Laufgemeinschaft der Deutschen Ultramarathon-Vereinigung e.V.

 

Schlamm, Matsch und wunderbare Landschaften – Guido und Claudia beim Devon Coast to Coast

 

Über das Osterwochenende ging es für uns ins englische Devon zu einen 4-Tages Etappenlauf der mit täglich circa 42km und 1000 Höhenmetern von der Süd- zur Nordküste das Land durchquerte. Da wir Ende Mai acht Tage in Schottland die Highlands durchqueren werden, sahen wir das als optimale Gelegenheit für einen kleine Form und ‚Kit-Check‘. Jeden Tag ging es von einer Base (ein wunderschöner Campingplatz im Süden Devons) mit Shuttlebussen zu den jeweiligen Startorten und von den Zielen wieder zurück, wir überlegten kurz das Campingangebot wahrzunehmen, aber die Jahreszeit und die damit zu erwarteten Temperaturen überzeugten uns dann doch in ein kleines Bed&Breakfast zu gehen. Wie sich herausstellen sollte, war dies eine der besten Entscheidungen die wir treffen konnten.

 

Der Devon Coast to Coast wurde dieses Jahr zum ersten Mal durchgeführt, und sollte Großteils auf einem gut markierten Wanderweg (‚The 2 Moor Way‘) durch das Land führen. Ein GPX Track wurde zur Verfügung gestellt um selber zu navigieren, falls nötig. Ich (Guido) empfehle hier wärmstens den Track zu nutzen und vorher zu Kontrollieren ob er auch auf dem jeweiligen Gerät vorhanden ist. Auf meiner Uhr war nur ein Teil von 4 und zwar der letzte. Somit war die Navigation für mich dann doch eine Herausforderung, da teilweise auf vielen km keine Kennzeichnung des Wanderweges vorhanden war. Wie sich wahrscheinlich noch einige erinnern war der März 2018 nicht durch wunderschönes Frühlingswetter gekennzeichnet sondern eher durch winterlich kaltes und nasses Wetter. Als Claudia am Donnerstag vor in Hamburg aufstand um zum Flughafen zu fahren, erwachte sie zu 10 cm Neuschnee. Dieser blieb uns in Devon zum Glück erspart, aber auf den Wegen stand man teilweise mehr als knöcheltief im Schlamm der von den vielen Regenfällen kam.

 

Am 1. Tag war uns das Wetter relativ wohlgesonnen und wir starteten direkt am Strand (mehr Stein als Sand) in einem Ort namens Wembury. Traillaufen in England ist dadurch gekennzeichnet, dass die viele der Wanderwege wirklich querfeldein und durchaus immer wieder über Wiesen oder Äcker gehen, die zu den jeweiligen Bauernhöfen gehören. Es gibt dann an den Zäunen immer eine kleine Leiter um über den Zaun zu klettern und dann muss man sehen, wo es auf der anderen Seite der Wiese wieder ‚raus‘ geht. (Die Briten geben die Bezeichnung Trail noch aus, auch wenn schon lange keinerlei Weg mehr zu erkennen ist) Nach dem Start ging es für die ersten 21km (bis Ivybridge) relativ gemäßigt los, wir überquerten zwar einige Wiesen, hatten aber auch ein paar Strassenabschnitte, die wir laufen durften, so vergingen die ersten km sehr schnell. Dank der relativ großzügigen cut-off Zeit von jeweils 12 Stunden/Tag, kristallisierte sich schnell heraus dass von den knapp 70 Teilnehmern einige angetreten waren um dieses Event zu wandern und nur circa 50% der Teilnehmer die Strecke laufen wollten. Nach der Verplegungsstation in Ivybridge führte uns die Strecke dann das erste Mal in eines der Hochmoore (Dartmoor), der Weg schlängelte sich circa 15 km bergauf und bergab auf kleinen Schotterwegen, die teilweise mehr als Knöcheltief unter Wasser standen, durch das wunderschöne Hochmoor von Devon. Für diese 15 km sahen wir ausser ein paar anderen Läufern, die wir überholten, nichts außer wilden Pferden und Schafen. Ein langgezogener Downhill brachte uns dann fast bis ins Ziel, als kurze Überraschung auf dem letzten km noch ein sehr steiler Anstieg, der uns fast verzweifeln liess, und dann kamen wir nach 45 km und 6 Stunden in der kleinen Townhall an, Guido als dritter Mann und ich als 1. Frau.

 

 

 

Während wir am ersten Tag noch relativ gutes Wetter hatten, war der Wetterbericht für Tag 2 deutlich kälter und nasser. Wir versuchten möglichst schnell zu starten, da die Strecke sehr bald in einen Singletrail übergehen würde. Der Wetterbericht hatte wohl einige Läufer vergrault, da das Starterfeld an diesem Tag schon deutlich kleiner war. Ein irritierender Wegweiser nach circa 2 km führte dazu, dass wir falsch abbogen und mit uns einige der Läufer von Tag 1, die das mit der Navigation unterschätzt und beschlossen hatten uns an Tag 2 zu folgen. Nach ein paar Umwegen und querfeldeinlaufen hatten wir dann doch die richtige Strecke erreicht und konnten das Läuferfeld von hinten aufräumen. Nach circa 10 km kam der ersten Wiesenabschnitt, der uns fast knietief um Matsch versinken ließ. Nun, da die Füße jetzt eh wieder nass waren brauchten wir die die restlichen 30km den Pfützen nicht mehr auszuweichen, also Vollgas durch die Pampe, genauso wie früher… Da an unserem 2. Tag auch die non-stop Läufer starteten, war die Logistik des Veranstalters etwas überfordert; VP1 war noch nicht aufgebaut als wir ankamen und bereits hier wurde Cola zur Mangelware. Nach VP1, kam ein weiteres Hochmoor und hier wurde die GPS-Navigation nun wirklich hilfreich, denn eine Ausschilderung gab es nicht. Ich (Guido) hatte in der Nacht Probleme mit Husten und ein bisschen Temperatur und beschloss irgendwann etwas langsamer zu machen und Claudia ziehen zu lassen. Infolge dessen irrte ich jetzt ein wenig Planlos durch das Moor, da ich den Track nicht auf der Uhr hatte. Verlaufen war vorprogrammiert. Im dichten Regen sah ich in weiter Ferne einige Läufer, das war dann mein Anhaltspunkt um wieder auf den rechten Weg zu finden. Leider habe ich hier einiges an Zeit verloren.

 

Der Regen kam nun senkrecht und ging, als wir langsam höher kamen, in Graupel über. An VP2, überlegte ich, Claudia, auch sogar kurz aufzugeben, so gefroren hatte ich schon lange nicht mehr, aber die Vorstellung nun nass erst einmal in einem kalten Bus zu sitzen, bis diese VP abgebaut wurde, war noch weniger erbaulich, so dass ich weiterlief. Als ich dann circa 3 km weiter das erste Mal in ein Moorloch fiel und dann auch noch komplett nasse Beine hatte, bereute ich diese Entscheidung schon fast wieder. Zum Glück ging es dann für die letzten 10 km wieder über Strassen und Wiesen und nach 40 km kamen wir mit etwas Abstand in unserem Zielort an, an dem wir zwar noch über eine Stunde auf unsere Dropbags warten mussten, aber dafür unglaublich leckers vegetarisches Chilli und Kuchen bekamen. An diesem Tag abends waren wir sehr glücklich in unserer Unterkunft unter eine warme Dusche und anschliessend in ein warmes Bett klettern zu können. Unsere wunderbare B&B Gastgeberin steckte an diesem Tag sogar unsere Wäsche in die Waschmaschine, so dass wir wieder saubere Laufsachen hatten.

 

 

 

An Tag 3 sahen wir sogar die Sonne, unser Ostergeschenk, und hatten wieder mehr laufbare Passagen. Dies war der Tag an dem wir mehrere der non-stop Läufer/Wanderer überholten. Unglaublich diese 170km non-stop zu machen, vor allem bei diesen Wetterbedingungen.

 

Tag 4 fühlte sich teilweise wieder an wie Tag 2, Wind, Regen, ein Hochmoor, Claudia und Guido versinken beide mit einem Bein in einem Moorloch – was für ein unangenehmes Gefühl auf einmal zu sinken und keinen Grund zu finden….. ! Alle Läufer hatten am 4. Tag keinen grossen Elan mehr Bestzeiten zu laufen und wir 3 schnellsten Frauen liefen zusammen (solange mich niemand überholte, hatte ich die Gesamtwertung gewonnen). Guido hatte eine sehr nette Gruppe Läufer getroffen, die er mitzog. Im Norden von Devon wurde die Landschaft dann etwas sanfter, welliger und es gab ein paar wunderschöne Singletrails und lange Wiesen/Querfeldein Abschnitte am Fluss (ja, die Wiese war streckenweise sehr nass) zu Laufen.  Der Zieleinlauf in Lynmouth ist schon etwas Außergewöhnliches. Wir werden quasi von einem steilen Single Trail „ausgespuckt“ direkt in den Ort hinein, durchqueren diesen noch ca. 300m, schüttelt dann der Statue „The Walker“ von Richard Graham direkt am Meer die Hand und bekommen eine wunderschöne Medaille umgehängt. Umziehmöglichkeiten und etwas zu essen bekommen wir in dem direkt gegenüberliegenden Restaurant.

 

Als erste Frau, hätte ich für nächstes Jahr einen Freistart gewonnen…. Sehr gerne würden wir diesen Lauf nochmal machen, aber dann vielleicht mit mehr Sonne und etwas weniger Schlamm?

 

 

 

 

 

 Text und Bilder von Claudia Lederer 24.04.2018