresszentrum und 25KM (z.T. alpines Bergwandern). Auch das musste erst einmal zurückgelegt werden! Dann kann jeder auf eigene Verantwortung das letzte Stück hochklettern (ohne Zeitnahme), um dann mit der Bahn wieder zurück zu fahren! Schließlich kamen alle heil und gesund am Sonnalpin an, nur einige nahmen die Zusatzstrapazen des Aufstieges nach ganz oben in Kauf - zumal weder der Weg besonders interessant war, noch die Baustelle da oben besonders reizvoll war, wurde von den Dagewesenen so berichtet.

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Der Startpunkt war an unserer Übernachtungshalle im Kongresszentrum in Garmisch, es durfte von 5-8 Uhr stündlich, nach Eigeneinschätzung gestartet werden. Die meisten Läufer befürchteten Zeit- bzw Hitzeprobleme und starteten gerne um 5Uhr. Auch Stefan Daum, gestern heftige Magen- und Verdauungsprobleme, selbst ein Abendessen brachte er nicht runter, machte sich fertig. Ich hätte fast verschlafen, da mich der Aufbruchslärm kaum weckte. So musste es schnell gehen und es reichte nimmer zum Frühstück. Ich fragte Stefan, wie es ihm geht und ob er sich das unter diesen Umständen zutraut. Er wollte es versuchen. Immerhin hatte er die Nacht über mehrere Bananen gegessen und sie hatten ihm gutgetan.

Karl Rohwedder, der Pechvogel, konnte nach dem Aus gestern auch heute nicht wieder antreten, was ich extrem bedauerlich finde, ich kann das sehr gut nachempfinden mit meinen vier Tagen DLL-Ausstieg.

Wir starteten also in der Dunkelheit und liefen, eher gingen und wanderten zur Partnachklamm, bis dahin dämmerte es noch, aber dort war es eh sehr lichtarm, deshalb war in unserer Pflichtausrüstung u.a. Kopf- bzw Taschenlampe enthalten. Ein beeindruckendes Teilstück war diese Klamm, durch die enge Schlucht stürzt das Wasser heftig hindurch und wir gingen in einem schmalen, deckenniedrigen Art von Tunnel, in dem immer wieder die Gischt der Partnach hineinspritzt. Bis zu deren Beginn hatten wir unsere gewohnten Wegmarkierungen (rosa Pfeile mit Sprühkreide), dann mussten wir uns auf die mitgegebene Beschreibung und Ausschilderung verlassen. Das ging leider ziemlich schnell schief, ein Läufer, der von sich sagte: Ich kenne mich hier gut aus, stürmte voran und die anderen folgen "fast blind" - nach über 20min erreichten wir eine Weggabelung, die in beiden Richtungen nicht stimmen konnte. Ein zufällig vorbeifahrender Passant erklärte, wir müssen zurück, doch es gab viele Zweifler, die glaubten der GPS-Track wäre sehr nah dran. Doch letztendlich kehrten alle wieder um und es ging fast bis zum Ende der Klamm zurück, um dort die richtige Wegweisung zu nehmen - das bedeutete ca 40min Mehrzeit, sowie Kräfte, die wir da vergeudet hatten und Ärger. Von hier aus verkündete ein Wegweiser eine 8 std Wanderzeit bis zum Sonnalpin, ich hegte die Hoffnung doch schneller zu sein. Nun denke ich mir, dass man das jetzt auch nicht mehr ändern kann. Der weitere Weg bot keine großen Navigationsprobleme mehr. Doch es wurde zunehmend immer anspruchsvoller und anstrengender, was auch so zu erwarten war. Bis zum Reintaler Hof war alles noch gut machbar, auch die Hitze behelligte uns noch nicht. Es wurde beschwerlicher, doch entlang der Partnach war immer etwas kühlende Frische und so ließen die Meisten auch die Bockhütte und anschließend die Reintalangerhütte links liegen, die Getränkevorräte und Kräfte reichten noch. Bei KM19 endet die Bewaldungsgrenze, entsprechend mehr sind wir der Sonneneinstrahlung ausgesetzt und es beginnt der Felssteig zur Knorrhütte. Spätestens jetzt war für viele "schluss mit lustig". Die Kräftereserven schwanden und die absolut andere Körperbelastung zum Laufen auf halbwegs ebenen Straßen und Wegen machte uns zu schaffen. Einige entgegenkommende Wanderer machten uns bereitwillig Platz - den "verrückten Wanderern mit Start-Nummern" wie ich mehrmals zu hören bekam. Bis kurz vor dem Erreichen war sie kaum zu sehen, dann plötzlich war sie da - endlich die Knorrhütte (liegt auf 2.060HM), heiß ersehnt. Die Wasservorräte wurden aufgefüllt und fast alle gönnten sich eine kurze Pause. Ich aß eine Suppe mit Würstel und gönnte mir ein alkoholfreies Bier.

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Dann ging es weiter, ein Wanderschild verkündete, nun nur noch 2 Std zum Sonnalpin. Ich lag gut in der Zeit, da ich für den zurückgelegten Weg ab Ende Partnachklamm bis hierher bestenfalls 3,5 Stunden gebraucht hatte, könnte also gut sein, dass ich in 1,5Std bereits auf dem Sonnalpin im Ziel bin. Doch galt es, sich erst einmal weiter auf den schweren Weg zu konzentrieren und die Kräfte einzuteilen. Es ging nun fast schneller als erwartet, nach nicht mal 1:20 Stunden entdeckte ich Sonnalpin, noch etwas entfernt. Das setzte Kräfte frei und nach weiteren Felspassagen und ein kleines Schneefeld begrüßte mich schon Oliver Witzke ein paar hundert Meter vor dem Ziel, auch die waren schnell überwunden und mein Ziel, an der Zugspitze anzukommen, war erreicht. Auch wenn es nun für mich kein kompletter Deutschlandlauf-Finish war, da mir vier Tage Laufen verletzungsbedingt fehlen - ein großer Wehrmutstropfen, aber auch nicht mehr, denn der Wiedereinstieg mit den vielen tollen Ergebnissen und Eindrücken von der Strecke, das war mir wichtiger. Die Motivation, ich konnte mich "durchbeißen" und die mentale Stärke lassen auch mich stolz sein. Mit dem Zielbanner wurde ich begrüßt und gefeiert, ein Becher Sekt gehörte auch dazu - welch "Himmelsgefühl" - es jubilierte in mir und ich konnte es kaum fassen, doch ca 1.000KM (statt der ca 1.300KM) des DLL gut überstanden zu haben.

Ich ersparte mir den "freiwilligen Restweg" zum Münchener Haus, als ich viele Wanderer, wie Ameisen gleich, in der Entfernung durch das kommende Geröllfeld wandern sah und die Aussicht eine Baustelle am Münchner Haus zu erreichen (so wird es mir von Seilbahnfahrern und Hochwanderern berichtet), förderte nicht den Willen, meine Kräfte noch zu mobilisieren, die dazu sicherlich noch gereicht hätten.

Ich gönnte mir ein kleines Essen und fuhr anschließend mit der Bahn nach Garmisch zurück. Ich duschte und bereite mich für das Abendessen und die anschließende Siegerehrung vor. Nebenbei packte ich bereits, da ich keine Übernachtung mehr blieb, denn ich nutzte die Mitfahrgelegenheit mit Robert Wimmer, der nach der Feier sofort abgeholt wurde.

T19 6Das Abendessen war schon sehr ausgelassen und entspannt. Kein Wunder es folgte kein Briefing für den Folgetag - eine Siegerfeier stand an.

Es begann mit vielen Dankesworten für die vielen Helfern und Organisatoren, Oliver Witzke bekam im Namen der Teilnehmer eine Torte überreicht. Dann wurden alle Komplettfinisher des DLL der Reihe nach geehrt vom Zeitletzten (mit einer roten Laterne) bis zum Ersten. Sie bekam eine Medaille und einen Pokal überreicht, dazu ein paar Worte von Oliver. Darunter unsere LG Ultralauf - Teilnehmer: Konrad Vogl, Stefan Daum und Holger Hedelt! Sie alle haben alle Etappen komplett gefinisht. Doch auch Karl Rohwedder (Ihm fehlen die letzten beiden Etappen) und ich (mir fehlen Etappe 5-8), bekamen unseren Pokal und Medaille.

Dann musste es für mich schnell gehen. Es reichte leider nicht mehr für ein gemeinsames LG Ultralauf - Foto (wie geplant). Der Fahrdienst von Robert Wimmer wollte sofort los und ich konnte ihn nicht das überreden, etwas zu warten, deshalb ein etwas überstürzter Aufbruch und unvollständige Verabschiedung. Doch ich bin ja froh, noch nach Hause zu kommen, gegen 2:30Uhr hat mich mein Zuhause wieder ..... SCHLAFEN,SCHLAFEN .... und nicht laufen!!!

Text und Fotos: Roland Krauss, 3.8.2017

Link zum Deutschlandlauf Blog: Deutschlandlauf-Blog

 

Ein Wort von mir, der ich immer die Berichte online gestellt habe.

Ich möchte und muss Roland einmal ganz unbedingt allergrößten Dank aussprechen! Dafür, dass er neben den anstrengenden Tagen sich immer noch die Zeit genommen hat, uns mit seinen Berichten an dieser einmaligen Veranstaltung hat teilhaben lassen. Oft hat er mir mitten in der Nacht die Berichte geschickt, obwohl bei ihm zu unchristlicher Zeit wieder der Wecker klingelte und ihm die fehlende Regeneration vielleicht sogar das Finish gekostet hat.

Was Roland, die anderen Läufer, die Helfer und auch Oliver Witzke geleistet haben, ist unglaublich. Wir konnten dank der Berichte ein wenig dabei sein und mitfühlen. Man kann es aus der Distanz allerdings kaum ermessen - man muss schon dabeigewesen sein.

Den Wunsch nach Ausschlafen und Erholen kann ich aber auch so sehr gut nachvollziehen. Sei dir gegönnt. Auch eine Laufpause sei dir gegönnt und sogar empfohlen, aber da ist ja in wenigen Tagen wieder der Mauerweglauf. Und der hat dir ja letztes Jahr so gut gefallen ... Boahhh, na gut - wir sehen uns. 

Die Berichte von Roland wurden übrigens meist von 800 bis 1000 Personen gelesen, was für unsere Internetseite extrem gute Werte sind. Vielen Dank auch für das zahlreiche Interesse. Über den Blog sind alle Tagesergebnisse verlinkt.