Laufgemeinschaft der Deutschen Ultramarathon-Vereinigung e.V.

London2Seit einigen Jahre Tradition laufe ich im Frühjahr einen großen Marathon. Nach Rom, Rotterdam, Barcelona und Sevilla nun also – vielleicht als Krönung - LONDON.
Das Training lief ganz gut vorher. Beim Test-Halbmarathon waren es 1:26:09, also konnte ich hochgerechnet mit einer Marathonzeit von 3:02 rechnen!
Deutlich mehr Zeit brauchte unsere Stadtrundfahrt einen Tag vor dem Rennen, vorbei an allen Sehenswürdigkeiten mit Fotostopps und launigen Erklärungen einer Engländerin. Das gehört auch fast schon zum Ritual, denn beim Lauf selbst sehe ich von der Umgebung nicht viel. Und bei so einer Rundfahrt schont man auch die Beine. Wenn die Queen den Buckinghampalast hasst, wie zu hören war, dann hasse ich die Marathonmessen, durch die man aber hindurch muss um an seine Startunterlagen zu kommen. Endlich war auch das erledigt und am nächsten Morgen konnte das Abenteuer beginnen, denn ein solches ist es immer noch, auch beim x-ten Mal.
London0„Start“ für die Busse am Hotel war 7 Uhr, also drei Stunden vor Rennstart draußen am Stadtrand. Wegen der Pietät der Engländer gab es große Umkleidezelte, für uns vor allem eine gute Möglichkeit, sich warm zu halten, denn es war kühl, was aber für einen Marathon ja positiv ist!
Knapp 40.000 Starter sollten es sein, aber es gab keinerlei Gedränge, jedenfalls nicht in meinem blauen Startareal, in dem sich übrigens auch die Topstars befanden.
Noch eine Bemerkung am Rande: in London gab es die bisher beste Toilettenorganisation, die ich je erlebte! Ja, auch nicht unwichtig!
Irgendwie verging dann auch die Wartezeit und ab ging es in den Startblock B2. Diese Situation liebe ich – inmitten vieler Marathonis aus vielen Ländern; das Gefühl ist kaum zu beschreiben, eine Mischung aus Vorfreude, Gemeinsamkeit, Respekt, Aufregung, Entschlossenheit …
10 Uhr Start! Erst am Abend in der einstündigen Fernsehzusammenfassung habe ich gesehen, dass er von Prinz William und Kate sowie Prinz Harry gegeben wurde!
Gleich nach dem Startbogen bejubelte uns ein dichtes Spalier und sorgte dafür, gut ins Rennen zu kommen.
Wegen meines Vorergebnisses wollte ich mutig sein und mich am 3-Stunden-Pacemaker orientieren. Das klappte zunächst ganz gut, wenngleich meine Uhr der Meinung war, dass wir einige Sekunden zu schnell waren. Aber es lief sich locker am Ende des Pulks um den Mann mit der Fahne. Zeitweise war es recht eng auf der Straße, aber alles gut laufbar, wenn man immer schön auf die Verkehrshindernisse in der Mitte der Fahrbahn achtete.
Zuschauer in Massen; teils sehr laut, ab und zu Musik, was mich mehr inspiriert als anonymer Jubel. Da ist ein einsamer Germany-Ruf – wegen meines Shirts - anfeuernder!

London3Erste große Stimmungshöhepunkt die Schiffsumrundung in Greenwich.
Nach Meile 11 hatte sich der Fotoposten mit Fangruppe von Inter Air angesagt, unsere Blicke fanden sich rechtzeitig, ich hoffe also auf ein schönes Jubelfoto, so etwas beflügelt.


Nächstes Highlight kurz vor HM die Tower Bridge – die zu überlaufen ist ein wirklich tolles Gefühl!!!
Bei der Halbmarathonmarke war ich in 1:29 - also immer noch sehr gut im Rennen. Auf dem Teil der Strecke gab es eine Gegenpassage, wo ich die ersten Frauen kommen sah, die ja früher gestartet waren, immerhin kann ich so jetzt sagen, ich war in einem Weltrekordrennen, denn die Siegerin lief ja 2:17:01! Wow!
Um die schnellsten Männer dort zusehen war ich zu schnell – welch ein Vergleich – das Glück hatten wohl die 3:30-Läufer, jedenfalls nach der Prognose von Uli von Inter Air.
Wasser und Iso gab es an der Strecke sehr oft, so dass nie großes Gedränge entstand, beides aus Plasteflaschen, praktisch für den Läufer, aber doch eine große Verschwendung und Umweltsünde!
Inzwischen war mir der Pace-Maker etwas aus den Augen geraten, aber ich lief einfach meinen Stiefel weiter, ist ja ohnehin das, was ich am besten kann. Doch plötzlich bei Km 35 war ich wieder dran – und dann war er doch zu schnell. Die letzten Kilometer sind immer hart, das weiß jeder Marathoni. Da hilft selbst der Blick voraus zum Big Ben wenig. Dann, mit Blick auf den bei Elizabeth so unbeliebten Buckingham Palace, die letzte Kurve und der Ziel-„Spurt“ – Bruttozeit im Blick, knapp unter 3:01!

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Kein großer Gefühlausbruch – zu oft schon erlebt, stille Freude mit der Medaille um den Hals.
Inzwischen war die Sonne ganz gut dabei und strahlte über erfolgreiche Läufer im Ziel, die ersten Analysen austauschten und Freude oder auch Enttäuschung teilten. Das erste Bier danach schmeckte besonders, selbst aus der Büchse. Und ein Foto mit den zweifachen London-Gewinnerin Irina Mikitenko wird eine schöne Erinnerung bleiben.
Einen großen Moment der Freude gab es dann am Abend bei der Afterraceparty – da wurde verkündet, dass ich meine Altersklasse M65 gewonnen hatte! Das entlockte mir dann doch einen Jubelruf!
Altersklassensieg in London in netto 3:00:32! Läuferherz was willst Du mehr? London war ein Erlebnis, toll organisiert, doch andererseits auch nur ein Marathon – und jetzt freue ich mich auf den Rennsteig und das weitere Ultrajahr!

Text: Hans-Dieter Jancker, Bilder: Veranstalter (3), Michael Irrgang (1. Das Portrait von Hans-Dieter aus Münster), 27.4.2017

Kaum zu glauben, schon die 13.Auflage dieses Bleilochlaufs und ich war zum dritten Male dabei. Zeitig im Frühjahr und deshalb natürlich „sehr wetteranfällig“. Ich hatte nun das 2.Mal einen nassen Lauf dort erlebt, meiner Begeisterung für diese Strecke tut das keinen Abbruch. Das spricht sich in der Szene rum und die Teilnehmerzahlen steigen jährlich – es wird der Light (mit 12km), der Classic (mit 24km) und natürlich der Ultra (mit 48km) angeboten – das ist mein Lauf. Nur nicht täuschen lassen, ein Lauf (mehr oder weniger) um den See lässt oft auf flaches Geläuf hoffen. Das trifft hier keinesfalls zu, es sind hier 1.150 Höhenmeter zu bewältigen – das bedeutet hier, dass es kaum längere ebene KM gibt und wenn doch, dann sind diese Wege sehr schmal, direkt am Abgrund zum See, übersäht mit Wurzeln und Steinen. Das Ganze garniert mit der Nässe, die von oben kommt, ergibt eine mitunter gefährliche Mischung.

Bleilochsee 3

Doch zuerst zur Anreise – die Entfernung zum Bleilochsee machte es mir halbwegs leicht – knapp 200km von meiner Garage weg, bei einer Startzeit um 9Uhr, ließ sich als Kurztrip gut planen – Start um 6 Uhr, Ankunft um 7:45Uhr, alles glatt gelaufen. Doch ab Bayreuth hatte es zu regnen begonnen, zuerst nur kleine Intervalle, dann eher dauerhaft.

Der Bleilochsee liegt kurz hinter der früheren Landesgrenze zu den neuen Bundesländern, die A9 entlang, Ausfahrt Schleiz, dann ist man auch bald da und kommt glücklicherweise von der Seite, wo die Brücke nicht gesperrt war – die Laufstrecke ging nachher über diese Brücke bzw darunter, denn der Fußweg unterhalb der Straße war laufbar – das werden wir bald erfahren.

Bleilochsee 4

Die Bleilochtalsperre ist der größte Stausee Deutschlands mit einem Fassungsvolumen von 215 Mio m³, wurde bereits 1926-1932 erbaut und wird von einer Staumauer mit 65m Höhe und 205m Länge begrenzt. Der Name entstand durch die Bergbauvergangenheit, hier wurde also eifrig nach Blei gebuddelt. Spätestens nach der Wiedervereinigung entstand hier relativ bald ein Naherholungsgebiet und Touristenmagnet, vor allem für Wassersportler. So wundert es nicht, dass unsere Anlaufstelle das Seesport und Erlebnispädagogische Zentrum Kloster (SEZ) war – ganz nah am See. Dort war die Startunterlagenausgabe, Start, Zielverpflegung und Duschen. Auf der Wiese nebenan wurde geparkt und in wenigen Minuten hatte man alles, was der Läufer zum Start braucht.

Meine Blicke suchten nach bekannten Gesichtern, die ich schon in der Startliste entdeckt hatte. Udo Pitsch vom TG Viktoria Augsburg (ich freue mich jedes Mal mit ihm zu starten), nebst seiner Vereinskameradin Sybille Mai – weiterhin Frank Burger, diesmal ohne seinen Zwillingsbruder Rüdiger, der heute mal keine Zeit hatte. Beim Warmlaufen entdeckte ich Daniela Oemus – sie hatte im letzten Jahr die Gesamtkonkurrenz düpiert und alle Männer hinter sich gelassen. Dieses Kunststück sollte ihr heute, obwohl nur eineinhalb Minuten langsamer, nicht gelingen, sie wurde 4. der Gesamtwertung.

Zur Startaufstellung um 9 Uhr gab es ein paar launige Worte des Moderators, gestern sei die Strecke noch sehr gut zu laufen gewesen …. Na ja, bis auf ein paar Matschstellen – dann ein paar entschuldigende Worte zum Wetter und ein ironisches: „Nun aber mal los – bevor es noch aufhört zu regnen“ ….. Ultras sind „Galgenhumor“ gewöhnt, es gab nicht nur ein Schmunzeln, auch Applaus war zu vernehmen…..

Schon ging es auf die ersten, asphaltierten Kilometer u.a. unter der Brückenbaustelle hindurch. Auf dem provisorischen Fußweg war es nicht einfach zu laufen und der Baulärm war allgegenwärtig. Doch nach wenigen Minuten ging es auf Feld- und Waldwegen dem ersten Trailabschnitt entgegen. In der Ausschreibung stand: Es erwarten euch ca 2km Asphalt, 39km auf Wald- und Forstwegen, ein technischer 2km Trail und noch mal …. das wird (von mir) noch nicht verraten.

Ich hatte gegenüber vielen Neustartern den Vorteil, dass ich die Strecke kannte – das ist nicht nur ein psychologisches Plus!

Wieder mal war ich auf den ersten 10km überrascht, wie viele Mitläufer mich relativ locker überholten; bin ich so langsam unterwegs? Ich lief solange es nicht heftig hoch ging eine 5:30 Pace – den Umständen entsprechend (Wetter und Laufstrecke) war ich damit zufrieden. Also waren wohl doch mehr gute Läufer auf diesen Geheimtipp aufmerksam geworden … oder?

Die Höhenmeter – positiv und negativ, nahmen an Intensität zu – mich konnte das nicht überraschen, gut so! Es gibt richtig heftige KM, die knapp 100HM am Stück beinhalteten, dann dieser sogenannte „technische Trail“ – war wohl das, was das „Trailer-Herz“ höher schlagen lässt – das bedeutete für mich, stark vereinfacht: Pass auf, wohin Du trittst …. und verliere dabei nicht zuviel Zeit. Galt abwärts fast noch mehr, wie aufwärts. Dann ein sehr bekanntes Stück, da hatte ich mir etwas vorgenommen: Es ging ca 1,5km steil auf kleiner Asphaltstraße in Serpentinen mit zwei Kehren bergauf – ich weiß in der ersten Kehre ging es einige Meter eben, die man gut laufen und Schwung mitnehmen konnte für die nächste Steigung. Das war der entscheidende Vorteil auf diesem Teilstück – ich setzte meine Idee in die Praxis um – mit dem Anlauf überholte ich auf der weiteren Steigung 3 Läufer – das war der Knackpunkt. Von nun an überholten mich kaum noch Läufer, aber ich schnappte mir einen nach dem anderen.

An VPs ließ ich immer wieder mal einige zurück, die wohl einfach „überpaced“ hatten – so auch den Schloßberg zum VP hoch waren wieder ein paar Läufer am Ende! Zwei schnelle Getränke und weiter ging es – ich wusste, dass noch ein hartes Stück Arbeit zum letzten VP kommt, bis das Finale kommt, auf das ich wartete! Ich versuchte, keine Schwächephase zuzulassen bis zu diesem KM 42/43 – irgendwann entdeckte ich diesen letzten VP – HURRA, einen Becher Cola, einen KM ebenen Feldweg und dann ….

Bleilochlauf 1

Die letzten 4 bis 5 Kilometer lief man auf einem Radweg, der gut ausgebaut, geteert, quasi ständig leicht bergab ging – ja meine Erinnerung trügte nicht. Ich sammelte alle Körner, die ich glaubte noch zu haben und nun wurde einfach drauf los geballert – was war noch drin? Die Uhr zeigte einen beendeten KM an – 5:08, das konnte es noch nicht gewesen sein; die nächsten KM: 4:55; 4:48 und 4:51 - das machte Laune! Ein Läufer vor mir kam immer näher – ich konnte ihn wohl noch kriegen, kannte ich Ihn vielleicht? Nein, ein recht junger Läufer war das, ich machte ihn wohl nervös; er schien seinen Vorsprung gefährdet zu sehen – Recht hatte er …. Ich entschied mich aber, ihm seinen hart erkämpften Vorsprung zu lassen und zügelte mich. Und doch: Auf dem Weg zur Ziellinie erst merkte ich, das das schnellster Bleilochlauf-Ultra werden sollte, der erste unter 4:30 Std, knapp aber dennoch!

Auch der vor mir ins Ziel kam, Frank Ziehm, noch nicht mal 30Jahre alt, blieb bei seinem Ultra-Debütunter unter dieser Schwelle – immerhin ist er zuvor schon einige Marathons gelaufen. Er freute sich so sehr darüber, da war ich wirklich froh, dass ich ihm den Vortritt gelassen hatte. Das fühlte sich besser an als umgekehrt – gut so! Wir unterhielten uns noch ein wenig, genossen die Nudeln mit Gemüse und Tomatensauce sowie ein leckeres Bier. Nachdem ich frisch geduscht und die späteren Finisher begrüßt hattee, holte ich mir noch meine Soforturkunde und stärkte mich an der reichhaltigen Kuchenauswahl. Es hatte zwar endlich zu regnen aufgehört, jedoch fegte der kalte Wind immer wieder unter dem großen Pavillion im Zielbereich durch. Da verkürzte ich meine Unterhaltungen mit Bekannten - man sieht sich bald wieder.

Bleilochlauf 2

Ich ging zum Auto und freute mich auf warme Luft aus der Heizung ..... und eine gemütliche Heimfahrt. Ich war bestimmt nicht zum letzten Mal beim Bleilochseelauf.

Ergebnisse:

Platz, Gesamt, Platz AK, Zeit, Nachname, Vorname, Akl, Verein

28, 2, 04:12:09, Burger, Frank, M55, Team Icehouse e.V.

57, 7, 04:29:51, Krauss, Roland, M55, LG Ultralauf / 100 Marathon Club

121, 2, 05:31:21, Pitsch, Udo, M60, TG Viktoria Augsburg

 

 

Text: Roland Krauss, Fotos: Roland Krauss und mit freundlicher Genehmigung vom Veranstalter, 27.4.2017

Vom 22. zum 23. April stand zum zweiten Mal für mich der Radebeuler M.E.T.M. auf meiner Jahresliste. Erstmal ein paar Zahlen zum Lauf. Er geht über 24h, wobei 100 Runden das Minimalziel sind. Dann hat man auch 39.700 Stufen (die Treppe an sich hat 397 Stufen), 8848 Höhenmeter und 84,4 km geschafft. Also genau von der Höhe Null rauf auf den Mt. Everest und wieder zurück; gleichzeitig die doppelte Marathonstrecke. Wer dann noch Kraft und Motivation findet kann innerhalb von 24h soviele Runden sammeln wie möglich.

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Voller Vorfreude und auch der Hoffnung auf einigermaßen gutes Wetter reisten mein Vater und ich an. Nach einer kurzen Vorbesprechung und der Ausgabe der Startunterlagen ging es dann endlich am Samstag um 16 Uhr los. Erstmals war sogar ein Läufer aus Japan mit dabei. Viele schlugen natürlich mal wieder ein Höllentempo an - für einen 24h Lauf absolut unangemessen. Aber es ist schwer, sich da nicht mitreißen zu lassen. Zu Beginn war ich, trotzdem ich mir einen Rennplan zurechtgelegt hatte, dann auch etwas zu schnell unterwegs, nahm das Tempo aber auch schnellstens wieder raus.
Es ist schon eine schwierige Sache , immer Treppauf, Treppab. Aber da auch ein Stück Straße zu bewältigen ist, hat man doch etwas Abwechslung, was der Muskulatur gut tut. Anfangs hatten wir Glück mit den Wetterkapriolen, was sich dann Sonntag aber ändern sollte. Da hatten wir dann alles dabei. Wind, Hagel, Regen, Schnee, aber auch Sonnenschein. Und nachts wurde es doch empfindlich kühl, sodass auch einige Ausfälle von Läufern zu beklagen waren.
Aber da gilt doch mein Dank an die vielen Zuschauer an der Strecke, was für uns Läufer ja doch schon etwas außergewöhnliches ist. Mein besonderer Dank gilt Clara, dem Maskottchen des Laufes, die bis abends an der Strecke saß und immer wieder motivierte und applaudierte und dann gleich wieder an Ort und Stelle war, als der Morgen graute. Ihre besondere Aufgabe war dann, jedem Läufer, der die 100. Runde geschafft hatte, in dieser einen Kirschzweig und die Finishermedaille zu überreichen. Mein besonderes Highlight ist aber immer die allerletzte Runde, die man richtig genießen kann, da auch die Zeit keine Rolle spielt, da man nur vor Ablauf der 24h diese beginnen muss und dann so viel Zeit hat, wie man möchte, um sie zu beenden. Und dann das allerschönste: ich war als 2. auf dem Gipfel, d.h. nach 100 Runden und auch nach 24h lag ich mit 129 Runden auf dem 2. Platz.

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Auch großen Dank an das Orga-Team um Ulf Kühne und alle unermüdlichen Helfer, die rund um die Uhr für uns da waren sowie an alle lieben Mitläufer, für die netten Gespräche mit Ihnen und die netten Gesten, wie ein kleines Lächeln, die einem über so manches Tief halfen.
Es war ganz sicher nicht mein letzter M.E.T.M.
Text und Bilder: Yves Mahindra König, 26.4.2017

Mittwoch, 19.4.2017 - Anreisetag

In Hinterstein im Hochallgäu fand vom 19. bis 23. April das 10. DUV-Trainingslager statt. Es hatte die Themen: Grundlagen des Ultralaufens, Trailrunning im Allgemeinen und die Vorbereitung zum Zugspitz-Ultratrail, wo in diesem Jahr die Deutsche Meisterschaft im Ultratrail stattfindet, im Besonderen.

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Präsentierte sich in dem kleinen Tal östlich von Sonthofen Ende März bereits der Frühling, so wandelte vor ein paar Tagen starker Schneefall und ein begleitender Kälteeinbruch die Gegend in eine traumhafte, winterliche Landschaft. Dies war so nicht gedacht, aber bis auf die Bergabläufe konnten wir aber alle geplanten Einheiten absolvieren.
Das Trainingslager war um einen Tag verlängert worden. Es ging vom Mittwochnachmittag bis zum Sonntagmittag, was einerseits Platz für viele wichtige Laufeinheiten auf alpinen Strecken, andererseits den Einbau neuer Elemente ermöglichte.
Obligatorisch war in der Einleitung die Aussage, dass man gutes Training daran erkennt, dass es Spaß macht, sowie das Spiel mit den gelben und blauen Bällen.

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Dieses Mal hatten wir allerdings etwas mehr Zeit und konnten so zusätzlich ein neues Bewegungsspiel ausprobieren. Dabei besteht durchaus die Chance, dass die Teilnehmer, die sich ja überwiegend nicht kennen, schnell zu einer Gemeinschaft verschmelzen, andererseits das Risiko, dass einige Teilnehmer das ein wenig komisch finden, denn diese Spiele kommen schließlich aus der Schülerleichtathletik.

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Hat aber alles - wie erwartet - wunderbar geklappt. Anschließend gab es die ersten Übungen zur Koordination: Gleichgewichtsübungen und den asymmetrischen Hampelmann. Auch vom mittlerweile einsetzenden Schneefall ließen wir uns nicht irritieren und beendeten den ersten schwierigen Praxisteil mit Seilspringen. Nach dem Abendessen gab es dann einen Vortrag mit einer Einführung in das Thema, in dem auch Organisationen wie die DUV, LG Ultralauf, DLV, IAU sowie die nationalen und internationalen Meisterschaften und die Ultramarathon-Bundesliga vorgestellt wurden.

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Donnerstag, 20.4.2017 -  Techniktag

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Fritz Weidlich, ein ortsansässiger Vollblutsportler, unterstützte uns grandios bei unseren Vorhaben und führte die Gruppe der Frühsportler durch die verschneite Landschaft.

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Der erste ganze Tag ist traditionell der Techniktag, der wie bewährt mit einem kurzen Lauf vor dem Frühstück begann. Anschließend gab es die theoretische Einführung in das Athletiktraining, um zunächst einmal eine Motivationsgrundlage herzustellen und die Konzepte verschiedener Trainingsformen vorzustellen.

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Danach folgte der ausführliche Praxisteil, der mit einem Speed-Aufwärmprogramm à la Tabata begann und viele Übungen nach Butz und MaxxF, aber auch zahlreiche, weitere, wichtige Übungen enthielt. Nachmittags gab es bei einem ähnlichen Ablauf zunächst eine Einführung in die typischen Trainingselemente der Trailrunner gefolgt von einem Praxisteil. Im Praxisteil wurde dann außerdem die verschiedenen Techniken vorgestellt, wie man am besten berghoch, bergab und mit Stöcken läuft.

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Mit Simone Philipp hatte uns dabei eine erfahrene Trailläuferin unterstützt, die seit ein paar Jahren in der Trailrunning-Nationalmannschaft läuft. So ganz nebenbei gab es noch Erklärungen zum Dehnen und Mobilisieren und die Unterscheidung zwischen Vorfuß- und Mittelfußlauf. Begriffe, die ebenso häufig verwendet wie missverstanden werden.

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Da das Wetter schön und zum Essen noch etwas Zeit war, hatten wir spontan noch ein kleines, sportliches Spiel auf der Wiese vor dem Hotel in die Agenda eingefügt.

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Abends berichteten dann Anton Philipp (Dodo) und Simone von verschiedenen Trailrunningerlebnissen unter anderem von einer spontanen Montblanc-Besteigung und einer Ultratrail-Weltmeisterschaft und begeisterten damit die Zuhörer.

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Freitag, 21.4.2017 -  Treppentraining und langer Lauf

Der Freitagmorgen brachte dann für die Teilnehmer die erste Rückmeldung des Körpers über muskuläre Defizite in Form von Muskelkater und Verspannungen, doch ein Erholungstag war leider nicht vorgesehen, stattdessen ging es nach Oberstdorf zum Treppentraining. Da es unglaublicher Weise in ganz Hinterstein keine Treppe gibt, mussten wir uns nach einer Alternativ umsehen und fanden sie an der Skisprungschanze, die man von der Vierschanzentournee kennt.

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Die Auflage war, dass wir sie selbst von Schnee und Eis befreien mussten, was gar nicht so einfach war. Nach einer etwas unorthodoxen Anreise waren wir schließlich fast alle vor Ort, bereiteten die Treppe vor und nutzten zum Aufwärmen einige Übungen des klassischen Lauf-Abcs sowie einfache Übungen zur Mobilisierung. Irgendwann war der eine Spaß zu Ende und der andere Spaß begann.

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Jetzt wurde gelaufen, auf einem oder zwei Beinen gehüpft und gesprungen, eine Stufe oder zwei Stufen, als Prellsprung oder Froschsprung, vorwärts oder seitwärts. Fast das ganze Programm des Treppentrainings! Ich hatte mir viele Übungen herausgesucht und alle machten begeistert mit. Hatten wir im Übungsteil etwa auf der Hälfte umgedreht, so liefen wir als letzte Übung einmal nach ganz oben – 40 Höhenmeter auf gefühlt 1.000 Stufen. Den maximalen Puls zu spüren ist immer wieder eine besondere Erfahrung, die ich den Teilnehmern unbedingt ermöglichen wollte! Damit war aber auch der Kraft- und Koordinationsteil für das Wochenende beendet.

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Nach einer kurzen Mittagspause auf der Sonnenterasse des Gasthauses bildeten sich zwei Gruppen. Die eine wollte die 25 km zurück nach Hinterstein laufen, die andere wollte vor Ort eine kleine Runde laufen und dann zurückfahren.

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Ich war in der ersten Laufgruppe, die von Dodo geführt wurde und zunächst auf einem Radweg durchs Tal, aber dann in die Höhe verlief, wo wir eine tolle Winterlandschaft genießen konnten. Der Wetterbericht hatte für Freitag 13 Sonnenstunden vorhergesagt und so kam es auch! Es war ein Traum! Nach viereinhalb Stunden kamen wir erfreut und erschöpft wieder im Hotel an.

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Bereits morgens vor der Abfahrt zum Treppentraining gab es einen einleitenden Vortrag zum Thema Ernährung, in dem ich Grundlegendes zum Energiebedarf und der Energiebereitstellung erläuterte. Wieviel Energie braucht man bei einem Ultratrail und wieviel sollte man während des Wettkampfes essen und trinken, waren die entsprechenden Fragen. Spätestens bei Wettkämpfen mit Teilautonomie sollte man hier einigermaßen genau Bescheid wissen.

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Abends gab es dann von Thomas Porstner einen weiteren Vortrag zum Thema Ernährung, der von den Lehren von Dr. Bruker handelte und im Kern den Zusammenhang zwischen Ernährungsfehler und Zivilisationskrankheiten herstellte. Für Leistungssportler sind die Aussagen sehr wichtig, um den Körper nicht unbedacht und unnötig zu belasten.
Trailrunner zu sein, heißt auch privilegiert zu sein, längere Strecken im Gelände zurückzulegen und die Natur auf einzigartige Weise zu erleben. Beispielhaft zeigte Dodo abends dann Bilder von einem Lauf über den berühmten Wanderweg GR20 auf Korsika und berichtete von dem Laufabenteuer auf der Insel.

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Samstag, 22.4.2017 -  Zwei lange Läufe

Der Samstag ist üblicherweise der Tag des langen Laufes mit einer kleinen Picknickunterbrechung. Diesmal sollte um 22 Uhr noch eine dritte, mehrstündige Laufeinheit erfolgen, um einerseits Laufen mit Vorermüdung und andererseits einen Testlauf mit Stirnlampe anzubieten. Natürlich ist es nicht für jedermanns persönliche Ziele erforderlich, so viel an einem Tag zu laufen, insbesondere nachts. So war vormittags auch eine Wandergruppe vorgesehen und der Nachtlauf war sowieso optional. Da jedoch ein Wetterumbruch mit Regen vorhergesagt war, beschlossen wir am Vortag, vormittags etwas länger zu laufen und nachmittags gar nicht. Diese Lücke wurde mit einem schönen Film über einen privaten Lauf auf dem Walserweg und eine Diskussion zum Thema Regeneration schnell gefüllt.

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Etwas überraschend war die Größe der Läufergruppe. Obwohl die meisten von den technischen Übungen gezeichnet waren, wollte sich kaum einer die große Runde um Hinterstein entgehen lassen, die uns Manfred Berkhold (untere Reihe, 2. Person von links) zeigte.

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Nach dem Lauf sprangen wir noch kurz ohne oder auch mit Schuhen in ein Kneippbecken, was einige Wanderer irritiert blicken ließ, uns jedoch sehr gut gefiel.

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Fritz Weidlich bekam für seine großartige Unterstützung als Andenken an dieses Wochennde nicht nur den original LG Ultralauf-Buff, sondern noch ein kleines Geschenk.

IMG 7477bSpäter am Nachmittag gab es von Dodo und Simone einen informativen Vortrag zum Zugspitzultra. Hier ging es um Informationen zur Strecke, zur Ausrüstung, zur Versorgung und andere Details. Spannender Inhalt, sehr interessant vorgetragen – für alle ein Highlight des Wochenendes.

Eine der neuen Elemente sollte die Wartezeit bis zur Nachteinheit überbrücken. Ich wollte einmal das Thema „Laufen“ verlassen und hatte ein weiteres Gruppenspiel vorbereitet. Es gab drei Gruppen. Eine musste einen Begriff pantomimisch darstellen und die anderen ihn erraten. Das war sehr witzig und wir haben so gelacht!

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Hier präsentiert eine Gruppe die Sportart "Rhythmische Sportgymnastik".

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Mittlerweile hatte der Regen eingesetzt, es war stockdunkel, die Wege durchweicht, teilweise mit Schnee oder Matsch bedeckt und natürlich teilweise rutschig. Es hätte viele Gründe gegeben, den ursprünglichen Plan zu verwerfen, aber andererseits waren genau diese Rahmenbedingungen ein mögliches Szenario, was die Läufer an der Zugspitze erwarten könnte. Und so stand dann auch eine Elfergruppe pünktlich bereit, um das Umland von Hinterstein bei Nacht kennenzulernen. Die kompletten drei Stunden liefen allerdings nur 3 ganz Harte.

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Sonntag, 23.4.2017 -  Taktik & Training

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Der morgentliche Blick vom Balkon.

Für den Sonntag hatte ich kaum mit Teilnehmern am Morgenlauf gerechnet und hatte daher als Besonderheit versprochen, die Laufeinheit mit Crossfitübungen zu würzen.

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Für einige war die Nacht nur wenige Stunden lang, aber trotzdem standen viele Teilnehmer am Start und tauschten zunächst ihre Wehwehchen aus. Das Wetter war trocken und der Schnee im Tal fast gänzlich weg. Vermutlich wussten die Teilnehmer nicht genau, was sie erwartete, denn regenerativ war dieser Lauf gewiss nicht: Nach 5 Minuten gemütlichem Laufen, gab es eine einminütige, hochintensive Übung, die im ausgeruhten Zustand schon für Muskelkater gesorgt hätte. So wurde nochmals kräftig gehüpft, Steine gestemmt und einzelne Muskelgruppen trainiert. Unglaublich, mit welcher Begeisterung und Motivation die Teilnehmer sich noch einmal ins Zeug legten und dabei noch fröhlich lächeln konnten!

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Bis zum Ende der Veranstaltung gegen Mittag folgte noch ein abschließender Vortrag über die Taktik bei verschiedenen Ultratrailveranstaltungen sowie Beispiele für das zugehörige Training.
Vor dem abschließenden Mittagsmenü gab es die Feedbackrunde mit einer super Rückmeldung aller Teilnehmer.
Man kann die Trainingslager-Veranstaltungen immer schlecht vergleichen. Vieles hängt ja auch vom Haus, dem Essen und dem Wetter ab, aber natürlich auch von den Teilnehmern und Referenten. Simone und Anton Philipp haben als Referenten und Vorläufer uns ebenso erstklassig unterstützt wie Fritz Weidlich, der alle Laufstrecken ausgearbeitet hatte. Manfred Berkhold, Sportreferent des Ortes, wollte am Mittwoch eigentlich nur ein Grußwort des Bürgermeisters überbringen, sprang aber sofort ein, als für Samstag noch ein Vorläufer gesucht wurde und kam sogar spontan am Sonntag zum Morgenlauf vorbei. Vielen Dank allen Helfern an dieser Stelle!
Es war einfach fantastisch, wie sehr sich alle eingebracht haben, wie motiviert alle Teilnehmer sowohl bei den schwierigen und anstrengenden Übungen, bei den vielen Läufen aber auch bei den lustigen Spielen mitgemacht und sich an den Diskussionen beteiligt haben. Das Trainingslager in Hinterstein war vermutlich das, in dem am meisten gelacht wurde und wo es in der Tendenz den größten Muskelkater gegeben hat.

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Text und Bilder: Michael Irrgang, 25.4.2017 

Als ich im vergangenen Jahr auf den 100. Marathon zusteuerte, wann und wo der stattfinden sollte, stand schon fest – da fehlte mir plötzlich noch einer. Ich dachte: kein Problem, da ist ja noch das lange Osterwochende frei, um den zu laufen. Doch, weit gefehlt – in ganz Deutschland findent da kein Marathon statt – wirklich KEINER?

Doch, ich fand Einen – den kleinen Berliner Vollmondmarathon; die Osteredition, veranstaltet von Frank-Ulrich Etzrodt. Der findet übrigens tagsüber statt – anderes als sein größerer Bruder im Sommer, der tatsächlich in einer Vollmondnacht gelaufen wird.

Ostern1Da mir dieser Lauf im vergangenen Jahr wirklich sehr gut gefallen hat, wollte ich gerne auch 2017 daran teilnehmen. Ich hatte Glück, denn obwohl bereits  60 Starter angemeldet waren - da ist normalerweise die Grenze, ließ mich der Etze, wie er von allen Freunden genannt wird, noch mitlaufen. Auch für meinen Lauffreund aus München, Manfred Kranz fand sich noch eine Start-Nr.

Allerdings hatte ich auch einen kleinen Vorteil - der Etze hat lange Jahre samt seiner Frau Elfriede in Franken gewohnt - von daher kennt er die "außerordentlichen Vorzüge" von fränkischen Bratwürsten und Bier - vorzugsweise von kleinen, aber feinen Brauereien. Darauf freut er sich schon - auch im letzten Jahr fand er daran großen Gefallen .... und so erfüllte ich Ihm gerne diesen Wunsch.

Auch den Namen "Vollmond-Marathon" hat er aus dem Fränkischen mitgebracht - er ist gesetzlich geschützt und wurde vor vielen Jahren für die Veranstaltung im Nürnberger Umland genutzt, bei dem die Wolfshöher Brauerei, sie braut ein Vollmondbier, der Hauptsponsor war. Den Lauf gibt's schon lange nicht meht und so hat sich der Etze den Namen vom damaligen Veranstalter gesichert.

So viel zur Vorgeschichte:

Ich fahre am am Karfreitagmorgen um 6:30 in Nürnberg mit dem Fernreisebus los - eine halbe Stunde zuvor hatte ich meine Nachtschicht beendet - geschlafen wurde nun eben im Bus, da blieben gute 5 Stunden Zeit. Etwa zur etwa selben Zeit fuhr in München auch der Manfred los - und so sind wir am Nachmittag beide in unserem Berliner Hotel.

Da auch in Berlin am Karfreitag die City relativ leer war, gab es nicht viel zu sehen, so gingen wir nur etwas spazieren und abschließend zum Abendessen - im Hotelzimmer trafen wir die letzten Vorbereitungen für den Marathon.

Am Samstag gingen wir ausgeruht zum Frühstück, um dann anschließend mit U-Bahn bzw Bus zur Bernauer Straße zu fahren, dort war die Kleingartenanlage HoKa III am Hohenzollernkanal, wo im Vereinsheim der Treffpunkt war. Hier befand sich dier Startnummernausgabe, wir konnten uns umziehen und ein kleines Briefing fand dort ebenfalls statt, bei dem die Markierungen und VP's vorgestellt wurden. Ich wurde freudig vom Veranstalter begrüßt und übergab ihm meine fränkischen Mitbringsel.

Wir liefen auch diesmal wieder für einen guten Zweck, der Erlös des Laufs kam dem Stationären Hospiz Oberhavel in Oranienburg zugute.

Ostern3

Der Start um 10Uhr rückt näher - leider auch bedrohlich dunkle Wolken, als wir die 1.000m zur Startlinie an der Mäckeritzbrücke geführt werden - genau jetzt beginnt es zu regnen. Selbst der Startschuß fällt dem dann heftigen Nass zum Opfer - nur ein leises "Klick" ist zu hören - doch bei dem kleinen Läuferfeld spielte das keine große Rolle.

Die Wege waren gut befestigt oder asphaltiert und so machte der Regen auf dem Untergrund keine Probleme, zumal er dann auch etwas nachließ und zwischenzeitlich sogar aufhörte. Die Markierungen waren gut zu sehen. Für mich war die Strecke ja nicht komplett unbekannt, denn ich kannte sie nicht nur vom vergangen Oster-Marathon. Einen Teil der Strecke läuft man auch beim Mauerweglauf, an dem ich bereits zweimal teilgenommen hatte. Er ist für mich einer der besten Läufe in Deutschland (Organisation und Streckenführung sind einmalig) - auch heuer am 2. August-Wochenende werde ich wieder bei den legendären 100Meilen dabei sein.

Bei Sonnenschein würden nun Wassersportler den Tegeler See bevölkern, Spaziergänger unsere Wege kreuzen und die Ufercafes wären voll - so sind nur einige Verwegene unterwegs, in einem Cafe konnte ich eine größere Menge beim Frühstücks-Brunch beobachten. Doch ich hatte anderes im Sinn - mit einer Pace von 5 - 5:15min pro KM war ich unterwegs - dem Wetter entsprechend perfekt angezogen. Eine Regenjacke brauchte ich bei "zurückhaltenden Regen" nicht und die Temperatur - so um die 8Grad hatte ich vorher richtig eingeschätzt. So liefen nur wenige Schnelle vor mir - an den VP's wurde mir berichtet, ich sei momentan der 7. oder 8. Läufer.

Ein Grundprinzip hatte uns der Etze mit auf den Weg gegeben: wenn das Wasser (der Tegeler See) links von Euch liegt, seid Ihr richtig. So war es auch die meiste Zeit. Immer wieder überliefen wir die tollsten Brückengebilde, bei besseren Wetter wäre ein toller Ausblick garantiert. Gelegentlich gab es doch ein paar Spaziergänger, die nachfragen, was wir denn hier am Ostersamstag tun. Die Antwort "Marathonlaufen" wird mit viel Erstaunen zu Kenntnis genommen, doch die Start-Nr. unterstrich meine Aussage und wirkte sehr glaubhaft.

Über die Halbinsel Konradshöhe und das ehemalige Fischerdorf Heiligensee ging es zur ehemaligen innerdeutschen Grenze - bei Hennigsdorf wurde die Havel überquert und wir erreichten den alten Hafen. Entlang der Havel erreichten wir die sogenannten Wasserstadtbrücken. Nun waren wir schon wieder am Hohenzollernkanal; es ging noch über den Saatwinkler Steg  und schon waren wir wieder in der Gartenkolonie.

Ostern2

Meine Pace hatte nur geringfügig gelitten und so hatte ich noch ein paar Läufer eingeholt - am KM41 gab es noch eine angekündigte Überraschung - den ersten 25 Läufern wurde ein kleines Fähnchen mit dem Berliner Bären überreicht. Mit dieser machte ich mich auf dem letzten KM .... nun genau genommen ist es ein klein wenig mehr - Etze hat uns die kleine Überlänge erkärt - wir laufen genau 42,29km.

Ich wurde am Vereinsheim von der Zeitnahme (das macht natürlich Etze selbst) begrüßt - erreichte sogar noch Platz 6 in einer Zeit von 03:40:35.

Ich verpflegte mich und genieße ein Vollmond-Bier, unterhielt mich mit Etze und Elfriede, als der Regen nochmals richtig zuschlug - die armen Läufer, die noch unterwegs sind, erwischte es voll. Darunter wart auch Manfred; es dauerte noch eine Weile bis er ankam. Eine Unaufmerksamkeit hatte ihn nochmals auf den Anfang der Strecke laufen lassen und bis er es bemerkte, dauerte es wohl eine Weile. So kam er etwas durchnässt erst mit 5:50 ins Ziel. Doch seiner guten Laune tut das keinen Abbruch - immerhin ist er nicht Letzter geworden, wie er feststellt. Auch er genoss die freundschaftliche und sympathische Atmosphäre.

Wir zogen uns um, plauderten noch ein wenig, dann wurden wir von einem Läufer sogar noch bis zur U-Bahn gefahren. Mangels Duschgelegenheit im Vereinsheim taten wir das anschließend im gemütlichen Hotelzimmer und ließen den Abend in einem typisch Berliner Lokal ausklingen - das Essen ist hervorragend und reichlich. Manfred und ich tauschten unsere Laufpläne bis zum gemeinsamen Deutschlandlauf aus und spazierten durchs nächtliche Berlin ins Hotel zurück. Dabei entdeckten wir einen Fitnessraum, den wir sogleich am nächsten Tag vor dem Frühstück zum Auslaufen (Laufband), Crosstrainer und sonstiger Gymnastik nutzen.

Nach einem kleinen Flohmarktbesuch ging es wieder auf die Heimfahrt mit dem Fernbus - ein gelungener Oster-Berlin-Ausflug. Ich werde wohl auch im nächsten Jahr beim Etze an Ostern vorbeilaufen.

Ergebnisse:

6.Platz Roland Krauss; LG Ultralauf; 1962; 1.M55; 03:40:35

43.Platz Manfred Kranz; long way; 1968; 6.M45; 05:50:35

Zu den Fotos:

- Die Veranstalter: Etze und Elfriede eingerahmt von Manfred und Roland

- Am Start: statt lauten Startschuss gab es heftigen Regen

- Kurz vorm Ziel am Hohenzollernkanal mit Berliner Fähnchen

Text: Roland Krauss, Fotos: Roland Krauss und Ulrich Etzrodt, 21.4.2017