Laufgemeinschaft der Deutschen Ultramarathon-Vereinigung e.V.

Bild0

Kirsten, am Ziel eines langen Weges, von dem sie hier, auf der LG Ultralaufseite, in zwei Teilen berichtet

Wie alles begann

März 2016. Es sind 40°Grad im Schatten. Eine leichte Meeresbrise macht das Liegen am Strand der Gewürzinsel Sansibar erträglich. An Laufen bei dieser Hitze ist absolut nicht zu denken. Vor zwei Tagen bin ich mit meiner Mutter auf den Kilimanjaro in Tansania gekraxelt. Jetzt gönnen wir uns ein paar Tage der genussvollen Trägheit. Ich habe das Buch "Running Wild" von Rafael Fuchsgruber in der Hand. Wie schafft er bei dieser Hitze jeden Tag einen Marathon? Ich bin schon klatsch nass, wenn ich erfolgreich den Weg zur Bar und zurück bewältigt habe.

Wenige Monate später. Ich lese einen Facebook-Post von Rafael, in dem er zu seinem zehnjährigen Wüstenjubiläum einen Club mit Wüsten-Rookies gründet. Mmh...ich habe gerade mit dem Rennsteig meinen ersten Ultra gefinisht. Ist dann so ein Wüstenrennen über 250km in 7 Tagen nicht etwas größenwahnsinnig? Mir geht der Gedanke nicht mehr aus dem Kopf und meine Mutter findet die Idee so genial bekloppt, dass sie mich ohne zu überlegen ermutigt mitzumachen. Solche Eltern braucht man. Bei meinen muss ich meine Grenzen klar selber definieren, sonst laufe ich eines Tages einmal komplett zum Mond und zurück ;-)

Ende November 2016. Ich mache Nägel mit Köpfen und melde mich an. Oh, Gott. Was tue ich da? Warum nicht einfach irgendwo einen netten Halbmarathon laufen?
Selbigen Gedanken haben bestimmt auch die anderen Mitglieder des "Little Desert Runners Club". Ab jetzt eröffnen wir jeweils zu Hause eine Sammelstelle für diverses Outdoor-Equipment. Eine nicht enden-wollende Anzahl an Päckchen wird mir von meinem Paketzusteller überreicht. Ein Unterschriftsstempel wäre was.

Das Training läuft leider mehr als bescheiden. Erst bekomme ich um Weihnachten eine ordentliche Grippe. Kurz nach dem Kevelaer Marathon Anfang Januar, den ich als offiziellen Start für das Namibia-Training auserkoren habe, bekomme ich Probleme mit dem ISG. Immer wieder blockiert es. Die Schmerzen ziehen nach wenigen Laufkilometern ins Knie. Orthopädie, Osteopathie und Physiotherapie bringen allesamt überhaupt nichts. Ich wollte in der Vorbereitung ordentlich klotzen und jetzt das. Schon seit ein paar Monaten habe ich das Gefühl permanent zu wenig zu machen, zu langsam zu laufen und meinen und anderer Erwartungen nicht ansatzweise genügen zu können. Laufen macht mir an diesem Punkt überhaupt keinen Spaß. Alles fühlt sich schwer an. Sobald die Schmerzen einsetzen, humple ich frustriert nach Hause. Meine eigentliche Trainingszeit verbringe ich bei diversen Ärzten und Therapeuten. Langsam rennt die Zeit weg und ich bekomme Angst, dass ich das Namibia Rennen absagen muss. Kann ich aber nicht. Geht einfach nicht. Ich bringe es nicht übers Herz. Welche Möglichkeiten gibt es also sonst noch? Psyche und Blut. Der Bluttest ergibt einen enormen Eisen- und Vitamin D-Mangel. Nach den Infusionen kann ich schon mal von 7 auf 17 Kilometer erhöhen.

Da ich im Sommer das Buch "Mentaltrainer für Läufer" nicht nur durchgelesen, sondern durchgeackert habe, frage ich Michele Ufer, ob er mit mir ein Coaching durchführen würde. Und hier liegt des Pudels Kern. Gemeinsam erarbeiten wir meine Werte, die ich beim Laufen leben möchte: Natur, Weite, Freiheit, Gemeinschaft, Körper- und Geisterfahrung und Kraft. Da steht gar nichts von Pace, Zielzeit, Optimierung und Maximierung. Also weg mit dem ganzen Erwartungs- und Leistungsballast. Mit Hilfe einer Wachhypnose auf dem Ergometer erahne ich wie wunderbar so ein Wüstenlauf sein kann. Der Bann ist gebrochen. Die Schmerzen sind nach kurzer Zeit wie weggeblasen und das Training kann endlich beginnen. Viel Zeit bleibt mir nicht mehr. In gut 5 Wochen sitze ich schon im Flieger. Ich achte beim Training nun besonders auf Abwechslung; Freude und meine körperlichen Signale. Immer wieder übe ich mich in den gelernten mentalen Techniken. Es läuft erstaunlich gut. Fit und ausgeruht setze ich mich mit meinen 7 bzw. 700 Sachen in den Flieger Richtung Windhoek. Ruhe kehrt langsam ein. Die letzten Wochen waren nicht nur durch das Training, sondern auch durch Unruhe und tausend Fragen gekennzeichnet. Besonders gerne sind mir zu nachtschlafender Zeit Fragen dieser Art eingefallen: "Wie fülle ich den Buffer unterwegs in die Flaschen?", "Wie viele BHs nimmt man mit?" aber auch "Wie in Gottes Namen soll ich das schaffen? Auf dem Untergrund? Bei der Hitze? Mit meinem Training?" Es ist echt gut, dass es jetzt kein Zurück mehr gibt.

Die vielleicht intensivste Woche meines Lebens

Der Check-In mit der Kontrolle der gesamten Ausrüstung hat bei allen Teilnehmern des Clubs reibungslos funktioniert. Wir haben eben einen super Mentor an der Hand. Die Ausrüstung ist effizient und perfekt ausgesucht. Da macht keiner von uns grobe Fehler. Rafael schaut bei einigen Teilnehmern nochmal genau hin und kürzt hier und da einen Kamm oder eine Isomatte auf die Hälfte. Wüstenschlaue Gewichtsoptimierung.

Bild1

Check-In und Kontrolle der gesamten Ausrüstung. Mein Rucksack wiegt zu Beginn ohne Wasser 9,5 kg. Damit durch weichen Untergrund zu laufen, ist schon nicht ohne.

Endlich steigen wir in die Busse und werden 300 km nördlich von Swakopmund in die Namib-Wüste gefahren. Ich kann es kaum noch erwarten. Jetzt möchte ich los.

Bild2

Der Little Desert Runners Club kurz vor der Fahrt in die Wüste

Die erste Etappe beginne ich ehrfürchtig. Wie reagiert mein Körper auf die Wärme? Wieviel Kraft habe ich angesichts des schwer laufbaren Terrains? Ruhig und zurückhaltend laufen Martina, Andrea und ich los. Gefühlt alle zwei Meter machen wir einen Fotostopp, weil sich die Landschaft schon wieder verändert hat. Die Formationen und Farben gepaart mit der Weite und dem besonderen Licht sind wunderschön anzuschauen.

Bild3

Rechts Andrea, deren akribisches Training sich mehr als auszahlt. In der Mitte Martina, die mit der Erfahrung von nur zwei Marathons ein wahnsinnig gutes Rennen abliefert!

Nach der ersten Hälfte verspüre ich eine Unruhe in meinem Bauch und verabschiede mich von meinen beiden sehr sympathischen Mitläuferinnen. Jetzt geht es richtig los. Die anfängliche Skepsis ist abgelegt und ich drücke leicht auf die Tube. So fühlt es sich prima an. (Nur fürs Protokoll: Ich habe keine Uhr um und orientiere mich einzig und alleine an meinem Körpergefühl; aber wie will man sich in der Wüste auch an einer Pace oder Zielzeiten orientieren?)

Ich fühle mich frei! Bin ein kleiner Teil dieser großen, weiten, sich ständig verändernden Welt. Immer wieder durchströmt mich eine tiefe Dankbarkeit hier heute starten zu dürfen. Die Weite macht auch meinen Kopf und mein Herz komplett weit.

Bild4

 

Bild5

 

Bild6

 

Bild7

www.4Deserts.com/ Onni Cao

Im Ziel bin ich verwirrt. Warum bin ich dritte Frau? Wo sind die anderen? Immerhin sind 25 Frauen an den Start gegangen! Gleichzeitig habe ich mich heute eher unterfordert und fühle mich noch völlig frisch. Aber wie sollte man sich den bei einem Etappenlauf fühlen, wenn man ins Ziel kommt? Die Antwort von Rafael lautet: Du darfst an dem Tag nicht mehr laufen wollen, aber ins Ziel kriechen solltest du auch nicht.

Rafael fährt nochmal raus auf die Strecke, um Antje, die an einer schweren Stoffwechselkrankheit leidet, ins Ziel zu begleiten. Doch was macht sie trotz Handicap? Sie ist so schnell im Ziel, das Steffen, der neben seinem eignen Rennen noch als Kameramann tätig ist, flucht. „Man, ich wollte sie doch filmen. Warum ist sie schon da?“ Ja, mit Antje müssen wir auch in den nächsten Tagen immer sehr früh rechnen. Sie hat meine ganz besondere Anerkennung! Immer wenn bei mir ein kleiner negativer und müder Gedanke aufblitzt, denke ich an sie und was sie hier leistet. Ich habe absolut keinen Grund falsche Müdigkeit vorzutäuschen.

Bild8

Antje mit Ralf. Beides ganz besonders herzliche Menschen, die eine so kraftvolle Klarheit und positiven Willen haben, dass jede Hürde vor Angst wegläuft.

Bei der zweiten Etappe ziehe ich mit Steffen los. Ich möchte etwas mutiger laufen und verlasse mich auf seine Aussage, dass er heute etwas gemütlicher als gestern laufen möchte. Er erklärt mir seine Taktik: Bis CP2 ruhig und dann langsam steigern. Okay. Klingt gut. Wie war das mit dem Plan und der Tonne?

Bild9

Steffen rechts. Ein wahnsinnig guter Läufer, der hier in Namibia die Grenzen des menschenmöglichen deutlich verschiebt. Was ein Kämpfer!

Wir freuen uns wie kleine Kinder über die ersten Sanddünen, die wir hoch und runter rennen. Steffen schlägt ein gutes Tempo an und läuft sehr gleichmäßig und ruhig. Noch nervt mich mein Kopf etwas. Der denkt zu viel. Wo ist der Aus-Knopf? Ah, gefunden….sehr gut. Jetzt kann ich einfach laufen. Nicht nachdenken, sondern einfach völlig aufgehen in dem Moment und der herrlichen Landschaft. Steffen bekommt Probleme mit seinem Magen und schickt mich weg. Kurze Zeit später sehe ich nirgends mehr ein pinkes Fähnchen, das der Streckenmakierung dient. Hinter mir ruft Steffen von einer entfernten Düne. Puh, das war knapp. Völlig orientierungslos durch die Wüste zu laufen ist nicht ganz so lustig. Durch den starken Wind sind einige Fähnchen weggeweht worden.

Bild10

 

Bild11

 

Bild12

 

Bild13

www.4Deserts.com/ Onni Cao

Bild14

Das Ziel liegt etwas versteckt in den Dünen direkt am Meer.

Rafael, der kurz vor mir ins Ziel gekommen ist, fällt bei meiner Überquerung der Ziellinie vor mir auf die Knie und umarmt mich. Ich bin als erste Frau im Ziel! Es folgt ein virscher Dialog: Wo sind denn die anderen schnellen Frauen? Du bist die Schnellste. Die anderen sind langsamer! Ja, aber das kann doch nicht sein! Habe ich eine falsche Taktik gewählt? Warum ist das so? Nein, du bist einfach schneller als die anderen. Ja, aber das kann doch nicht sein.
Ich bin ziemlich verwirrt und begreife erstmal gar nichts. Muss ich aber auch noch. Das Rennen ist noch lang und alles Mögliche kann passieren.
Da ich ja schon begonnen habe meinen Kopf abzuschalten, ignoriere ich auch erstmal die Tatsache mit dem Ranking und widme mich dem Campleben. Ich liebe die Reduktion auf das Wesentliche. Weg mit dem ganzen zivilisatorischen Quatsch. Alles, was ich für die Woche brauche, habe ich im Rucksack. Essen, Schlafsack, Isomatte, Jacke, Blasenkit und noch allerhand Pflichtausrüstungsgegenstände. Ich vermisse überhaupt nichts. Es ist einfach wunderbar gerade hier zu sein. Menschen aus 38 Nationen gehen so liebevoll, respektvoll und freundlich miteinander um, dass jedes Projekt für Frieden, Toleranz und Völkerverständigung neidisch werden kann.

Die Nächte auf der Isomatte, wenn der Rücken und die Beine eh schon schmerzen, sind hart und unbequem. Synchron drehen wir uns immer wieder vom Rücken auf die Seite und zurück. Aber es gibt kein schöneres Erwachen als durch die offene Zelttür friedlich Menschen am Lagerfeuer sitzen zu sehen während im Hintergrund die Sonne aufgeht.

Bild15

Ohne Wort. Einfach traumhaft

So vom Tag begrüßt steige ich jeden Morgen fit und ausgeruht aus dem Schlafsack. Die Lust wieder loszulaufen will nicht versiegen. Jede Etappe ist anders und die Bedingungen sind nie vorhersehbar. Wie ist der Untergrund? Wie sind die Temperaturen? Woher kommt der Wind? Wie wird es mir gehen?
Bewusst lenke ich immer wieder meinen Fokus auf das Positive. Natürlich habe ich auch mal Schmerzen, aber in meinem Alltag in Deutschland würde ich auch irgendwas Negatives finden. Keine Schmerzen, aber vielleicht Stress oder Termindruck. Realität ist das, was ich wahrnehme. Und das, was ich wahrnehme, entscheide ich. Also lenke ich meine Aufmerksamkeit weg von der Isomatte hin zum Sonnenaufgang und der friedlichen Atmosphäre. Klingt einfach. Ist es in der Wüste tatsächlich auch.

 

Text: Kirsten Althoff, Bilder: Kirsten Althoff, Veranstalter, 17.5.2017

Wie sich der dritte Tag und die folgenden entwickelten, könnt ihr im zweiten Teil "Ein grandioses Finale" lesen.

Ein paar Bilder der ersten Tage: 

View the embedded image gallery online at:
http://lg-duv.de/neuigkeiten.html?start=35#sigFreeIda8939ab388

Die LG Ultralauf unterstützt die Henry Wanyoike-Stiftung beim diesjährigen BUF. Dieses für alle Beteiligten erfreuliche Ergebnis vereinbarte diese Woche LG Ultralauf-Geschäftsführer Thomas Bitzer mit Wolfgang Bernath, der verantwortlich eine Hilfslieferung zusammenstellt, um bedürftige Läufer in Kenia damit zu unterstützen. Wolfgang pflegt eine freundschaftliche, persönliche Beziehung zu Henry, der wiederum es sich zur Aufgabe gemacht hat, durch seine Prominenz auf die Situation in seinem Land aufmerksam zu machen.

150307 2 Hilfslieferung 600

Hier eine Beschreibung von Wolfgang zu dem Projekt:
Auf mittlerweile fast allen Langstreckenveranstaltungen seht Ihr z. B. Kenianer, die versuchen, der oftmals fast hoffnungslosen Armut in der Heimat durch im Ausland gewonnene Preisgelder zu entfliehen. Hinter jeder und jedem, die es zu einer Einladung geschafft haben, stehen mindestens hundert, die noch darauf hoffen. Das bedeutet härtestes Training unter für uns unglaublich schlechten Umständen, nicht selten sogar mit Kohldampf im Bauch, weil selbst das einfachste Essen knapp ist.
Gesucht wird Laufbekleidung und –ausrüstung aller Art: Frauen-Laufschuhe jeder Größe, Männer-Laufschuhe bis max. Größe 45 (Kenianer haben kleine Füße), Trainingsanzüge, kurze und lange Laufhosen (auch Unterwäsche), Lauf-BHs (wirklich!), Laufjacken, funktionsfähige Laufuhren (die sind ganz selten und entsprechend wichtig) u. v. m. Was ist brauchbar? Wolfgang sagt: „Brauch­bar bedeutet, es ist so gut, daß Ihr es einem Bedürftigen persönlich übergeben würdet, ohne Euch dafür schämen zu müssen.“ Laufschuhe sollten, damit sich der Transport lohnt, allerdings über mindestens 50% Restprofil verfügen.
Viele von Euch besitzen sicher „noch brauchbare Laufuntensilien", die nicht mehr benötigt werden, aber doch zu schade zum Wegwerfen sind. Warum damit nicht etwas Gutes tun? In diesem Sinne bitten wir Euch heute um Unterstützung dieses wichtigen Projektes.
Wir werden bei der Startnummernausgabe einen Bereich kennzeichnen, wo ihr eure Sachen abgeben könnt. Aktuell ist noch nicht geklärt, ob Wolfgang persönlich vor Ort sein kann, um sein Projekt vorzustellen.
Ihr müsst natürlich nicht Läufer sein, um Kleiderspenden abzugeben, sondern könnt die Sachen gerne im Vorfeld bei den Organisatoren von Adler-Langlauf Bottrop und der LG Ultralauf abgeben oder schaut in die Startliste, ob ihr Vereinskollegen, Freunde oder Nachbarn findet. Hauptsache am Ende der Veranstaltung ist der Berg groß! Vielen Dank vorab für eure Unterstützung!
Text: Michael Irrgang, Bild: Wolfgang Bernath, 16.5.2017

"EMU 6 Day World Trophy" ist die korrekte Bezeichnung des Laufes über 144 Stunden. In diesem Rennen geht es darum, innerhalb von 6 Tagen möglichst viele Kilometer zu schaffen, also möglichst lange auf der Strecke zu sein, möglichst viel zu laufen, möglichst alle körperlichen und mentalen Durchhänger ideal zu managen, mit dem Wechsel von Tag und Nacht, Sonne, Wind und Regen gut umzugehen und - man glaubt es kaum - die Woche zu genießen. Es ist eine ganz eigene Disziplin, die nur sehr gutwillig mit einem 24h-Lauf zu vergleichen ist, da der Umgang mit Müdigkeit, die Wahl der richtigen Ernährung und der gekonnte Umgang mit Krisen eine neue Dimension erreicht.

Balaton1

Norbert Künkel auf der Laufstrecke, begleitet von Silke Giehlen, die unglaubliche 782 km schaffte und damit deutschen Rekord und Altersklassenweltrekord lief, und Stefan Mack, der Deutsche aus Basel.

Wenn der Lauf im allgemeinen und der Lauf in Ungarn im besonderen nicht etwas ganz spezielles, mystisches hätte, wäre es unvorstellbar, dass es einen Kern von Läuferinnen und Läufer aus Deutschland gibt, die Jahr für Jahr an den Balaton pilgern, um sich dort einmal so richtig zu verausgaben. Zu den Leuten gehört unser Vereinsmitglied Norbert Künkel, der dieses Jahr bereits das 6. Mal teilnahm und von dem Lauf berichtet.

Balaton2

Für die mitfahrenden Betreuer gibt es durchaus angenehme Abwechselung in der Feriensiedlung.

Balaton3

Schlafen, essen und laufen, bzw. gehen bestimmt den Alltag während der 6 Tage.

Balaton4

Die Wege sind breit, überwiegend flach, super zu laufen und teilweise schattig. Die Läufer sind in Ferienhäusern entlang der Strecke untergebracht.

Balaton5

Wird eine 100er-Marke erreicht, darf der Läufer mit einer entsprechenden Fahne eine Ehrenrunde laufen und wird in dieser von allen Läufern, aber auch Betreuern und Zuschauern herzlich und anteilnehmend beglückwünscht.

Hier nun der Bericht von Norbert:

Unsere Ankunft am Balaton nach 12 Stunden Fahrt brachte gleich einen Vorgeschmack auf das unbeständige Wetter in der nächsten Tagen: es regnete wie aus Eimern. Beim Lauf musste ich mich am Tag  3-5mal umziehen, der Wind wechselte innerhalb von Minuten von warm auf eiskalt; Regen und Sonne wechselten sich ebenso beständig ab.
Es waren meine sechsten 6 Days am Balaton. In diesem Jahr gab es andere Unterkünfte und eine neue Stecke, wobei die Unterkünfte diesmal mobile Häuser mit großer, überdachter Terrasse waren! Den Luxus eigener Vier-Betten-Häuser, den wir in den letzten Jahren hatten, gab es nicht mehr. Die Zimmer waren deutlich kleiner. Zwei Schlafzimmer, Wohnraum mit Küche, Toilette und Duschraum mit Waschbecken. Ein Schlafzimmer war mit einem Doppelbett ausgestattet und sehr eng. In dem zweiten Schlafraum waren zwei schmale Einzelbetten und ein Hochbett (Max36kg). Auf dem Hochbett lagen meine Laufsachen, auch den Küchentisch und einen Stuhl nahm ich in Beschlag. Drei Läufer in einem Haus wären grenzwertig eng geworden.
Aus den letzten Jahren hatte ich gelernt, dass ein Heizlüfter Gold wert ist. Er war in diesem Jahr noch wichtiger als zuvor die Jahre bei den schwankendenTemperaturen von 25°C bis 2°C. Doch die Unterkunft war ausreichend, wir wollten ja nicht schlafen sondern laufen.
Die neue Stecke war 926 m lang, teilweise leichtes auf und ab. Eine enorme Steigung (!!!) war  ca. 8m lang und für mich und die meisten anderen Läufer nur zu gehen.
Nach einer Nacht in der neuen Unterkunft erfolgte um 12Uhr der Start. Den Lauf ging ich sehr ruhig an, um nicht wie im letzten Jahr nach 30km Leistenprobleme zu bekommen.
Meine km nach je 24 Stunden:
24 Std  107 km
48 Std  182 km
72 Std  263 km
96 Std  344 km
120 Std  424 km
144 Std  508 km 
Die letzten 6 Tage-Läufe hatte ich festgestellt, dass bei schmerzenden, brennenden Füßen es für mich das Beste ist, ca. 15min die Schuhe auszuziehen und die Füße hochzulegen! Danach sind sie fast wie neu und laufen geht dann wieder.
Bei Müdigkeit reicht das nicht aus. Nach der 2.Nacht brauche ich schon 2-3 Std. Schlaf. Bei kürzerem Schlaf ist nach 2-3 Runden wieder das Bett angesagt!
Sehr wichtig ist bei jeder Pause, sich einen Wecker zu stellen. In einer Nacht wurde ich vom Wecker aus dem Schlaf gerissen. Ich hörte  es regnen und dachte, da bleib ich noch kurz liegen ohne den Wecker erneut zu stellen und schlief sofort wieder ein. Da waren anderthalb Stunden zum Laufen weg!
Die Zeit vom Klingeln des Weckers mit Aufstehen und Anziehen bis auf die Strecke zu gehen, ist das, was am meisten Überwindung während der 6 Tage kostet. Da stellt man sich ab und zu die Frage, was man hier eigentlich macht. Auf der Strecke nach ca. 500m ist dann alles wieder gut….
Balaton8
Norbert mit Silke und Peter Ludden
Die Deutschen Teilnehmer:
Silke Gielen, 782 km (Deutsche Bestleistung und AK W55-WR)
Wolfgang Schwerk, 782 km
Edda H. Bauer, 574 km (Deutsche Bestleistung AK W70!!)
Stefan Mack, 532 km
Martina Hausmann, 508 km
Norbert Künkel, 508 km
Peter Ludden, 422 km
In der Teamwertung sind die drei besten Läufer des Landes vertreten. Hier erreichte das deutsche Team den dritten Platz hinter Frankreich und Schweden.
Balaton6
Der Lauf ist gut organisiert. Läufer-Verflegung ist gut, das Mittagessen war nicht nach jedem Geschmack (Pastaalarm), man kann es nicht jedem recht machen. Das Organisationsteam ist super!! Im nächten Jahr wieder.
Balaton7
Wenn man sein Ziel erreicht hat, weiß man, dass man alles richtig gemacht hat. Herzlichen Glückwunsch, Norbert!
Weitere Infos findet ihr auf der Homepage des Veranstalters: www.emusport.hu
Text: Michael Irrgang und Norbert Künkel, Fotos: Norbert Künkel, 15.5.2017

Letztes Wochenende fand der WHEW statt. Das Akronym kommt von vier der sieben Städte, die auf einer großen Runde rund um Wuppertal durchlaufen werden. Der Lauf geht über 100 km und führt überwiegend auf Radwegen, teils aus umgebauten, nicht mehr benutzten Bahntrassen, durch das südliche Ruhrgebiet.

WHEW B

KathiUnter LG Ultralauf waren einige Teilnehmer gemeldet und kamen auch alle mit guten Ergebnissen ins Ziel. Katharina belegte in der Frauenwertung einen beachtlichen 6. Platz und konnte ihre Altersklasse ebenso gewinnen wie Konrad Vogl und Franz Holzleitner.

Insgesamt gab es dieses Jahr nicht nur einen Teilnehmerrekord mit 125 Männer und 27 Frauen in der Ergebnisliste, sondern auch neue Streckenrekorde durch Falko Gallenkamp und Simone Durry.

Platz Zeit Name AK AK-Platz
24 10:27:29 h   Vogl, Konrad M55  1
34 10:50:34 h   Minnebusch, Dirk M45  7
45 11:17:14 h   Bey, Katharina W20  1
62 11:44:56 h   Holzleitner, Franz M65  1
100 12:39:27 h   Rosenau, Dietmar M55  3
115 12:59:58 h   Luther, Mario M55  5

WHEW A

Dietmar vor dem Start und Mario bereits bei km 50.

Anbei ein Bericht von Mario Luther

Wer mich kennt, der weiß, dass ich immer noch dabei bin, mich zurück zu kämpfen. An den immer wieder auftretenden Schmerz im rechten Bein und der Taubheit an der rechten Schienbeinkante habe ich mich mittlerweile gewönnt. Fakt ist, ich kann laufen und darüber freue ich mich jeden Tag.
Mit wenig Training in den Beinen, etwa 30 Kilometer in der Woche und alle zwei Wochen einen gemütlichen Gruppenmarathon auf dem Kölnpfad (Veedels Verzäll), war das nicht viel, was ich da im Vorfeld abgespult hatte, deshalb hatte ich auch bedenken, ob ich das Ding rocken könnte. Aber es lief besser als ich gedacht habe.
Am Samstag stand ich schon sehr früh um 4 Uhr auf, denn der Start war pünklich um 7 Uhr. Es waren eine ganze Menge von bekannten Läufern mit dabei. Einige der Lauffamilie: Frank Konkel, Martin Joist, Betty Mecking, Dietmar Rosenau, Norbert Koschlitzki, Konrad Vogl, Andreas Häußler, Frans Holzleitner, Manfred W-bach und noch einige mehr, die ich vielleicht übersehen habe.
Ich lief dann gemütlich los, nach dem Motto "mal sehen, ob es möglich, ist den 100 Kilometerlauf zu packen". Mit meinen Freund Norbert Koschlitzki lief ich bis zu Km 25, danach trennten wir uns, bei Norbert lief es nicht so gut , aber das lies ihn nicht davon abhalten seinen Weg zum Ziel zu finden, klasse mein Freund.

WHEW C

Mario kann kurz vor Schluss immer noch für ein Foto lächeln.

Meine Pace war so bei 6: 40 min pro km, was ab Km 75 aber langsamer wurde. Die Strecke war prima zu laufen, die Eindrücke der Landschaft und der vereinzelte Stadtabschnitte waren toll. Als ich dem Ziel immer näher kam, packte mich nochmal richtig mein Kämpferherz und als ich bei Km 90 auf meine Uhr schaute, fing ich an zu rechen: wenn ich jetzt nicht so viele Gehpausen einlege und ich nach hinten raus noch etwas beschleunigen kann, kann ich das Ziel noch unter 13 Stunden schaffen. Es war hammerhart; mir taten alle Gräten weh, aber ich zog es bis zum Ziel durch. Als es in den Zielbereich ging, dachte ich erst, ich wär knapp drüber, aber ich irrte mich im nachhinein.
Ich lief die 100Km in 12:59:58 Std. und bin mehr als zufrieden, ich bin happy hoch drei und habe alles richtig gemacht!

WHEW D

Wären seine Ziele, eine Zeit unter 13 Stunden und ein Platz unter den ersten 100 gewesen - so hätte es nicht genauer passen können!

Text: Michael Irrgang und Mario Luther, Fotos: Mario Luther und Michael Irrgang (Archiv), 12.05.2017

 

Eigentlich fuhr ich in die vollkommen verkehrte Richtung – ich war beim Kirbachtal-Lauf für den sogenannten Stromberg-Extrem gemeldet. Zum dritten Male wäre ich dort gestartet. Ein wunderbarer kleiner Landschaftsultra durch die Weinberge und Wälder rund um Ochsenbach bei Ludwigsburg. So wäre die A6 nach Westen meine Richtung – ich fuhr jedoch kurz nach Osten, um dann nördliche Richtung nach Würzburg und Kassel weiterzufahren. Der Lauf wurde mangels Beteiligung abgesagt und so war ich auf dem Weg zum Bilstein-Marathon, um dort den Ultra (57km) zu laufen. Das war mein kurzfristiger Ersatz. Ich musste schon einen Tag vorher anreisen, denn der ca 4stündige Anfahrtsweg und die Startzeit um 8:30Uhr vertrugen sich nicht. Ich kam gut durch den Samstagsverkehr nach Kleinalmerode – pünktlich zur Startunterlagenausgabe (in einem ehemaligen Tante-Emma-Laden) und zum überwältigenden Nudelbuffet (7,50€ Beitrag) im Bürgerhaus war ich da. Viele Läufer kennen den BiMa, wie er liebevoll genannt wird, vom vergangenen Jahr, denn dort wurde die Trail-DM auf einer leicht modifizierten Strecke (65km) ausgerichtet. Nun hieß es: Back to the Roots – und es wurden wieder die vormals 57km gelaufen, für mich ist Premiere hier.

BiMa 1

Kaum stieg ich aus dem Auto, fiel ich fast über Karl Rohwedder und seine Frau Cornelia. Ich hatte Sie heuer schon mehrmals bei Läufen getroffen und der Höhepunkt werden 19 gemeinsame Etappen beim Deutschlandlauf sein. Er meinte, ich müsse morgen wohl nicht frieren, wie vergangenes Wochenende am Seiler See – gut so!

Ich holte meine Unterlagen und ging alsbald zur Pastaparty – geschätzte 30 verschiedene Nudelgerichte gab es hier, da war wirklich für jeden das Passende dabei. Ich führte einige, interessante Läufergespräche und ließ es mir reichlich schmecken. Nebenbei warf ich einmal einen kurzen Blick auf die ausgehängte Ultralaufstrecke samt Höhenprofil (ca 1.500HM), aber wie sich am nächsten Tag herausstellen sollte, nicht aufmerksam genug.

Anschließend fuhr ich in mein Quartier ein paar Dörfer weiter – sehr ländlich hier, dachte ich mir auf der Fahrt dorthin. Nach etwas Fernsehen und einer halben Stunde Stabi-Training bereitete ich alles für den nächsten Tag vor und schlief gut.

Die Zimmerwirtin hatte mir ein Frühstück ab 6Uhr zugesichert – man hatte sich auf die Startzeiten des BiMa eingestellt und die Wanderer des Marathons starteten bereits um 7:30Uhr.

So erreichte ich den Startpunkt zeitig um 7:45Uhr, es wurde gescherzt und Läufergeschichten ausgetauscht, so verging die Zeit wie im Flug – 8:30Uhr, Startschuss und los ging es.

BiMa 0

Es war neblig und etwas frisch, deshalb hatte ich mich für ein Shirt mit langen Ärmeln (minimal zu warm) entschieden, die knielange Hose ist absolut ideal. Anfangs ging es flach, sogar etwas bergab, doch das änderte sich schnell. 1.500HM auf 57km müssen ja irgendwo „versteckt“ sein. Im Allgemeinen wurde auf gut laufbaren Feldwegen – manche bezeichnen sie als Forstautobahnen (ist dann doch übertrieben) gelaufen – doch der Organisator Gerno Semmelroth rühmte sich auch seiner Trailpassagen, die hatten es in sich und da war große Aufmerksamkeit angesagt.

Ich komme ganz gut voran und bemerkte keine bösen Nachwirkungen vom Seiler See letztes Wochenende. Wir waren irgendwo bei Km 25-30 und hatten einige nette Trails und tolle Ausblicke schon hinter uns, als es leicht bergab über einen Wurzelpfad durch dichten Wald ging. Für mich bedeutete das Alarmstufe ROT. Da ich nur auf einem Auge sehe, ist bei mir höchste Aufmerksamkeit gefordert. Kein Blick zur Uhr (sie gibt akustische bzw vibrierende Signale). Wenn ich zu weit vorausschaue, besteht große Gefahr eine Wurzel oder sonstiges direkt vor mir nicht mehr präsent zu haben …. und auf die Fresse zu fliegen – dieses Szenario kenne ich zur Genüge, selten viel passiert, aber wer sagt denn, dass es so bleibt. Weiter in rasanter Fahrt (geschätzte 5:30 Pace) über Stock und Stein – ich hörte ein Klack, so wie sich ein Hängenbleiben an einer Wurzel anhört ….. fliege ich schon? Nein – ausnahmsweise war das mein Vordermann. Bis ich bei ihm war, rappelte er sich schon wieder auf. Ich half ihm auf und er versichert mir: Alles Okay! Nochmals umgedreht – schien so …. Und weiter ging es. Während der nächste VP nahte, bemerkte ich, wie mich das anstrengte – mit einem Auge ist das Blickfeld nun mal eingeschränkt, doch mit diesem Handicap bin ich ja aufgewachsen – mir kam ein Vergleich in den Sinn. Ein PC (Virtualisierungsrechner) müsste all diese Eindrücke in Echtzeit verarbeiten und die Gliedmaßen entsprechend steuern – linkes Bein, Ausfallschritt, rechtes Bein weiter nach rechts , linker Arm ausholen zur Gleichgewichtsverlagerung …. und dergleichen – unterwegs mit 5:30min pro KM. Ich denke, es bräuchte schon einen halbwegs leistungsfähigen Rechner, der damit klarkommen würde und gerade im Moment hätte der Prozessor wohl Schwerstarbeit zu verrichten, würde eventl sogar heißlaufen…. Was für eine Vorstellung – sie amüsierte mich geradezu. An der VP versuchte ich meine Eindrücke in Kurzbeschreibungen zu artikulieren – ich hörte den Kommentar: Der ist ja KRASS drauf – ich musste grinsen und weiter ging es.

Ein Motto des BiMa: Flach ist anderes – wie wahr! Es ging quasi nie eben, stetig auf und ab – in meinem Hinterkopf hatte sich eingeprägt: höchste Stelle war bei ca 48-50km am Bilstein. Das war falsch – Bilstein stimmte, doch der war bei KM43 erreicht. So passierte es – ich lief ca KM38 (längere Bergabstrecke hinter mir), war mit meiner Pace nimmer so zufrieden – dachte grade so, das wird nix mit „an die 6Std“ –da kam ja noch viel Berg hoch, also wohl eher 6:15 – 6:30Std. Nun sah ich auch schon einen langgezogenen Anstieg vor mir …. Und das war sicherlich noch lange hin zum Hauptaufstieg…. Ich ärgerte mich grade ein wenig – was also tun?

Dieser Anstieg vor mir war ja nicht der Anstieg zum Bilstein und ich war jetzt schon „zu langsam unterwegs“ – nun hochgehen, wie all die Anderen …. normalerweise auch ich – NEIN! Ich versuchte es mit einem banalen Psychotrick: Das ist kein Berg, das sieht nur ein wenig so aus – also laufe gefälligst. Ich versuchte es und es ging tatsächlich …. Ich lief… es wurde steiler und ich lief weiter und lief weiter. Ich sah überraschte Blicke meiner Mitläufer (im Augenblick mehr Geher) – die ich gerade überholte. Da waren eisige, fast giftige Blicke dabei – ja wenn Blicke töten könnten … ich spürte sie im Rücken und genoss sie – stechende Blicke – wunderschöööön. Da vorne blickte sich einer um, lief auch an …. um nach 100m wieder in den Schritt zu verfallen, ich trabte auch an ihm vorbei *HERRLICH*

Was würde mich dieser Raubbau an meinen Kräften kosten? Mir war es gerade sowas von egal! Ich lief weiter und weiter bergauf – es nahm kein Ende und ich lief nach ca 2-3km immer noch. Erst als ich plötzlich noch etwas entfernt eine Blaskapelle hörte, keimte in mir der Verdacht, dass das der Bilstein-Gipfel sein könnte, denn ich hatte von der Blaskapelle am Berg gelesen. Immer noch ungläubig lief ich an der Musik vorbei – feuerte sie noch an, dann ging's an einer Ausflugsgaststätte vorbei – ein kleiner VP. Ich frage: Bin ich oben am Bilstein, ist das der höchste Punkt? Tatsächlich, so war es – ich jubelte innerlich – viel bergauf sollte nimmer kommen. Es ging erstmal etwas gefährlich ca 1km zum nächsten, "echten VP" abwärts – ich war immer noch verhalten und ungläubig. Am VP zweigten nun die Halb-Marathonis ab, wir liefen nach rechts. Ich wollte es nochmals hören – ja das war der höchste Punkt, nun hauptsächlich bergab! Ich sah eine langgezogene, leicht kurvige Downhill-Strecke – das lasse ich mir nicht zweimal sagen …. Mit breiten Grinsen jagte ich bergab – ich holte mir einen nach den anderen Läufer, die da so vor mir waren – ob Marathonis oder Ultras – einerlei, auch ein paar Wanderer sind unterwegs. Ich rannte – nein ich "flog" den Berg hinunter. Ich konnte es mir geradezu aussuchen, wann und wie ich den nächsten überhole – da wehrte sich einer. Ich blieb hinter ihm …aber nur für 10sec – dann nahm ich die „Innenbahn“ und ließ ihn quasi stehen *JUCHEEE*

So jagte ich KM und KM abwärts – über jeden Läufer vor mir freute ich mich – heute wurden keine „Gefangenen“ gemacht! Doch wie lange konnte ich das durchhalten? Würde das gut gehen? Was war beim nächsten „kleinen Anstieg“? Der nächste Trick, ich redete mir ein: Was soll schon sein – ich lasse es darauf ankommen!

BiMa 2

Ich genehmigte mir 2x kurz Zeit für einen Blick zur Laufuhr – KM in 4:45min, nächster KM in 4:48min. Wahnsinn – und ich lief auf KM51 zu. Es kam dann tatsächlich ein kleiner Anstieg – egal ich gab weiter Gas … ob es mich gleich zerlegt? – die CPU hat keine Ruh‘ – ich jagte weiter. Da vorne der leichtfüssige Läufer mit Hund (mit eigener Start-Nr.) der mich schon bei KM15 hinter sich ließ – ein Opfer! Nun eine Läufergazelle (so bezeichne ich fast schwebende, schnelle und ausdauernde Läuferinnen, die so ca 50kg wiegen) – auch ein Opfer …..

Wieder bergab, aber heftig da stand in einer engen Kurve ein Schild: VORSICHT – ich hab’s gesehen, aber galt das auch für „Tiefflieger“ – JA!! Fast hätte es mich aus der Kurve geschmissen – da steht eine Läuferin, sprang zur Seite, da ging es eine steile Treppe hinab – ich sprang ….. und alles geht gut *WOW*

Nun sollte noch ein Trailstück kommen und ein letzter Anstieg – hatte ich eben am VP vernommen … das Trailstück wird knifflig, eine Art schmale Serpentine abwärts, gespickt mit Steinen und ein paar Wurzeln – da vorne lief noch einer, eine Art Hipster … zumindest sein Bart sieht so aus.

Es war ein junger Hipster, der sich heftig wehrte …. Ich kam tatsächlich an ihm vorbei. Dann bergauf – ich musste nun doch ein paar Schritte gehen – er auch … er ließ nicht locker. Wir überholten uns jeweils nochmals, als es noch ca 800m zur Ziellinie waren, hatte er dann doch die größeren Reserven, auch gut! Im Ziel sah ich, dass er ein Marathoni und kein Ultra war – ich beglückwünsche ihn und er erzählte mir, es ist sein erster Marathon gewesen – das hatte ich doch schon am Bleilochsee. Ich musste einfach nur noch ganz breit grinsen – was für eine Hatz heute, hat das Spaß gemacht! Wo kam die Kraft her - ich hab sie mir einfach genommen – das war heute mal Wettkampf pur. Ein 20.Platz bei über 120 Starter (AK55 Platz 3) – die AK50 hätte ich mit meinen 5:46Std gewonnen.

BiMa 4

Ich gönnte mir eine leckere Bratwurst, fuhr mit dem Feuerwehr-Shuttle zum Duschen ins Sportheim, anschließend noch aus der Riesenauswahl Kuchen bedient, ein paar Kaffeeschwätzchen und fuhr dann die 4 Std nach Hause … immer noch mit breiten Grinsen! Ein gelungener Ausflug zum Bilstein!

Hier das Ergebnis:

MWPl Startnr. Name Jahrg. m/w AK Verein Zeit

18. Roland Krauss 1962 m Senioren M55 LG Ultralauf / 100 Marathobclub 5:46:10

38. Karl Rohwedder 1955 m Senioren M60 100 Marathon Club 6:11:53

12. Cornelia Rohwedder 1965 w Seniorinnen W50 LG Mauerweg Berlin e.V. 6:39:19

BiMa 3

Extrawertung:

Hund 1. 33 Bella Moya 1920 Crazy Running Team 5:49:52

Text: Roland Krauss, Fotos: Hartmut Neugebauer, Benjamin Sperl und Roland Krauss, 11.5.2017