Laufgemeinschaft der Deutschen Ultramarathon-Vereinigung e.V.

Termine

9.6.2018

DM 6h Hoyerswerda

14.7.2018
DM Ultratrail, Maintal-Ultratrail

27. - 30.7.2018

Camp / ELAN

1.9.2018
DM 24h, Bottrop,BUF

 

Kilometerspiel:

Unser Team in der 1. Liga

Den Trail du Petit Ballon in Rouffach hatte ich schon seit langem auf meiner läuferischen To-do-Liste, doch immer wieder gab ich dem Halbmarathon oder Marathon in Kandel den Vorzug. Da ich an der Trailrennerei immer mehr Freude gefunden habe war dieses Jahr nun aber endlich der 1272 Meter hohe Berg in den Vogesen an der Reihe. Zu meiner Freude begleitete mich auf diesem Unterfangen mein lieber Laufkamerad Bart. Wir hatten uns wie soll`s auch anders sein bei dem Ultralauf in Bretten Night52 kennengelernt und uns nun beide für den Trail du Petit Ballon angemeldet. Da wir vom Läuferischen recht nah bei einander liegen, war schnell klar dass wir das Ding im Duett laufen werden.

Wintereinbruch

Claudi und ich fuhren bereits am Samstagmittag nach Rouffach um die Startunterlagen abzuholen. Es war schon jetzt zu spüren, dass die Wettervorhersage mit Schneefall mit 100%iger Sicherheit auch eintreten wird und aus der beginnenden Frühlingslandschaft eine Winterkulisse zaubern würde. Es war saukalt und wirklich sehr ungemütlich. Unsere dürftigen französisch Kenntnisse reichten glücklicherweise aus um dort zu Recht zu kommen. Ein lange Reihe voller motivierter Helferinnen und Helfer empfingen die Läufer in der Halle und gaben die Startnummern, die Shirts, eine Flasche Crémant und Nudeln an die Läuferinnen und Läufer aus. Aller Hoffnung und Motivation zum Trotz konnte Claudi leider nicht starten. Ein sich anbahnender Bandscheibenvorfall zwingt sie derzeit zum Alternativtraining und machte einen Start beim 27 KM Lauf am morgigen Tag auf keinen Fall möglich.

Am späten Nachmittag fuhren wir in unser 7 KM entferntes Hotel und genossen den Vorabend des Rennens und unseres 18. Hochzeitstages auf unserem Zimmer in heimeliger Atmosphäre bei Kaffee und Kuchen :-). Nachdem ich dann den Rucksack und die Laufklamotten gerichtet hatte ging`s ab in die Heia. Wie es am nächsten Morgen draußen aussehen würde, wahr schon zu erahnen....Schnee...ganz viel Schnee.

Glück im Unglück

Um 6:30 Uhr zog ich den Rolladen hoch und sah die weisse Winterpracht. In meinem Kopf spielten sich Szenen ab...ich kann euch sagen. Einen schönen Frühlings UltraTrail hatte ich mir vorgestellt, so wie letztes Jahr beim Defi des Seigneurs aber nix dergleichen ....15 - 20 cm Neuschnee. Ein Traum für jeden Skifahrer aber nicht für uns Läufer, dachte ich. Nach einem kurzen Frühstück packten wir unsere 7 Sachen, schaufelten das Auto frei und fuhren nach Rouffach. Viele Ordner wiesen und uns den Weg bis zum großen Parkplatz. Alles verlief trotz des Schnees und der Glätte für uns ganz gut. Auch die Wettervorhersage hörte sich nun gar nicht mehr so schlimm an. Kein Schnee mehr von oben und auch der angekündigte Wind war nicht mehr als ein Lüftchen, also hatten wir doch noch etwas Glück im "Unglück".

In der Halle trafen wir dann auf Bart und seine Angelika. Sogar der stolze Papa Marek lies es sich nicht nehmen heute dabei zu sein :-). Natürlich, wie sollte es auch anders sein, traf ich auch das Duo Oliver und Rolf...die beiden sind irgendwie immer da wo ich auch bin...geil diese Ultraläufer. Nach einem schnellen Käffchen und ein wenig Fachgesimpel wie beschissen die Strecke bei dem vielen Schnee wohl zu laufen sei, machten wir uns auf den Weg zum Start.

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Wir reihten uns gefühlsmäßig nicht zu weit vorne und nicht zu weit hinten ein und wollten den Lauf entspannt angehen um dann ab KM 33 auf der "Abfahrt" noch einige Körner zu haben.

Der Lauf

Gleich nach dem Startschuss ging´s nach ein paar hundert Metern über Schnee und Eis die Weinberge hinauf und auch wieder hinunter. Die Muskulatur war noch frisch und wir beide hatten richtig viel Spaß. Das schöne bei diesen Läufen ist, dass der Blick auf die Laufuhr sich sehr in Grenzen hält. Ich glaube, dass ich das erste Mal nach fast 10 KM drauf geschaut habe...sehr entspanntes Laufen nach Gefühl. Bergauf immer schön das Tempo raus und bergab die Handbremse auf und Feuer. Das Traillaufen hat so seine eigenen Gesetze und man braucht ein wenig Erfahrung um sich so ein Rennen gut einteilen zu können. Ich kann vorwegnehmen dass wir mit unserer gewählten Taktik sehr gut gelaufen sind, denn ziemlich genau nach KM 33 als der Petit Ballon "bestiegen" war haben wir fast nur noch Läuferinnen und Läufer überholt.

 
Noch vor der ersten Verpflegungsstelle bei KM 10 liefen wir auf einem tollen leicht abschüssigen Singletrail, der mir, meinem Bart :-) und Bart ein nicht weichen wollendes Grinsen ins Gesicht zauberte. Doch plötzlich ....STAU! Öhhhmmm was issen hier los? Tatsächlich kam eine kleine "Kletterpassage" bei der man mitunter fast alle Viere brauchte. Oben angekommen war wieder Platz und wir liefen Richtung VP1.

Bissel Wasser, Salzbrezeln, und Kekse eingeworfen und weiter ging der Schneewalzer.

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Wir liefen nun eine Weile recht moderat auf Forstwegen, bis uns dann auch endlich der erste ordentliche Anstieg die Schweißperlen auf die Stirn trieb. Doch noch war der Krafttank gut gefüllt, so dass wir beiden diese erste Hürde sehr gut meistern konnten. Apropos Schweißperlen auf der Stirn....seit einiger Zeit bin ich ja nun stolzer Träger eines "Trailbarts" (wer etwas mehr darüber lesen möchte kann das hier tun :-))...eben jenen habe ich nun bei dieser Witterung etwas unterschätzt. Meine Gesichtsbehaarung vereiste von Kilometer zu Kilometer immer mehr und das Grinsen viel mir schwerer. Aber gut, wer schön sein will muss leiden :-)

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Der Aufstieg

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Nach knapp 27 KM fand die Herrlichkeit nun auch Ihr jähes Ende. Vor uns der Petit Ballon! Die nächsten 5 KM nur bergauf....uffff! Was solls, wer wieder runter will muss eben erstmal hoch. Wir kämpften uns Stück für Stück nach oben und dann plötzlich war es da, mein erstes Tief :-( Ich hatte Magenschmerzen und ich fühlte mich schlapp. Gerade jetzt wo ich doch alle Kräfte benötigte. Ich sah wie Bart den Anstieg hochzog. In diesem Moment hatte ich wirklich viel Mühe an ihm dranzubleiben. Nach einem nicht enden wollenden Anstieg, bei dem wir sogar einen Schmelzwasserbach durchqueren mussten (hier blieb kein Fuß trocken) sahen wir endlich die Marienstatue auf dem Gipfel. Geschafft! Wir ließen es uns nicht nehmen mit einem schnellen Foto diesen einen Moment für die Ewigkeit festzuhalten.

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Jetzt kam die Passage im Rennen auf die ich mich am meisten freute. Die nächsten Kilometer ging es hauptsächlich bergab, doch leider hatte ich immer noch  mit meinen Magenkrämpfen zu kämpfen. Es dauerte noch eine Weile bevor ich es so richtig genießen konnte. Dazu kam, dass es bei diesem Untergrund einfach nicht möglich war, so hinunter zu schießen wie wir es gerne getan hätten. Wir fanden dann aber irgendwie doch den Mittelweg zwischen Sicherheit und schnellem Laufen. Bergab gab es wunderschöne Trails, es war trotz der Anstrengung wirklich ein Genuss. Zwischendurch dann mal wieder breite leicht abschüssige Forststraßen auf denen man so richtig Dampf machen konnte. Den Kilometer 42 liefen wir beispielsweise in einer 4:20er Pace und flogen immer wieder an Läufern vorbei, denen allmählich die Körner ausgingen. Es war wieder eine schöne Bestätigung das es gut ist bei solchen Läufen das Tempo zu Beginn herauszunehmen und die Überambitionierten laufen zu lassen. In der Ergebnisliste lässt sich unsere gute Taktik super nachlesen:

Zeitmessung in Osenbach: 2:09:54 Stunden - Platz 407                                                 Zeitmessung auf dem Petit Ballon: 4:39:51 Stunden - Platz 320                                Zeitmessung Osenbach Rückweg: 5:43:56 Stunden - Platz 286                                                     Zeitmessung im Ziel: 6:40:39 Stunden - Platz 260

An der letzten Verpflegungsstelle in der Scheune in Osenbach haben wir nochmals ordentlich zugeschlagen. Bart mit seinem Marmorkuchen (auf den Schwört er :-)) und ich mit Salzbrezeln, Käse, Schokolade und Brot....noch zwei Becher Cola reingewürgt und weiter ging`s.

Eigentlich dachten wir, dass nach 52 KM Schluss ist und wir uns im Ziel so richtig feiern lassen können. Tja ...Satz mit X war wohl nix......als wir nach meiner Garmin eigentlich im Ziel sein müssten, kam ein Schild auf dem Stand "Arrivèe 3 KM"....ööööhhhmmmm...was isssn jetzt los? - dachten wir. Was willst du da machen...klar...weiter laufen bis ins Ziel. Die letzten 3 KM hatten es dann aber auch nochmals so richtig in sich. Eine Rutschpartie bergab über Matsch und Schnee durch die Weinberge. Mit viel Glück konnten wir beide einen Sturz verhindern. Aber dann.....ja dann war es endlich da, das Ziel. Die letzten Meter genossen wir und liefen mit einem tollen Gefühl über die Ziellinie.

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Unsere beiden Herzblätter Claudi und Angelika sowie Barts Papa Marek empfingen uns halb durchgefroren im Ziel. Vielen dank euch drei für´s ausharren. Zum Schluss durfte natürlich das obligatorische Finisher-Foto nicht fehlen.

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Jetzt gibt es von mir noch ganz dickes Lob an meinen lieben Begleiter und Laufkameraden Bart :-) Es hat total viel Spaß gemacht mit dir den Berg zu bezwingen und ich finde wir beide haben uns super ergänzt. Vielleicht können wir das ja nächstes Jahr hier oder auch woanders wiederholen. Es war mir eine echte Freude!

Während ich diese Zeilen mit einer Woche Verzögerung schreibe, scheint mir die Sonne ins Gesicht. In Karlsruhe hat es heute 14 Grad....wäre letzte Woche auch toll gewesen, aber hey was solls, es ist doch genau das was das Laufen und das Traillaufen im speziellen ausmacht. Nehme die Bedingungen wie sie sind, gebe dein Bestes und vor allem vergesse niemals den Spaß und die Freude.

So liebe Leserschaft...ich bin schon wieder im Training und freue mich am 8. April als Zugläufer 3:15h beim Freiburg Marathon an den Start gehen zu dürfen.

26.03.2108 Text und Bilder von Wolfgang Neuweiler