Laufgemeinschaft der Deutschen Ultramarathon-Vereinigung e.V.

Mein 2.Ausfall eines Laufs direkt hintereinander: der 24h-Lauf im Münchner Olympiapark wurde abgesagt – angeblich wegen schlechter Wetterprognosen. Das wusste der Veranstalter also bereits im Verlauf des Montages – dabei weiß jeder halbwegs „vernünftige Wetterfrosch“, dass Wettervorhersagen länger als 5 Tage im Voraus nicht viel wert sind. Ich persönlich glaube, dass das andere Gründe hatte und das Ende dieser Veranstaltung ist, denn schon im vergangenen Jahr klagte man über mangelnde Beteiligung.

Nun aber zu meinen Lauf, bei dem ich ersatzweise antrat: Eine Premiere - zum 50 Geburtstag des SV Schwindegg hat man sich in der starken Laufabteilung mit vielen überdurchschnittlichen Läufern einen 6 Stunden-Lauf einfallen lassen.

Schwindegg 1

Schon beim Thermenmarathon in Bad Füssing hat mir der Leiter der umtriebigen Laufabteilung Günther Weitzer, mittlerweile auch der Präsident der DUV, die ersten druckfrischen Flyer überreicht, doch damals glaubte ich ja noch an einen Start in München.

So machte ich mich auf den Weg nach Schwindegg – einfach Richtung Münchener Flughafen, daran vorbei und ca 25km über kleine Landstraßen – schon war ich da. Der Aufbau war gerade im vollen Gange. Ich begrüßte Günther Weitzer sowie Rainer Leyendecker, den ich (wie sicherlich viele andere Läufer) von vielerlei Laufveranstaltungen kenne. Ein toller sympathischer Sportsmann, der meistens seine AK M60 dominiert und klasse Leistungen am Stück abliefert. Heute war Er nicht als Läufer gefragt, Er war mittendrin in der Organisation des Laufes.

Schwindegg 2

Als ich nach den Startunterlagen meine Tasche aus dem Auto holte, fiel mir gleich am Eingang das DUV-Schild „Förderstützpunkt“ auf. Ein weiterer oftmaliger Laufkollege hat hier auch die Alternative gefunden: Manfred Kranz aus München ist wieder da – auch einer, der sich die 19 Etappen quer durch Deutschland zutraut.

Der Lauf war auf 10 – 16Uhr terminiert – so hatte ich noch ein wenig Zeit mich umzusehen. Laut Streckenbeschreibung ein flacher 2.349,22 m Rundkurs, der Start wird so gelegt , dass es eine offizielle 50km-Zeit gibt, denn genau dann läuft man mit der zuvor erhaltenen 50km-Flagge über die Zeitmessung.

Mein erster Eindruck täuscht nicht – die Strecke ist durchaus anspruchsvoll, zwar flach auf Naturwegen und z.T. Asphalt, jedoch mit reichlich Ecken und Begegnungsstrecken, auf mitunter schmalen Wegen. Doch angesichts der 51 Startern ( 15 Damen und 36 Herren ) ist das keineswegs ein Nachteil - es verteilt sich sehr schnell.

Schwindegg 3

Bei besten Laufwetter geht es los und schnell sind die ersten Runden absolviert. Die Zeitmessung mit großer Infotafel wirkt professionell und tut zuverlässig seinen Dienst. Jeweils nach 2,3km geht es über die Zeitmessmatte und man erfährt seine Rundenzeit, die Anzahl der Runden, sowie Platzierung. Hier steht auch der Präsident mit Mikrofon, motiviert und moderiert.

Direkt im Anschluss zur Rundenzählung befindet sich die aufmerksame Läuferverpflegung, am Sportplatz vorbei eine S-Kurve zur Straße (ohne Verkehr) hinaus, nach 300m nach links, einen Fahrradweg entlang, anschließend eine Mischung aus Asphalt und Naturwegen mit einer Holzbrücke und diversen Kurven und Ecken und gelegentlich entgegenkommenden Läufern. Über die Beschattung durch einige Bäume freue ich mich später auch noch rege. Nach rechts geht es nun wieder auf die Straße, auf der anderen Seite des Sportplatzes vorbei, über einen kleinen Hügel geht es nach links sofort wieder hinab, nach 150m wieder nach links über den Eingang des Sportgeländes direkt auf die Moderation zu. Hier stehen auch immer wieder Zuschauer. Interessierte, die anfeuern oder sonstige Kommentare abgeben.

Schwindegg 4

Ich bin bewußt etwas „scharf angegangen“ – nicht zu heftig – wollte einfach sehen: Was ist heute drin? Nach ca 25-30km ist mir klar, es kann heute keine neue persönliche 6h-Bestleistung werden. So lasse ich etwas Dampf raus, mein neues Ziel ist 60km mit etwas Plus.

Die Temperatur steigt beständig, es werden wohl max 22/24 Grad werden. Dabei sieht es oft bedrohlich nach Regen aus – dunkle Wolken und aufkommenden (Gegen-)Wind ist mitunter die Begleitmusik – doch diesen Umständen „irgendwelche Schuld“ zugestehen, dass es heute nicht besser läuft: NEIN! Einzig und allein mein Leistungsvermögen ist heute so, dass es letztendlich gut ist, meine Zielvorgabe dem anzupassen.

Mir fällt eine Läuferin auf – sie scheint hier und jetzt sehr, sehr ehrgeizig unterwegs zu sein – ist sie gar schneller, als die männliche Konkurrenz? Ich kann es nicht beurteilen. Später klärt sich das auf – es geht um Barbara Mallmann, eine der besten Langstreckenläuferin aus dem süddeutschen Raum, startet in W45 und möchte gerne Ihre 50km-Bestzeit verbessern. Das gelingt Ihr auch entscheidend mit 3:59:16Std – zu diesem Zeitpunkt ist sie tatsächlich schneller als alle Konkurrenten. Doch es kostet sie enorme Kraft und erst nach einer etwa halbstündiger Pause läuft sie weiter und wird mit 65,5km beste Frau und erreicht Platz 6 der Gesamtwertung. Bei den Männern wechselt die Führung wohl mehrmals, soweit ich das mitbekomme.

Schwindegg 5

Obwohl ich ja „etwas verhaltener“ laufe, bemerke ich, wie ich so langsam in der Platzierung nach vorne rücke – von Platz 20 habe ich mich nun schon auf den 10.Platz verbessert. Es sind wohl einige Mitläufer, die nach der Marathon- bzw 50km-Marke aussteigen. So auch Manfred Kranz, Er erreicht seine 50km nach 5:50Std und hört vorzeitig auf - ihm reicht es Heute. Ich laufe beständig weiter und komme zum Schluss noch auf Platz 7 der Männer, Gesamtplatz 8. Als das Signal nach 6 Std ertönt, lege ich mein Stöckchen mit meiner Startnummer für die Restmetervermessung ab und habe genau hier 63,218km erreicht.

Schwindegg 6

Ich schlendere zur Zielverpflegung, gönne mir eine halbstündige Auszeit, bevor ich zur Dusche ins Sportheim gehe.

Nette Laufgespräche bei Grillfleisch mit Salaten und kühlen Getränken folgen – fantastisch, das Wetter hat gehalten, keinerlei Regen. Das bleibt auch noch so, als es hinterher zur Siegerehrung geht. Statt Medaillen gibt es kleine Läuferschuhe und Soforturkunden – überrecht vom Leiter der Laufabteilung und DUV-Präsidenten Günther Weitzer.

Schwindegg 7

Eine gelungene Premierenveranstaltung geht zu Ende und so wird auch versichert, diesen Lauf in Zukunft anzubieten. Ich verabschiede mich mit der Absicht, dies sei gewiss nicht meine letzte Teilnahme an diesem Lauf gewesen.

Über kleine Landstraßen und später die Autobahn Richtung Nürnberg führt mich mein Weg zurück nach Hause.

6 Stunden in Schwindegg - das haben sie toll hinbekommen!

Text: Roland Krauss, Fotos: Bayrische Laufzeitung (Erwin Fladerer) und Roland Krauss, 18.5.2017