Laufgemeinschaft der Deutschen Ultramarathon-Vereinigung e.V.

Ursprünglich hatte ich den Ottobrunner 6 Std-Lauf geplant, da aber der Freiburger Marathon nur 60km von meinem Wohnort entfernt stattfindet, hatte ich diesen vorgezogen. Auch, weil dieser Marathon mit dem bisherigen Veranstalter wahrscheinlich zum letzten Mal stattfand, wollte ich nach 8 Jahren noch einmal dort laufen. Der Lauf war diesmal rechts herum auf etwas geänderter Strecke, die ich wesentlich schöner fand, obwohl er mehr Höhenmeter hatte.

Freiburg1

Da ich als Läufer nicht gerne lange Wege zum Startgelände gehen will, fuhr ich bereits 2,5 Stunden vor dem Start auf den Parkplatz in Startnähe. Noch war es verhältnismäßig ruhig, aber das änderte sich schnell. In der Halle 4 gab es Kaffee und die Zeit verging mit einigen netten Gesprächen schnell. Mit kurzer Hose und kurzem T-Shirt ging es dann für mich in den Startblock B, in dem sich fast nur Halbmarathon-Läufer befanden. Der Start war auf 11 Uhr 15 angesetzt, aber bis sich unsere Läufergruppe in Bewegung gesetzt hatte, war es 11 Uhr 30.

Freiburg2Meine Zeitvorgabe sah ein Tempo von 5:30 eventuell 5:25 min pro Kilometer vor, die ich aber immer gerne nach unten zu meinem Nachteil änderte, so auch diesmal. Die Garmin zeigte anfangs eine Durchschnittspace von 5:15 an. Eine Zeit, die ich niemals auf 42 km durchhalten würde. Nach 20km an der leichten Erhöhung zum Ende der ersten Runde war mir schon klar, dass ich bei der nächsten Runde so kurz vor dem Ende hier würde kämpfen müssen.
Nach 25km nahm die Erwärmung zu, so dass ich mir das T-Shirt auszog. Nun nahmen auch die Kilometerzeiten ab, was ja zu erwarten war.
Endlich kam die Erhöhung, die wie befürchtet, zu einem richtigen Berg wuchs, 10m gehen, 100m laufen wechselten sich ab. Auf der Zielgeraden habe ich noch einen Mitläufer überholt und war mit einer Zeit von 3:57:49 im Ziel und erreichte damit den 2.Platz in meiner Altersklasse.
In der Messehalle wartete nach der Dusche eine Portion leckerer Maultaschen auf ihren Verzehr. Nach einigen Gesprächen war der Freiburg Marathon beendet und ich begab mich auf den Weg nach Hause.

Text und Bilder: Franz Holzleitner, 5.4.2017

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Die Zugläufer 2017 mit 4 Mitglieder der LG Ultralauf

Am Sonntag fand die 17. Auflage des Bonn-Marathons statt. Gefühlt bin ich schon immer dabei, aber tatsächlich war meine erste Teilnahme der zweite Bonn-Marathon 2002. Damals rollte ich auf Inlinern durch die Stadt. 2003 folgte dann die erste Teilnahme als Marathonläufer und 2004 lief ich dort eine Marathonzeit 3:01:56, die ich im November des gleichen Jahres auf unter 3:00h verbessern konnte. Das Thema Marathonbestzeit hatte sich damit erledigt. 2005 lief ich dann in Bonn einen Halbmarathon und konnte mit einer Zeit von 1:24:19 den Viererschnitt um wenige Sekunden unterbieten. Damit war auch dieses Lebensziel abgehakt und ich konnte mich den wirklich interessanten Dingen zuwenden, nämlich den längeren und den Landschaftsläufen.
Doch wie es der Zufall so wollte, stand ich 2006 wieder an der Startlinie. Der Veranstalter suchte kurzfristig Ersatz für den ausgefallenen 3:30-Zugläufer und so führte ich zum ersten Mal eine Gruppe in 3:29:13 ins Ziel. Und weil das so gut geklappt hatte, durfte ich im nächsten Jahr wieder ran und eine Serie begann. In meiner langfristigen Planung konnte ich mir gar nicht vorstellen, vor meinem 70. Lebensjahr diesen Job als 3:30-Zugläufer wieder abzugeben. Nach dem dritten Mal wusste ich die Zwischenzeiten alle auswendig, was zugegebenermaßen für einen 3:30 Zugläufer auch recht einfach ist, und perfektionierte die Fähigkeit, während des Laufes durchgehend Geschichten zu erzählen.
Bonn hat den Charme, dass es von meinem Wohnort aus der nächste Marathon ist und so kann ich morgens bequem mit dem Fahrrad hinfahren. Bonn ist auch nicht so voll, die Wege sind kurz und die Zielverpflegung gut. Kurz: Ich mag den Marathon! Außerdem ist der Marathonsonntag Anfang April oftmals der erste schön warme Tag im Jahr. Das ist schön für mich, aber schlecht für die Läufer, die sich im Winter bei deutlich kühleren Temperaturen auf ihre ehrgeizigen Ziele vorbereitet und aufgrund des Wetters leider keine Chance auf Erfolg haben.
Seit etwa 10 Jahren stelle ich die Zugläufer nun schon auf. Das ist meist kein Problem, da mein lokaler Verein, die Troisdorfer LG M.U.T., über genügend gute und erfahrene Läuferinnen und Läufer verfügt. Ergänzt wurde die Gruppe meist durch gestandene, prominente Ultraläufer wie beispielsweise Rene Strosny, Benedikt Strätling, Jan-Hendrik Hans, Roland Riedel, Simone Durry oder Sigrid Hoffmann.
Eine Krankheit führte dazu, 2012 mehrere Monate nicht laufen zu können und ich die Fähigkeit, den Marathon in 3:30 zu laufen, endgültig verlor. So machte ich mich fortan mit den Tempotabellen und Besonderheiten der 4:00- und 4:30-Läufer vertraut und startete sogar zweimal als Schlussläufer, was zweifelsfrei eine interessante, aber keinesfalls eine erstrebenswerte Aufgabe ist.

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2013 lief ich mit Simone Durry 4:00, Hady Lavalata und Roland Riedel liefen 3:30, mittig unserer Betreuer Jürgen Mosler.
Wie im Großen nicht jeder Plan funktioniert, so ist es auch im Kleinen. Hatte ich für die 2017-Auflage vermeintlich alles top vorbereitet, so fielen letzten Dienstag beinahe gleichzeitig ein 3:00- und ein 4:30-Läufer aus. Ich selbst war zunächst gewillt, 4:00h zu laufen, habe mir jedoch blöderweise montags noch eine Zerrung eingefangen und wusste nicht, ob ich überhaupt starten könnte. So bin ich in die 4:30er Gruppe gewechselt, derjenige, der zuvor für 3:30 eingeplant war, aber wegen eines krankheitsbedingten Trainingsrückstandes abgesagt hatte, hat sich kurzfristig bereiterklärt, 4:00 zu laufen und für die 3:00 haben wir ein Fahrradfahrer aus der Top-Athletenbetreuung abzweigen können. Gut, wenn man flexible Freunde hat!
Am Sonntagmorgen war ich megaaufgeregt! Würden die Teams gut harmonieren und durchkommen? Würde meine Wade halten? Viele Leute trainieren sehr hart und leben abstinent, um ihre Wunschzeit zu erreichen und vertrauen sich blind den Zugläufern an, die eine immense Verantwortung haben! Über die Leistung der Zugläufer und deren Renneinteilung wird jahrelang diskutiert, insbesondere wenn sie subjektiv schlecht war und die eigenen Ziele nicht erreicht wurden.
ZL Bonn1Morgens trafen wir uns, um die Shirts, Hosen, Startnummern und gute Tipps zu verteilen und ein Foto zu machen. Leider hatte ich mir eine falsche Startzeit gemerkt und trieb so etwas unnötig zur Eile. Aber schließlich brachten wir die Kleiderbeutel weg, wünschten uns gegenseitig viel Erfolg und begaben uns in die Startblöcke, um die Leute ein wenig kennenzulernen.
In der Situation heißt das Ziel „Zuversicht zu verbreiten“, was Sigrid Hoffmann und mir als 4:30-Zugläufer schon gelang, indem wir uns vorstellten und unseren Plan erläuterten. Die Fragen betrafen den Unterschied zwischen Brutto- und Nettozeit und wieviel man trinken muss. Ja, ja, die Hälfte der Leute um uns herum lief am Sonntag ihren ersten Marathon. Es knisterte vor Aufregung. Dann fiel der erste Startschuss, aber es dauerte noch ein wenig, bis auch wir loslaufen und die Startmatte überqueren durften. Der erste Kilometer ist der schwierigste. Ideal ist 15 bis 30 Sekunden über dem Durchschnittstempo, zumal es in Bonn direkt nach der ersten Kurve zum ersten Mal über die Kennedybrücke mit ein paar Höhenmeter geht.
Passte perfekt. Auch der zweite Kilometer ist nicht einfach. Jetzt geht es von der Brücke runter und die Beine wollen befreit loslaufen, aber auch jetzt gilt die Regel „Langsamer als gedacht ist meistens genau richtig“. Die Zeit war ebenfalls gut. Nun galt es langsam zu beschleunigen. Wir hatten Platz zum laufen, die Temperaturen waren angenehm. Start geglückt; wunderbar, alles im grünen Bereich. Wir hatten für jeden Kilometer ein ungefähres Lauftempo geplant und für alle 5 km eine Zwischenzeit. Die ersten 10 Kilometer waren wir etwas (im Sekundenbereich) zu langsam und wurden daher nach der zweiten Brückenquerung am Bonner Rheinufer mit Rückenwind etwas schneller. Bei km 20 waren wir noch 7 Sekunden hinter dem Plan, beim Halbmarathon hatten wir sekundengenau unsere geplante Durchgangszeit erreicht.
Aufgrund der zu erwartenden mittäglichen Wärme und des Kräfteschwundes wollten wir die erste Hälfte etwa 3 Minuten schneller als die zweite laufen, was für Anfänger sicherlich eine gute Strategie ist. Wir wurden auch langsamer, aber nicht langsam genug. Es fehlten stets 3 Sekunden pro Kilometer! Fanden wir nicht schlimm, da die in der Gruppe verbleibenden Leute das Tempo mühelos mitgehen konnten und wir im Abschnitt zwischen km 36 und 40 Gegenwind erwarteten. Aber wie es halt so ist als Zugläufer, einige bekommen Probleme und fallen zurück, während andere zum Endspurt starten. Und so mussten Sigrid und ich die letzten Meter alleine traben. Wir verzichteten auf taktische Spielereien, um die Zielzeit zu optimieren und liefen gleichmäßig durch und etwas früher als geplant in 4:28 über die Zielmatte.
Anschließend ging es ins Verpflegungsdorf, wo mit Speisen und Getränken die geleerten Speicher wieder aufgefüllt und nette Geschichten über das Erlebte ausgetauscht wurden. So traf ich die Vereinsmitglieder Jan Förster, der seinen fünfzigsten Marathon erfolgreich beendet hat und Mario Luther, der in der zweiten Hälfte schwer zu kämpfen hatte. Glückwunsch euch beiden!

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Als Zugläufer liefen von der LG Ultralauf Katharina Bey und Stefan Henscheid gemeinsam und souverän 3:59 Stunden.

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Stefan Beckmann mit seinem Partner Jürgen Mosler ebenso klasse 3:29.
Text Michael Irrgang, Bilder: Michael Irrgang, Stefan Beckmann und André Willems, 5.4.2017

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Von der ersten Idee, einen eigenen Laufwagen für mehrtägige Lauftouren zu bauen, sind bis zur Fertigstellung etwa drei Jahre vergangen. Da der Laufwagen eine ebene Fläche haben sollte, war das gar nicht so einfach und mit einem Jogger lässt sich das nicht umsetzen. Die ersten Konstruktionen waren zu schwer oder zu instabil. Einen Wagen wie Robert Wimmer es macht, mit Hüftgurt hinter sich herzuziehen, hat bei mir überhaupt nicht funktioniert. Bei einem Testlauf hat es mir durch den ständigen Druck und Zug ordentlich das Becken verdreht. Also alles noch einmal von vorne und so konstruieren, dass ich das auch ohne Werkstatt ganz einfach zurechtsägen und zusammenschrauben kann. Im Internet bin ich irgendwann über ausgesprochen leichte Rollstuhlräder mit Industrielagern und Steckbolzen gestolpert. Eine Holzplatte in Kombination mit Aluprofilen brachte dann auch endlich die nötige Stabilität. Jetzt ging es daran die richtigen Abmaße, den passenden Radstand zu finden und mit der Schubstange abzustimmen. Schließlich muss sich der Wagen beim Laufen mit einem Finger steuern lassen. Mit dem alten und viel zu schweren Vorderrad war das nicht wirklich möglich. Also Felge, Speichen, Vorderradnabe mit Industrielagern im Internet recherchieren, bestellen, einspeichen, Bremse anbauen, fertig. Naja, ganz so einfach war das alles nicht und das Vorhaben musste auch immer mal wieder über sehr viele Wochen einfach liegen bleiben.

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Am Sonntag (26.03.) war es dann so weit. Ich hatte Zeit, der letzte Wettkampf (6h DM Münster) liegt zwei Wochen zurück, der Laufwagen ist fertig und das Wetter verspricht richtig gut zu werden. Nun stand der ersten längeren Testetappe von 60km nichts mehr im Wege.
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Meine Testetappe habe ich von zu Hause aus gestartet. Nicht weit von mir beginnt in Bochum der neue Springorumradweg (Bahntrasse). Der erste Eindruck vom Laufwagen ist wirklich gut. Trotz der leichten Steigung läuft er super leicht.

Minnebusch4bVom Schlosspark an der Hattinger Straße führt dann ein schöner Weg durch den Wald zur Ruhr runter nach Bochum Dahlhausen. Dieser Teil wird übrigens auch noch als Radweg ausgebaut. Bis dahin waren es angenehme 17km. Flussaufwärts und mit leichtem Gegenwind ging es über den Ruhrtalradweg weiter bis zum 18km entfernten Kemnader See. Nach einer Ehrenrunde um den See (10km) folgte erst einmal eine ausgiebige Kaffeepause. So hatte ich mir das vorgestellt. Laufen und genießen. Vom Kemnader See waren es am Ende noch einmal 15km mit der einen oder anderen Steigung zurück nach Hause. Prima, der Testlauf hat perfekt funktioniert. Eine mehrtägige Tour kann folgen…..
Bei der Tour hat nicht nur der Laufwagen für neugierige Blicke gesorgt. Ich bin auch mehrfach auf unser schönes Trikot und den Ultralauf an sich angesprochen worden.

 

Hier noch weitere Eindrücke vom Ruhrtalradweg.

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Text und Bilder: Dirk Minnebusch 31.03.2017

Kelheim0Vor zwei Jahren, ich hatte gerade mal in die Ultralaufszene hineingeschnuppert, startete ich zum ersten Mal in Kelheim. Es war damals ein 10Std-Lauf (bzw 100km). Es sollte eine Vorbereitung für meinen damaligen 100km-Biel-Plan sein. Wobei für mich damals klar war, dass ich in 10Std kann ich keine 100km schaffen kann, aber ich wollte wenigstens in die Nähe kommen.

Doch es kam eben alles anderes – selbst der aufkommende Regen konnte mich damals nicht stoppen und ich war richtig gut unterwegs. Bei KM 60,7 begann ich wilde Hochrechnungen, die jedoch alle zum Ziel kamen, ich könnte (kein großer Einbruch vorausgesetzt) die 100 km innerhalb der 10Std schaffen. So lief ich damals volllkommen unbekümmert einfach weiter was das Zeug hielt, bzw die Beine hergabe. In sage und schreibe 9:20 Std war ich bei meinem ersten 100er im Ziel. Der Vollständigkeit halber: In Biel konnte ich die Zeit dann noch auf 9:02 Std verbessern.

So fuhr ich am Sonntag, den 26.März wieder nach Kelheim – aus dem 10Std ist nun ein 6Std-Lauf geworden. Eine ideale weitere Vorbereitung also.

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Ein gewaltiger Vorteil war, dass ich die Strecke kannte: Eine Stadionrunde, dann raus und eine größere Runde um das Stadion, dabei ging es u.a. eine heftige Rampe hoch zum Rhein-Main-Donau-Kanal.

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Auf diesen Damm pfiff uns gelegentlich stärkerer Gegenwind um die Ohren. Doch ansonsten war es fast frühlingshaft warm – super Laufwetter!

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Weiterhin war mir bekannt, dass es dort entsprechend des geringen Startgeld, nur eine sehr einfache Läuferverpflegung gibt. Doch ich hatte mich entsprechend gewappnet – das klappte auch ganz gut, weil mich ein guter Lauffreund, Anton Lautner aus meiner Eigenverpflegung versorgte. Er war diesmal in einer Zweierstaffel mit seiner Lebensgefährtin unterwegs und hatte somit immer mal Luft, mir etwas zu reichen und nebenbei schöne Fotos zu machen.

Bei diesem Lauf gab es einige Besonderheiten: sehr viele Staffeln treten dabei an von Zweier- bis Zehner-Staffelläufer waren alle dabei, selbst einige (Nordic-)Walker nahmen die 2km-Runde in Angriff. Zudem gab es keine Restmeter-Vermessung – wer keine letzte komplette Runde mehr schafft, blieb im Ziel und hat einen Zeitvorteil gegenüber einen „Rundengleichen“.

Genauso war’s dann auch bei mir – als ich das letzte Mal auf das Ziel zulief, fehlten noch knapp 9Min auf die 6Std – das war für mich nicht mehr zu schaffen, so blieb ich am Ziel.

Doch vorher war ich passabel unterwegs – keinerlei Nachwirkungen von meinen vergangenen, intensiven Wettkämpfen und Trainingsläufen. Auch die Rampe zum Kanal hoch schaffte ich gut – ob sich wohl mein zusätzliches Krafttraining schon bezahlt macht? Ich konnte mein Tempo relativ hoch halten und lief auch zum Schluß noch viele KM in einer 5:30er Pace.

So kam ich auf 32 komplette Runden – was 64km in 5:51Std entspricht. Es bedeutete den 5 Gesamtplatz bei den Einzelstarter – somit war ich schon sehr, sehr nahe an meiner Leistung in Münster.

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Auch eine Feuerwehr-Staffel (in voller Montur) machte sich auf die 2km-Runde

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Im Ziel: von links Anton Lautner, Manfred Kranz, Henriette (Staffelpartnerin von Anton) und wieder mal ganz salzig: Roland

Text: Roland Krauss, Fotos: mit freundlicher Genehmigung Anton Lautner, 31.3.2017

Am vergangenen Sonntag liefen einige von uns beim ELKU (Elbe-Lübeck Kanal Ultra). Der Kanal ist die Binnenwasserverbindung zwischen Elbe (Lauenburg) und der Ostsee (Lübeck) und seit 1900 in Betrieb. Die wirtschaftliche Bedeutung ist heute allerdings gering, da die Schleusen größere (Container)-Schiffe nicht aufnehmen können. Beliebt ist der Uferweg jedoch für Radwanderungen…. und natürlich bei Läufern.
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vlnr: Jens Kruse, Katrin Tüg-Hilbert, Christian Mohr, Matthias Landwehr und Helmut Schöne
In der Vergangenheit war der Elbe-Lübeck-Kanal bereits Schauplatz für Ultraläufe. Jeweils in unterschiedlicher Richtung sowie auch als Nachtlauf. Ich selbst hatte an einer Austragung 2014 von Lauenburg nach Lübeck teilgenommen und erinnerte mich nicht gerade mit Freude an kilometerlange Geraden. Blick aufs Wasser hab ich als Hamburger eh schon zur Genüge.
Tobias Riedel richtete in diesem Jahr den ELKU nun zum zweiten Mal aus. Allerdings verläuft die Strecke mit ca 61 Km lediglich von Lübeck nach Mölln (etwa halbe Kanalstrecke) und zurück. Aufgrund einer Streckensperrung liefen wir jedoch die ersten 10 Km (und natürlich die letzten 10Km) an der Landstraße Richtung Krummesse und setzten erst dort den Lauf am Kanal fort.
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Briefing vor dem Lauf: Veranstalter Tobias Riedel (der mit den Blumen)
Zwei Wochen vor meinem Frühjahrshöhepunkt (PUM) passte mir der Lauf nicht wirklich, aber Katrin und Jens überzeugten mich von der Teilnahme schon frühzeitig. Kilometer hätte ich zwei Wochenenden vorher eh gemacht und "vernünftig" laufen kann ich und in Gesellschaft macht's ja auch Spaß. Doch bevor der Spoiler-Alarm kommt, lasse ich erst mal die anderen Protagonisten zu Wort kommen.
Katrin:
"Zum ersten Mal bin ich im Abstand von zwei Wochen einen Ultra gelaufen (6h-DM Münster und 61 km ELK). Ich hatte im Vorfeld keine Ahnung, wie sich das wohl anfühlt und wie das bei mir so klappen mag. Daher war meine Zielsetzung so zügig wie möglich zu laufen, aber nur nach Körpergefühl und (fast) ohne mir eine Zeit vorzunehmen: einziger Wunsch war für die 61 km unter 6 Stunden zu bleiben.
Und so lief es dann auch: zügig, anstrengend, aber ohne Stress, an den VPs bewusst ruhiges Essen und Trinken und dann weiter. In der ersten Hälfte war ich noch durch Unterhaltung abgelenkt, der Rückweg von Mölln nach Lübeck wurde dann gegen Ende doch recht einsam. Nur verwunderte Spaziergänger, die mich fragten, ob das hier eigentlich ein Marathon sei. Die letzten 10 km zogen sich ganz schön in die Länge, aber dann bin ich glücklich und zufrieden mit 5:38:19 h im Ziel angekommen, wo wir Läufer fürsorglich empfangen wurden.
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"Am schönsten Kanal der Welt"- großes Kompliment an Tobias und seine ihn in allem unterstützende Freundin Christine für die perfekte Organisation dieses wirklich schönen Ultralaufes:
Die VPs hatten alles reichlich zu bieten, worauf der Läufermagen Appetit hat und was er braucht.
Gut sichtbare Streckenposten standen an den kritischen Stellen im Lübecker Stadtrandbezirk, um einem schon von weitem zuzuwinken und die Ampel zu drücken um zügiges Weiterlaufen zu ermöglichen. Der Start-/ Zielbereich lag perfekt am Fitness-Studio: damit kühlte man morgens vor dem Start draußen nicht aus; im Ziel angekommen betrug der Weg zu den Duschen 10m.
Und dazu die nette "familiäre" Atmosphäre des ganzen Laufes. Auch der strahlende Sonnenschein und der idyllische Elbe-Lübeck-Kanal trugen ihr Bestes dazu bei.
Da hat unser traditionsgemäße After-Running-Döner gleich doppelt so gut geschmeckt   ;-)
Irgendwie alles perfekt!"
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Bei Helmut lief es schmerzbedingt nicht so zufriedenstellend. 5:47 h muss man aber auch erstmal über 61 Kilometer laufen.
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Jens:
"Einen Plan hatte ich eigentlich, Minimal-Ziel sollte eine Zeit unter 6 Stunden sein. Im Moment eigentlich kein Problem, ich fühlte mich gut. Lediglich eine Erkältung, die ich mir am Wochenende zuvor zugezogen hatte, steckte mir noch in den Knochen.
Die übliche Frage an den Rest des nettesten Ultralaufvereins der Welt ergab, dass alle ähnlich wie ich in 5:45-5:50 loswollen - prima, das passt. Aber schon nach 1-2 km zieht Katrin von dannen und auch Christian läuft mein Tempo von 5:25 mit. Bis zum 1. VP bleiben wir bei diesem Tempo zusammen: es wird viel geschnackt und gegenseitige Bremsversuche misslingen. Ich mag nach dem VP 1 nicht auf Christian warten und fange zusätzlich auch noch an, auf Katrin, die einige Hundert Meter vor uns war, aufzulaufen. Nach 5 km habe ich sie eingeholt und bei netten Gesprächen geht es munter zum Wendepunkt in Mölln (km 30). Aber2 km vor Mölln hätte mich Katrins "Du läufst 5:05, soll das so sein" und ihr anschließendes Abfallen mich eigentlich wachrütteln müssen. Aber es läuft sooo gut, es ist sonnig und warm.
Wir kommen dann aber doch zusammen am VP in Mölln an. Irgendwie mag ich nicht richtig essen und kaum stellt Katrin nach dem VP fest, dass sie 'nur' 2 Minuten vor der zweiten Frau ist, ist sie auch schon weg. Und ich breche ein. Ich weiß nicht, was es ist, aber vermutlich bin ich viel zu schnell angegangen und die restlichen 30 Kilometer werden zur Qual. Ich betrachte es, als das was es ist: eine Herausforderung und mentale Trainingseinheit für einen Ultraläufer. Immer wieder  auftauchende Gedanken, wie
- Du könntest ja 'mal gehen
- frag doch am VP, ob sie Dich mit zurück nehmen oder
- an der Bushaltestelle halte ich den Daumen 'raus
werden erfolgreich abgeschüttelt und nach 6:05h komme ich dann doch mit einer einigermaßen ordentlichen Zeit ins Ziel.
Gelernt habe ich an diesem schönen Tag am Elbe-Lübeck-Kanal, dass
- Aufgeben nur bei wirklichen Problemen eine Option ist.
- Ich besser auf meine Ernährung achten muss.
- Ich meine Laufgeschwindigkeit besser planen und - noch wichtiger! - einhalten muss.
- Dass ein Döner-Teller genau der richtige Abschluss eines Ultralauftages ist."
ELKU6Matthias:
"Ich habe mich sehr gut beim Laufen unterhalten und bin ganz gemütlich am Ende des Feldes gelaufen und habe nur ab dem Wendepunkt ein wenig Gas gegeben um auf meinen Kumpel Kay aufzulaufen. Die VPs waren wirklich sehr gut bestückt und die Strecke am Kanal sehr schön gelegen! Hoffentlich können wir im nächsten Jahr die ganze Zeit am Kanal laufen und brauche nicht mehr auf dem Radweg laufen, aber das war auch kein Beinbruch :-)"

Christian:
Puuh, kann ich dem noch was hinzufügen? Auf das Lauftempo hatten wir uns ja ohne viel Diskussion einigen können, okay zu Beginn waren wir etwas schneller, aber spätestens ab der Kanalstrecke waren meine Bremsversuche erfolgreich. Jedenfalls waren die ersten 10 Kilometer mit Jens gefühlt deutlich weniger und dank der Umleitung über die Landstraße mussten wir auch nicht am längsten Kleingartenverein der Welt vorbei. Jens wartete leider nicht nach VP1 – na warte, das rächt sich – aber mit Günther Liegmann (Veranstalter vom PUM) erreichte ich schon den nächsten Gesprächspartner und erfuhr von ihm Spannendes vom Etappenlauf auf den Philippinen an dem er erfolgreich teilgenommen hatte.
ELKU7
Zwei D.. ein Motiv;-))
Doch ab KM 15 trennten sich unsere Wege und es ging für mich alleine weiter. Zum Glück kam mir der Weg bis Mölln zunächst gar nicht so langweilig wie 2014 vor, allerdings – und das ging mir damals schon auf den Zeiger – störte mich der leicht zum Ufer hin abfallende Weg. Ganz gleich auf welcher Spur ich lief, ständig war mein linkes Bein zu kurz. Doch kurz vorm "richtig genervt sein" kamen mir die ersten Läufer vom Wendepunkt bereits entgegen. Grüßen, Abklatschen, Abfeiern … wie beim Richtungswechsel beim 24er… schon war der VP3 (Wendepunkt mit "Bergwertung") erreicht.
Zwar war auf dem Rückweg zunächst das rechte Bein zu kurz, doch ab Marathon hatte ich mich dann doch endgültig eingegroovt. Das werte ich einfach mal als gutes Signal. Der Weg zurück an der Straße war ohne Gesellschaft deutlich langweiliger als auf dem Hinweg, das steigerte die Vorfreude auf das apres-Running. Trotz Streckenposten hätte ich mich in der Stadt beinah verfranst und gleich noch einen Verfolger mit ins Verderben geleitet, aber ein Bruchteil meiner Sinnesorgane wurde wohl doch noch durchblutet…Glück gehabt. Mit 5:45h im Ziel, zumindest brutto hatte ich meine Tempovorgabe eingehalten ...
Fazit: Von wenigen Ausnahmen abgesehen ("zu kurzes Bein") hatte ich meinen Spaß, "schönster Kanal der Welt" ist natürlich mehr Marketing als Tatsache, aber das sei Tobias verziehen. Ein neuer Spitzname ... und ganz gleich ob Döner, Pizza, Pasta, Mailand oder Madrid .... Hauptsache: gemeinsames Futtern nach dem Lauf
Bericht: Christian Mohr; Fotos: Katrin Tüg-Hilbert, Jens Kruse, Christian Mohr; 29.3.2017