Laufgemeinschaft der Deutschen Ultramarathon-Vereinigung e.V.

Der 45.Rennsteiglauf – Supermarathon 73,5km

Ich bin fast ein Neuling mit meiner erst 3.Teilnahme beim Rennsteiglauf (jeweils SM), denn es gibt Teilnehmer mit über 40 Teilnahmen – und doch habe ich schon einiges an Erfahrung mit diesem Klassiker sammeln können. So bin ich auch nicht sonderlich aufgeregt, als ich mich auf den Weg nach Schmiedefeld mache. Mich können nicht mal die komplett veränderten Umstände aus der Ruhe bringen. Bisher genoss ich bei meinen 2 Rennsteigteilnahmen die Rundumbetreuung durch Sportreisen Schulz. Das bedeutete bei eigener Anreise, Unterkunft und Essen, Briefing, sämtliche Transporte zum Start, Hotel, zur Party, wieder zum Hotel, usw – das Ganze zum „kleinen Preis" – doch heuer war ich einfach zu lange unentschlossen. So war ich zu spät: keine Unterkunft, keine Voranmeldung – sollte mich das nervös machen? Nun, ein wenig kannte ich mich schon aus und deshalb verließ ich mich auf meine „innere Ruhe".

In einer Sammelunterkunft in Vesser (2km von Schmiedefeld entfernt) bekam ich noch einen Schlaf- und Frühstücksplatz. Der Transport am Samstagmorgen (um 3Uhr Abfahrt nach Eisenach bedeutet wohl doch eher Nacht) war auch gesichert. Für den Super-Marathon konnte man sich bis kurz vor dem Start nachmelden. Da mein Freund Franz sein Nachtquartier in Eisenach hatte und die Startunterlagen bereits am Freitagabend abholte, besorgte er meine Nachmeldung gleich mit. Das war klasse von Franz!

Als ich am Freitag gegen 17Uhr in Vesser eintraf war die Unterkunft gleich gefunden – ein Einheimischer beschrieb es so: Da ist doch dieser ehemalige Kuhstall, den sie zum Gemeindehaus umgebaut haben – so war es dann auch, von Kuhstallambiente war jedoch nix mehr vorhanden.

Ein älterer Herr managte die Förmlichkeiten: Pro Übernachtung 6 Euro, Frühstück 5 Euro mal zwei – so die einfache Rechnung. Dann wurde er stutzig, als er hörte, dass ich bereits um 3Uhr nach Eisenach aufbrechen muss! Und ich war nicht der Einzige, der zum Start des SM musste. Er kratzte sich am Hinterkopf: Wer dann da wohl schon um 2Uhr sich ums Frühstück kümmert – da werde ich dann mit anpacken müssen, nickte er.

Ich verabschiedete mich erst mal nach Schmiedefeld ins „Schönste Ziel der Welt" – wie der Veranstalter nicht grade bescheiden anmerkt. Dort beobachtete ich die letzten Aufbauarbeiten, konnte etwas Essen und „stolperte" mal wieder fast über meinen Müncher Lauffreund Manfred Kranz – mit ihm führte ich dieses Wochenende noch „etwas Besonderes" im Schilde. Wir genossen die Rennsteiglauf-Atmosphäre (Er tatsächlich zum 1.Mal) und beobachteten die aufziehenden Regenwolken.

Kaum war ich gegen 21Uhr zurück in Vesser fing der Regen heftig an – das Flachdach auf dem Gemeindehaus verstärkte wohl die Bedrohlichkeit der Niederschläge. Beim Zusammenstellen meiner Ausrüstung gelangte ich bald zur Überzeugung, dass leichte Trailschuhe die richtige Wahl sind. Die Bekleidung wollte ich von den Temperaturen am Morgen abhänig machen; so mussten einige Alternativen eingepackt werden. Unsere Läufergespräche mit Schlafbier wurden weiterhin von heftigen Regenprasseln begleitet – „Oh weh"

Ich konnte doch von 23:30 – 2:10Uhr einigermaßen gut schlafen, ging aber dann sofort hinaus, um Temperatur und Niederschläge zu prüfen. Es hatte zu regnen aufgehört und es war nicht zu kalt geworden – ich ging beruhigt Frühstücken.

Was da um 2:20Uhr auf dem Tisch stand verschlug mir fast die Sprache: weichgekochte Eier, warme Wienerle, selbstgemachte Marmelade, warme Brötchen, Tee und Kaffee – Potzblitz ein solches Engagment für die Läufer, die mitten in der Nacht los mussten, aber ja nicht wirklich viel Hunger hatten. Aus lauter Anstand machte ich mir zwei Brötchen fertig (eins wurde im Bus verspeist) und trank mehrere Tassen Kaffee zum Wachwerden.

Ich fuhr nach Schmiedefeld rüber, um dort in den Bus zu steigen, da ich mein Auto nahe am Ziel haben wollte. Jede Menge Läufer standen schon da und warteten ebenfalls auf dem Bus, um dann kaum waren Sie drin, wieder in einen Halbschlaf zu verfallen bis man gegen 4:30Uhr in Eisenach am Marktplatz angekam.

RSL 1

Dort wurde mit jeder Minute die Betriebsamkeit und Aufgeregtheit größer – für mich nichts Neues. Ich entscheide mich für knielange Hose und ….. das war von unserer Vizepräsidentin Michaela perfekt getimt, das langärmlige LG Ultralauf-Shirt (es kam 2 Tage zuvor mit der Post an). Eine gute Wahl wie sich herausstellen sollte. Franz wurde herzlich begrüßt und übergab mir meine Unterlagen – alles perfekt, es konnte losgehen. Noch nicht ganz – wir vom LG Ultralauf wollten uns ja am Brunnen treffen. Ein paar Fotos und beste Wünsche für die nächsten Stunden auf den 73,5km mit knapp 2.000HM (die Strecke hat nochmals eine Schleife zusätzlich und somit diese neue Länge).

Mit lauter Musik und über den Köpfen schwirrenden Hubschraubern wurden um Punkt 6Uhr knapp 2.000 Starter von Marktplatz in Eisenach verabschiedet. Damit ist dieser Supermarathon der teilnehmerstärkste Ultralauf in Deutschland.

RSL 2

Mein Plan: Die ersten 25km (da geht es fast nur bergauf) ohne zuviel Kräfte zu verlieren, nicht zu sehr ins Hintertreffen zu geraten – dann geht es 25km stetig Auf und Ab (nur so ganz grob gesagt), hier wird sich zeigen was noch möglich ist …. die letzten ca25km geht es vornehmlich bergab (mit ein paar Ausnahmen). Wer hier noch Körner hat kann Feuer geben bis ins Ziel.

RSL 3

Vom Start weg, war ich bemüht möglichst vorne drin zu stehen, da gibt es von Eisenach raus ein paar Engstellen, wo es nicht von Vorteil ist, wenn man „hintendrin steht". Das klappte ganz gut und kurz danach trabten die Burger-Zwillinge an mir vorbei, Sie hatten heute wohl große Pläne. Die Nebelschwaden vom nächlichen Regen hingen noch in den Wäldern und machten bei manchen Morgenlicht und späterer Sonne mystische Stimmung – TOLL!

Ich wußte wohl, eine Zeit, wie bei meiner Premiere 2015 mit 6:55 (bei noch 72,7km) war sicherlich nicht drin, jedoch die Zeit von 2016 mit 7:33Std könnte erreichbar sein. Das sollte mein Maßstab sein – damit wäre ich sehr zufrieden.

RSL 5

Wieder mal hatte ich nach nicht mal einer Stunde das Gefühl, ich werde durchgereicht und ständig überholen Welche von hinten. Doch meine Erfahrung lässt mich dabei mittlerweilen ruhig bleiben. Ich muß mein Tempo laufen – nur das bringt mich dahin, wo ich hin will ….. alles Andere bringt mir nix. Denke positiv: Du hast die richtigen Schuhe gewählt (es ist doch immer wieder feucht und etwas rutschig auf den Wegen), die Klamotten sind geradezu ideal für dieses Klima hier im Wald, selbst dann, wenn die Sonne später mehr herauskommt und Du fühlst Dich keineswegs ausgepowert nach den vielen langen Läufen/Wettkämpfen – da ist viel Lauffreude und „Restkörner" die ich später noch sehr gut gebrauchen kann.

RSL 4

Ich freue mich schon auf die erste große VP, hier gibt es immer den „berühmten Rennsteig-Schleim". Für Alle, die Ihn nicht kennen, das ist Haferschleim in trinkbarer Form, mit verschiedenen Fruchtgeschmack oder natur. Nach anfänglichen Vorbehalten, habe ich diese Läufernahrung kennen und lieben gelernt. Einfach fantastisch – ich brauchte nur bei KM51 ein einziges Gel, ich glaube das ist ein Verdienst dieses Schleims. Ich werde im Verlauf des Rennens 7-8 Becher (höchstens halb gefüllt) so nebenbei „in mich hineinkippen".

Ich sehne nun das Ende des 1.Drittels herbei – dann geht es auch mal länger bergab, doch zuvor bei KM24/25 nochmals richtig heftig hoch ….. Endlich, der große Inselsberg ist erreicht, es geht einige Stufen hinab, da laufe ich noch leicht verhalten, um nicht zu stolpern. Dann geht es auf schlechten Asphalt und immer wieder feuchten Tannennadeln steil abwärts. Andere laufen da auch vorsichtig, doch ich renne mit der Überzeugung, dass es bisher immer gut gegangen ist volles Risiko hinunter – ich wage keinen Blick zur Uhr, starre auf die Meter vor mir, sowie die Mitläufer …. Ich fliege tief!

Das gibt Zuversicht und Hoffnung auf eine passable Zeit – weiter so! Nach knapp 2KM ist der Tiefflug vorbei und es wechselt in ein Auf und Ab. Ich kann das Tempo einigermaßen halten, das ich mir vorgenommen habe. Es gibt immer wieder KM die ich zwischen 5 – 5:30min laufen kann, so bleibt etwas Luft für die langsameren KM berauf. Bald ist der große VP Ebertswiese erreicht, eine Art Zwischenziel, da Halbzeit. Hier wird moderiert und es gibt von heißen Würstchen, Schmalzbroten, Schleim und auch Bier fast alles was ein Läufermagen so vertragen kann.

Ich halte mich nicht länger als nötig auf – ein paar Steinchen aus den Schuhen schütteln. Weiter geht’s, in ca 5km beginnt der nächste größere Anstieg zu den Neuhöfer Wiesen, anschließend ist eine „Art Hochebene" erreicht und es gibt nur noch zwei gut merklichen Anstiege zum Grenzadler bzw Großer Beerberg. Ich beginne eine Art Kraftbilanz zu ziehen: was ist noch drin? Wieviel Körner habe ich noch zuzusetzen. Ich werde meine Reserven mit einem Gel positiv fördern, um dann zeitig nochmal anzugreifen. So die Theorie – nachdem das Gel einige Minuten wirken sollte, brauche ich nun den „Hauruck-Moment" – da vorne eine langgezogene leichte Steigung, genau richtig … Kopf hoch und los! Einige meiner Mitläufer sehen mich verwundert an – die Frage: Was ist mit dem geschehen? steht ihnen ins Gesicht geschrieben ! So macht das Spaß! Und die nächste Abwärtspassage wird wieder „geflogen". Zwischenzeitig habe ich auch wieder einen der Burgers überholt. Welcher das nun wahr – diese Frage war mir im Moment zuviel. Es trat wieder der Effekt ein, ich werde kaum noch überholt, doch meine Reserven lassen mich an Vielen, die mich zuvor überholt hatten, vorbeiziehen. So ist nun der große Beerberg meine letzte Hürde – ach was … ich stürme ihn hoch und freue mich auf die anschließende „Downhill-Rally".

Der KM60 ist auch schon vorbei – dessen Schild stimmt wohl schon seit Jahren nicht, es kommt ca einen KM zu früh (wenn man sowas weiß, bringt es einen nicht mehr aus der Ruhe). Doch die schiere KM-Zahl lernt mich das Fürchten. Ich stürme mit den letzten Körnern voran und weiß doch es sind noch knapp 10KM. Die können verdammt lange und mühsam werden, wenn die Kraft ausgeht. Ich werde wohl doch etwas haushalten müssen – sind 7:30 noch drin? Es wird eng werden, denn ein paar Hügel kommen schon noch. Was soll’s – ich werde es versuchen.

An den VP’s nur noch das Nötigste – einen Schluck Wasser und Cola, den letzten lasse ich komplett links liegen. Ich trinke noch Iso aus meinem Trinkgürtel, das geht schneller – wann kommt den endlich dieser KM70 – da ist er ….. „nur noch 3,5km". Alle Reserven mobilisieren – sind da noch welche? Jetzt keine Rücksicht mehr und wenn ich zuletzt gehen muss – doch soweit kommt es nicht, da vorne ein Zielbogen, aber noch nicht das Ziel mit der Meßmatte – noch etwas weiter …. Ich werde wohl knapp über 7:30 brauchen – die laufende Uhr zeigt etwas von 7:34:xx und schon springe ich über die Matte. Meine Uhr sagt ich war knapp darüber, letztendlich steht auf der Urkunde eine Nettozeit von 7:30:06. Die Uhrzeit an der Anzeige stimmt wohl nicht wirklich.

RSL 6

Mein dritter Finish in Schmiedefeld – klar in diesem Moment: Das schönste Ziel der Welt! Ich freue mich mit verschiedenen Lauffreunden, die auch gerade so einlaufen. Dann hole ich meinen Gepäckbeutel und fröstle etwas, ich komme an dem großen Container vorbei, wo es Massagen gibt. Da strömt Wärme heraus, sehr angenehm. Ich denke daran, was ich morgen noch vorhabe, da kann ein Muskelkneten in der Wärme nur hilfreich sein. So trete ich ein und sehe, man muß nicht lange warten und es ist warm. Ein paar Minuten später werde ich auf eine Liege gebeten – ich erzähle das ich selten anschließend zur Massage gehe und werde gefragt, warum gerade Heute. Da erzähle ich, ich werde morgen beim Marathon in Würzburg antreten. Was habe ich da nur gesagt – ich blicke in erschrockene Gesichter, weit aufgerissene Augen. In diesem Augenblich bin ich überzeugt, hätten Sie eine Zwangsjacke griffbereit – Sie würden mich noch auf der Liege hineinstecken …. Zum Glück ist keine da…. *gg*

Ich bedanke mich für die wohltuende Massage und werde kopfschüttelnd verabschiedet – ja doch, man wünscht mir alles Gute für meine morgige Aufgabe: Ein flacher Stadtmarathon.

Die Idee wurde bereits vor einigen Wochen geboren – da war außer Manfred auch noch Franz dabei, doch nachdem es Ihm zuletzt in Basel beim 24Std-Lauf nicht wirklich gut ging, verabschiedete Er sich von der Vorstellung. So war ich auf Manfred gespannt, wie er den heutigen Lauf überstand.

Ich plauderte beim Kaffee und Kuchen mit einigen Läufern, ging ins Duschzelt, holte meine Soforturkunde und Finishershirt ab, kurz danach war Franz am Handy. Auch Er kam super durch, auch wenn er mal etwas gestürzt ist, konnte Er sich doch noch mit den Händen abfangen, alles okay. Dann war auch schon Manfred da und versicherte mir: Es bleibt dabei, wir werden uns morgen in Würzburg nachmelden.

Nach kurzen Stop am Auto ging es für mich wieder zurück, da war die legandäre Party im Festzelt schon im vollen Gange. Eine tolle Stimmung mit Party- und Rockmusik ließ, wie immer, das feierwütige Partyvolk auf die Bänke und Tische steigen.

RSL 8

Manfred und ich füllten unsere leeren Energiespeicher nicht nur mit Sportlernahrung auf und klärten die Details für den Folgetag. Er schlief in seinem Auto in Schmiedefeld, ich fuhr zurück in mein Quartier, wo alles schon Dunkel war. Ich legte mich gleich schlafen und mußte halt dann morgens meine Ausrüstung fertig machen.

Ergebnisse:

Supermarathon 53 06:38:54 00957 Sittner Falk LG Ultralauf GER M 35 15

Supermarathon 273 07:30:06 02719 Krauss Roland LG Ultralaut GER M 55 22

Supermarathon 579 08:02:46 02630 Daum Stefan LG Ultralauf GER M 40 100

Supermarathon 77 08:23:56 02289 Faller Sylvia LG Ultralauf GER W 50 14

Supermarathon 923 08:42:19 02288 Faller Franz LG Ultralauf GER M 45 192

Supermarathon 1016 08:51:47 01498 Holzleitner Franz LG Ultralauf GER M 65 14

Supermarathon 1620 11:20:49 01042 Zietlow Hans-Uwe LG Ultralauf GER M 70 14

Supermarathon 386 11:41:53 00424 Wieners Sandra LG Ultralauf GER W 45 88

(Anmerkung: Es gab weitere Starter der LG Ultralauf, die jedoch unter einem anderen Vereinsnamen gestartet waren.)

 

RSL 7

Sylvia und Franz Faller zufrieden im Ziel

Text: Roland Krauss

Fotos: Kevin Voigt und Roland Krauss

Wochenende Teil 2: Würzburg-Marathon

Mein Handy weckte mich um 5 Uhr und wie ich befürchtete war leider heute noch kein Frühstück möglich. Nun ja, wer kann schon wissen, dass es Läufer gibt, die so bald am nächsten Tag zum nächsten Lauf aufbrechen. So musste ich mich an der Tankstelle mit Kaffee aufwecken und etwas Frühstück gab es auch.

Gegen 7:30 kam ich in Würzburg an und machte mich auf ins Kongresszentrum, um mich nachzumelden. An aufgestellten Laptops konnte man seine Anmeldung eingeben, um sich nach Bezahlung in die Schlange der Startnummernausgabe einzureihen.

Manfred war bereits früher da und saß schon gemütlich bei Kaffee und Hörnchen. Wir waren uns einig, bei voraussichtlichen sommerlichen Temperaturen, wollten wir in den Rennsteig-Finishershirts laufen.

Die Strecke bestand aus zwei Halbmarathon-Runden und man konnte auch nach einer Runde aussteigen und „den Halben" werten lassen – was für uns jedoch nicht in Frage kam.

Um 9Uhr (gut 19Std nach meinen Zieleinlauf in Schmiedefeld) fiel gleich um die Ecke der Startschuß für die rund 2.200 Halbmarathon- und über 450 Marathonläufer, denn sie gingen gemeinsam auf den eckigen, jedoch flachen Stadtkurs. Noch war es relativ kühl, doch der blaue, wolkenlose Himmel verriet schon, es würde warm werden.

Es war ja nun keine komplett neue Erfahrung für mich, mit etwas schweren Beinen und nicht wirklich regenerierten Körper, eine erneute Kraftanstrengung zu bewältigen. Schon einige „Doppeldecker" habe ich in meinen Läuferjahren bestritten – das besondere hier und heute war, ein 73,5km-Lauf mit knapp 2.000HM am Vortag. Doch bange machen gilt nicht, Manfred und ich wollte ja genau diese Situation „provozieren", um entsprechende Erfahrungen zu sammeln, die wir während 19 Tage „Race across Germany" gut brauchen können.

Wobei uns jetzt schon klar ist: wir werden weder das Tempo vom Rennsteiglauf, noch das vom heutigen Marathon als Grundlage für die Etappen nehmen. Ich vermute da mal eher eine Pace von ca 7min pro KM, und selbst dieses Tempo kann wohl nur bei guter Konsitution und ohne größere Blessuren angegangen werden. Das wird sich noch zeigen.

Auch heute lege ich mir einen groben Plan zurecht: Unter 4Std werde ich wohl nicht laufen können, dazu müsste ich die 1.Hälfte unter 1:55Std laufen, um in der 2.Runde 10min Reserve zu haben. Doch das erscheint mir nicht möglich, obwohl nach einigen KM meine Beine sich nicht mehr so schwer anfühlen. Ich genieße die Strecke über den Main, die Aussicht auf die Weinberge im Hintergrund, der Blick zur Burg hinauf.

RSL C

An den Mainwiesen (Talavera) ist bereits ein Großteil der Zeltstadt aufgebaut für das immer am Pfingstwochenende stattfindende „Afrikafestival", ich habe es schon öfters besucht und war von der Stimmung dort mit viel Musik, Marktstände und vor allem vom afrikanischen Essen und Trinken begeistert. Auch hier beim Lauf ist das anstehende Festival bereits bemerkbar: zu den herkömmlichen Musikbands und DJ’s gesellen sich ungewöhnlich viele Trommelbands – diese Musik macht schnelle Beine.

Es gibt tatsächlich Mitläufer, denen mein Rennsteiglauf-Shirt auffällt. Einige erkennen sogar, dass es von diesem Jahr ist: Ähmmm, aber der war doch erst, oder – wassss gestern??? So, oder ähnlich verlaufen einige Kurzkontakte im Vorbeilaufen. Ich erreiche KM12, das heißt der Würzburger Stadtrand, Heidingsfeld liegt vor uns, nach einer Wendemarke geht es langsam wieder Richtung Innenstadt, dort wird mehrmals durch Fußgängerzone und vorbei an gut besuchten Cafes gelaufen, bevor man an die Abzweigung: Halbmaratonziel – Marathon 2.Runde kommt.

Ein Blick zur Uhr sagt mir spätestens jetzt 21km in 1:57Std, eine Endzeit unter 4Std ist einfach nicht drin. Nun geht es auf die zweite, einsame Runde, nur noch die Marathonis sind auf der Strecke. So manche Band und Begeisterung von vorhin hat merklich nachgelassen, na gut um meine Lauffreude ist es zu diesem Zeitpunkt auch nicht zum Besten bestellt. So versuche ich eben einfach gut durchzukommen, doch ich habe die Rechnung ohne meine plötzlich wiedererwachende Wettkampflust gemacht – den Teufel werde ich tun und sie zu bremsen versuchen. Mein Gefühl (und ein Uhrencheck) sagt mir, ich bin nicht so viel langsamer unterwegs, wie auf der 1.Runde. Auch wenn das keine sub 4Std werden, warum denn viel darüber ….. und schon packt es mich wieder – ich lege zu und überrasche so manchen Mitläufer, auch einige Geher, es geht erneut in die Innenstadt. Kreuz und quer geht es durch Ladenstraßen, wie oft kann man in einer City querlaufen, ohne sich selbst über den Weg zu laufen? Bei KM39 und dem Tempo (5:20 Pace), das ich nochmals verschärft habe, errechne ich mir eine Zeit von nur knapp über 4Std. Ein Streckenposten (KM40,5) ist erstaunt über mein Tempo und meint ich wolle noch sub 4Std erreichen, das ist außer Reichweite. Eine vorletzte Kurve an der letzten Band vorbei – ich feuere Sie an und bekomme es zig-fach zurück *wundervoll*.

RSL 9

Dann die letzte Kurve, ab in den Zieleinlaufkanal, dort überhole ich nochmals zwei Läufer. Als ich die Uhr auf der Zielmatte stoppe, zeigt sie netto 4:02:46 an.

Ich bin überglücklich, strahle mit der Sonne um die Wette und hole mir in der Zielverpflegung ein herrlich kühles alkoholfreies Bier, unterhalte mich ein wenig. Kaum schlendere ich zum Ziel zurück kommt auch schon mein ebenso laufverückter Freund Manfred an. Auch er ist mit seiner Zeit unter 4:30Std sehr zufrieden.

RSL A

Wir sitzen noch etwas zusammen, besprechen weitere Laufvorhaben bis zu unserem großen Etappenlauf und sind uns absolut einig: Was für ein erfolgreiches Laufwochenende!

Anschließend fahre ich voller Vorfreude nach Hause, dort genieße ich nach einer guten Stunde ein herrliches Eis mit Kaffe auf meiner sonnenverwöhnten Terasse.

Ergebnisse:

237 21 590 » Krauss, Roland (GER) 55 LG Ultralauf / 100 Marath... 04:03:18 04:02:46

Zu den Fotos:

Auf der Talavera ist die Zeltstadt für das Afrika-Festival schon fast komplett – im Hintergrund die Weinberge

Vorbei an der letzten Band, das Anfeuern kommt zig-fach zurück!

Schon fertig umgezogen nochmals am Ziel

RSL B

Was für ein erfolgreiches Wochenende

Text: Roland Krauss, Fotos: Roland Krauss 27.5.2017