Laufgemeinschaft der Deutschen Ultramarathon-Vereinigung e.V.

Termine

21.10.2017
DM 50 km, Schw. Gmünd

10.3.2018 (gepl.)
DM 100km, Rheine

8.4.2018
DM 50km, Ebershausen

9.6.2018

DM 6h Hoyerswerda

14.7.2018
DM Ultratrail, Maintal-Ultratrail

1.9.2018
DM 24h, Bottrop,BUF

Letztes Jahr in Basel hatte ich erstmals an solchen Meisterschaften teilgenommen - und es war mir damals schon eine Lehre: Von den 24Std hatte es damals ca 20Std geregnet und nachts nur noch wenige Plusgrade, eine Herkulesaufgabe, der ich mich damals gestellt habe. Und allen Widrigkeiten zum Trotz habe ich damals ein ganz gutes Ergebnis erziehlt. Heuer war ja nun diese DM einige Monate später und eine solche Kalt- und Regenfront sollte uns verschont bleiben.

Allerdings startete ich unter anderen Vorzeichen, die Saison läuft schon lange und ich habe mir bereits viele "Hochkaräter" in meinen Laufkalender geschrieben. Bereits einige 100Km-Läufe (z.B. DM in Berlin), vor einigen Wochen lief ich quer durch Deutschland und finishte 15 von 19 Etappen beim Race across Germany (runde 1000Km in 3Wochen), zuletzt noch 100Meilen beim Mauerweglauf.

Gotha 3

In wenigen Wochen den Spartathlon vor der Brust - ja ein wahrhaft straffes Programm. Sollte ich also die 24Std-DM als Vorbereitung für die 246Km durch Griechenland sehen - wer mich kennt, weiß, dass ich das nicht tue - ich versuche es in meinen Jahresplan zu integieren, jedoch nehme ich jeden solchen Wettkampf für sich sehr ernst.

Zudem weiß ich, ich werde da in einem tollen Team LG Ultralauf unterwegs sein, dabei sehr viele meiner vertrauten Vereinskollegen/Freunde wiedersehen und auch neue Vereinsmitglieder kennenlernen bzw näher kennenlernen. Also fuhr ich mit einer gewissen Vorfreude nach Gotha und es waren ja nun wirklich viele LG Ultraläufer-innen da! Wir stellten das teilnehmerstärkste Team und wohl die beste Betreuung, die man sich vorstellen kann, hatten wir auch dabei.

Schon bei meiner Ankunft in der Turnhalle, wo ich die Nacht vor dem Lauf übernachtete, konnte ich viele Bekannte begrüßen - selbst ein guter Freund vom Deutschlandlauf, Bernhard Munz aus dem Allgäu, konnte ich aufs herzlichste begrüßen. In wie vielen Turnhallen hatte wir doch schon gemeinsam genächtigt? Da wächst schon eine besondere Freundschaft.

Ich machte mich auf dem Weg zur Abholung der Startunterlagen, den ersten Pavillion hatte Franz Holzleitner schon im Verpflegungsbereich aufgestellt, ein weiterer folgte noch. Es blieb noch Zeit, die Strecke zu besichtigen. Die Laufrunde erwies sich als ein "aufgebogenes U", an zentraler Stelle der Start-, Ziel- und Verpflegungsbereich. Etwa 15 - 20% der Strecke verlief im Begegnungsverkehr, getrennt durch Absperrungen. Den Rahmen bildete der englische Park und das Schloss Friedenstein und das ganze gespickt mit einigen Höhenmetern pro Laufrunde - das addiert sich dann schon und wird sich früher oder später kräftezährend auswirken. Der Untergrund mit vielen Kiesabschnitten wird so manches Steinchen zielgerichtet in die Laufschuhe befördern.

Doch erstmal ging es zum verabredeten Italiener in Gotha, wo sich der Großteil unseres Teams zum Abendessen versammelte. Hier wurde gescherzt, Geschichten ausgetauscht und nebenbei lecker gegessen. Auf dem Weg zur Turnhalle wußte ich, es ist reichlich Zeit, nochmals die Ausrüstung zu checken und da der Start erst auf 10Uhr terminiert, war, war auch am Morgen keine Hektik angesagt.

So blieb auch noch Zeit für ein gemeinsames Frühstück mit Franz in einer nahen Bäckerei. Die Zeitnahmechips wurden abgeholt und die Verpflegung und Wechselklamotten in den Pavillions platziert, kurze Besprechung mit unseren Betreuern und schon machte man sich langsam auf den Weg, um sich zur Startaufstellung vorzubereiten.

Gotha 1

Hier erwartete uns eine Rekordbeteiligung bei einer 24-Std-DM - es warteten fast 160 Teilnehmer auf den Startschuss.

Zum Glück verteilten sich die Starter schnell über die Laufstrecke und jeder versuchte, sein Tempo zu finden - und da waren ja einige Favoriten dabei, die gleich mal richtig loslegten. Das war nicht mein Tempo, wenngleich ich mit einem Tempo, knapp über 6min pro km auch relativ flott unterwegs war. Die äußeren Umstände und der ausbleibende Regen ließen es zu, dieses Tempo über die nächsten Stunden zu laufen. Es rollte ganz gut dahin und dieses Tempo forderte keinen besonderen Tribut.

Zu Anfang verpflegte ich mich fast ausschließlich über die allgemeine Läuferverpflegung, das Angebot war reichlich und abwechslungsreich. Später ließ ich mir gelegentlich mal ein Gel, eigenen Isodrink oder eine Salztablette an unserem VP reichen - unsere Helfer machten das klasse und waren immer für eine kleine Aufmunterung gut. So lief es über Stunden relativ unaufgeregt und glatt - nach 10:13 Std hatte ich 100Km absolviert - was erstmals sehr flott und komfortabel klang - immerhin hätte ich nun ca 13:45Std Zeit für weitere 100Km, um eine neue persönl. Bestleistung aufzustellen. Doch ich weiß, wie unkalkulierbar so eine lange Laufzeit von 24Std ist und welche bösen Überraschungen da lauern können - als hätte ich es geahnt....

Es wurde nun die Streckenbeleuchtung eingeschaltet und ich persönlich fand sie alles andere als ausreichend, mag sein, dass ich da ein wenig anspruchsvoller bin, da ich nur mit einem Auge sehe und deshalb die Ausleuchtung für mich etwas wichtiger ist. Es wurde zwar leicht nachjustiert, aber ich empfand sie an manchen Stellen sehr notdürftig. Also etwas vorsichtiger laufen - mir blieb nicht anderes übrig. Das hatte dann aber doch eine "etwas bremsende Funktion" und so unbeschwert läuft man auch nicht mehr. Es war nun auch an der Zeit, etwas gegen die aufkommende Kühle zu tun. Anfangs reichten Armlinge, doch schon eine Stunde später zog ich eine leichte Jacke zusätzlich über und gelegentlich trank ich am VP warmen Tee.

Gotha 2Alle diese Umstellungen brachten vor allem eins mit sich - ich wurde langsamer und zwar in einem erschreckenden Maße. Dagegen wollte ich sofort etwas tun und ich beschloss, das Tempo etwas zu forcieren, bemerkte aber bald, dass dies nur mit einem erheblichen Kraftanstrengung möglich ist. Eine gute Stunde hielt ich das durch, dann wurde ich langsamer und kraftloser - es dauerte eine gefühlte Ewigkeit, bis ich endlich die 130km-Grenze erreichte. Dann kämpfte ich gegen die nachlassenden Kräfte und die Leere im Kopf. Ich versuchte wieder mal ein paar hundert Meter zu gehen und stellte zum x-ten Male fest: Ich kann das nicht, da schlafe ich quasi binnen kürzester Zeit ein .... laufe quer zur Strecke, von der Strecke, usw. Also wieder anlaufen - doch es musste etwas geschehen. Ich beschloss eine Pause an unserem Pavillion zu machen und anschließend gleich noch eine wärmere Jacke drüberzuziehen. Als ich mich auf den Stuhl setzte, war sofort Matze bei mir. Er war schon lange ausgestiegen und betreute mit. Er redete auf mich ein - ich solle bloß nicht aufhören und meine bisherige gute Laufzeit abschenken. Na klar! Er hatte Recht! Ich wollte auch gar nicht aufhören, aber topmotiviert war ich zu diesem Zeitpunkt sicherlich nicht. So saß ich eine ganze zeitlang in Decken eingehüllt da und fror trotzdem. Ich dachte an unsere Seniorenmannschaft, da wollten wir "was reißen" und weiter auskühlen wollte ich auch nicht - also wieder raus auf die Strecke und warmlaufen. Ich setzte mir immer wieder kleine Ziele, die nächsten 10Km vollmachen usw. belohnte mich mit heißen Tee oder auch mal Kaffee. Später nochmals für 15/20min ein Stopp an unserem VP. Ich bekam mit, auch Michael ist raus und schlief wohl im Auto. Ich wollte unbedingt weiter und in die Morgendämmerung reinlaufen. Ich wußte ja, es wird wieder besser - diese Erfahrung ist Gold wert.....

Mit der Helligkeit kam auch etwas Motivation zurück. Gegen 7Uhr hatte ich knapp 160Km, eine schwache Ausbeute in der Nacht .... aber ich war noch dabei! Ich entdeckte Michael und bat Ihn mal zu recherchieren, wie es denn so aussieht mit Teamwertungen, AK, usw.

Als ich später die Antwort erhielt, unser 50+Team liegt tatsächlich auf Platz1, aber Vorsprung lag aber wohl grade so bei 4Km - das ist nicht viel, bei fast noch 3Std für 3Läufer. Das gab mir einen Schub - ich wollte unbedingt dafür sorgen, das wir diesen Titel holen können ..... und ich war selbst erstaunt, welche Kräfte noch in mir steckten, was ich noch mobilisieren konnte - ich lief Rundenzeiten, die ich schon seit Stunden nicht mehr gelaufen war. Die Aussicht auf einen 3.Platz in der AK beflügelte mich noch weiter - ich lief wie aufgezogen bis zur letzten Sekunde um Punkt 10Uhr durch. Wir hatten tatsächlich den 1.Platz mit dem Seniorenteam erreicht und dabei den Vorsprung auf das zweitplatzierte Team auf über 10Km ausgebaut - zudem wurde ich Dritter in der AK M55.

Gotha 4

Siegerehrung AK 55

Dafür hat es sich gelohnt, zum Schluss noch mal alles auszupacken, was in mir steckte. Ich war mit 191,557Km zwar klar an meiner Bestleistung von 201Km gescheitert, doch es war meine zweitbeste Leistung bei einem 24-Std-Lauf.

An unseren Pavillions herrschte natürlich prächtige Stimmung - wir haben tolle Ergebnisse eingefahren: Auch das 50+Damenteam holte die Deutsche Meisterschaft. Die Frauen- und Männer-Teams wurden jeweils 2. in ihrer Wertung. Weiterhin erreichten wir viele tolle Einzelplatzierungen und letztendlich waren natürlich alle froh es endlich geschafft zu haben ....

Und als Krone erreichte die LG Ultralauf sogar noch den Gewinn des Titels "Mannschaft des Tages"! WOW!!!

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Siegerehrung mit der Mannschaft Männer 50+

Wir packten alle unsere Sachen zusammen und bereiteten uns auf die anschließende Siegerehrung vor. Es war ein tolles Erlebnis, dieses ganze Wochende, die Gemeinschaft in unserem Team: Läufer wie Helfer, manche habe ja als Läufer begonnen und sind, als sie aussteigen mussten, noch als Helfer geblieben. Das zeigt doch ganz klar, wie toll dieses Team funktioniert und zusammensteht. Ich bin absolut stolz Teil eines solchen Teams zu sein und freue mich schon auf die nächsten Treffen, allen voran natürlich die 50Km-DM in Schwäbisch Gmünd, die ja gleichzeitig eine Saisonabschlussfeier werden wird. Auch wenn ich da nicht laufen sollte - ich werde dabei sein!

Mit vielen schönen Erinnerungen habe ich anschließend meinen Heimweg angetreten - ich musste mehrfach einen Rastplatz ansteuern (wegen Müdigkeit), doch die Begeisterung und Freude hält nach wie vor an!

Nun werde ich mich also langsam auf meinen Saisonabschluß, die Spartathlon-Revanche vorbereiten.

Text: Roland Kraus, Bilder: Michael Irrgang, 09.09.2017